Eine Mitarbeiterin des Regensburger Krankenhauses (Foto: dpa)
Der im Regensburger Universitätsklinikum behandelte Patient hat möglicherweise eine Krankenschwester und seinen Zimmernachbarn angesteckt. Der 37-Jährige war zunächst mehrere Tage wegen Herz-Kreislauf-Problemen im Kreiskrankenhaus Mallersdorf behandelt worden. Erst später wurden die Schweinegrippe-Viren bei dem Mann entdeckt.
Der Krankenschwester gehe es den Umständen entsprechend gut, sie sei in ambulanter Behandlung. Das Laborergebnis steht noch aus. Bei dem Zimmernachbarn fiel ein erster Test nach Angaben einer Krankenhaussprecherin negativ aus. Der Patient wurde vorsorglich mit einem antiviralen Mittel behandelt.
Eine Sprecherin des Krankenhauses erklärte gegenüber t-online.de, dass der infizierte Patient nach seiner Mexiko-Reise nicht wegen des Verdachts auf Schweinegrippe eingewiesen worden. Vielmehr habe er ursprünglich an Herz-Kreislauf-Problemen gelitten. Deswegen sei er nach Regensburg überwiesen worden, wo erst im Laufe weiterer Untersuchungen die Symptome der Schweinegrippe aufgetreten seien. Die Krankenschwester aus dem Raum Landshut wird derzeit vorbeugend mit Grippemitteln behandelt, bestätigte der Vorstandsvorsitzende der Kliniken des Landkreises Straubing-Bogen, Alois Lermer.
Schweizer Patient irrtümlich entlassen
In der Schweiz ist ein Patient mit dem Schweinegrippevirus irrtümlich vorübergehend aus dem Krankenhaus entlassen worden. Es handelt sich um den ersten Fall in der Schweiz, der durch ein Labor bestätigt wurde. Zahlreiche Kontaktpersonen kamen in Quarantäne, der Patient, der zuvor in Mexiko war, liegt inzwischen wieder auf der Isolierstation.
Berlin bestätigt drei Verdachtsfälle
Am Vormittag hatte Gesundheitsministerin Ulla Schmidt bestätigt, dass es in Deutschland drei neue Verdachtsfälle auf Schweinegrippe gebe. Insgesamt würden damit jetzt zehn Verdachtsfälle überprüft, sagte Schmidt. Bislang hat sich bei drei Menschen der Anfangsverdacht bestätigt: bei ihnen wurde eine Infektion mit dem neuen Virus definitiv nachgewiesen.
Vorhandene Medikamente sind wirksam
"Ich bin sehr froh, dass wir in den letzten Jahren sehr intensiv daran gearbeitet haben, dass wir hier in Deutschland einen Pandemieplan haben." Die SPD-Politikerin sagte, die Schweinegrippe könne mit den vorhandenen Medikamenten bekämpft werden. Sie begrüßte es, dass auf Flügen der Lufthansa von und nach Mexiko ein Arzt an Bord der Maschinen sei.
Weltgesundheitsorganisation ruft Warnstufe fünf aus
Unterdessen hat die weltweit grassierende Schweinegrippe die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Ausrufung der zweithöchsten Alarmstufe fünf veranlasst. Dies bedeutet, dass nach Einschätzung der WHO ein globaler Ausbruch der Seuche unmittelbar bevorsteht. WHO-Chefin Margaret Chan rief alle Länder auf, umgehend ihre Pandemie-Notfallpläne zu aktivieren. Im Falle einer Pandemie wäre die gesamte Menschheit bedroht, sagte Chan.
Die Zahl der bestätigten Fälle von Schweinegrippe weltweit hat sich nach Angaben der WHO auf 236 erhöht. Die meisten der neu nachgewiesenen Erkrankungen habe es in Mexiko gegeben, teilte die WHO mit. WHO-Grippeexperte Keiji Fukuda sagte, die Zahl der bestätigten Fälle in Mexiko sei von 26 auf 97 gestiegen, darunter seien sieben Todesfälle. In den USA starb ein kleines Kind. Mindestens 26 davon leben in Ländern der Europäischen Union, sagte die EU-Kommission. Alle Erkrankungen in Europa hätten bisher einen "milden Verlauf".
Die EU-Gesundheitsminister wiesen einen Vorschlag Frankreichs zurück, alle EU-Flüge nach Mexiko auszusetzen. Die tschechische Gesundheitsministerin Daniela Filipiova sagte, die Entscheidung zur Unterbrechung von Flügen solle jedem einzelnen Mitgliedstaat überlassen bleiben. Auch Deutschland und Spanien sprachen sich gegen ein generelles Verbot aus. Die WHO empfiehlt derzeit ebenfalls keine Einschränkungen des Reiseverkehrs, dennoch warnten zahlreiche Länder ihre Bürger vor Reisen nach Mexiko, darunter die Regierungen Frankreichs, Großbritanniens, Italiens, Kanadas und Russlands. Zahlreiche Reisende stornierten ihre Flüge nach Mexiko.
In vielen Ländern liefen unterdessen Schutzmaßnahmen an, um die Ausbreitung der Grippeviren zu verhindern. Australien stattet alle Flughäfen mit Infrarot-Scannern aus. Dabei sollen alle Passagiere mit erhöhter Körpertemperatur erkannt werden. In Singapur sollen alle Ankömmlinge aus Mexiko eine Woche unter Quarantäne gestellt werden. Die Philippinen reaktivierten ihren Notfallplan aus der Sars-Krise, in Thailand wurden Schutzmasken an Taxifahrer verteilt.