26.09.2011, 09:04 Uhr
Bei den Gottesdiensten in seinem Heimatland hatten ihm rund 300.000 Gläubige zugejubelt. Doch er erntete auch viel Kritik.
Hoch waren die Erwartungen an den Besuch des Papstes in Deutschland. Doch allen Hoffnungen auf Reformen zum Trotz beharrte Benedikt XVI. auf seinen konservativen Positionen. Reformkatholiken reagierten tief enttäuscht und riefen die Gläubigen sogar zum Ungehorsam auf. Für alle Christen sei es nun "Recht und Pflicht, nicht mehr auf weitere Schritte der Kirchenleitung zu hoffen, sondern dem eigenen Gewissen zu folgen", teilte die kritische Laienorganisation "Wir sind Kirche" in Freiburg mit.
"Die Gemeinden in Deutschland sollten die seit fast 500 Jahren andauernde unsägliche Spaltung der Christenheit für sich als beendet erklären", hieß es in der Mitteilung. Benedikt habe die Chance zum ökumenischen Fortschritt verspielt.
"Die große Mehrheit der Gläubigen kann und will den starren Argumentationen aus Rom einfach nicht mehr folgen", erklärte "Wir sind Kirche". Daher liege es nun an den Katholiken an der Basis, etwa über das Verbot gemeinsamer Eucharistiefeiern mit Protestanten hinwegzugehen.
Vom Papst seien "keine weiteren Impulse zu erwarten". Das dichte Programm des Deutschlandbesuchs mit 17 Ansprachen und Predigten des Papstes habe keinen Dialog zugelassen. "Besonders schmerzhaft werden viele Katholikinnen und Katholiken es vermissen, dass der Papst keinerlei Hoffnung für neue pastorale Wege zum Beispiel für wiederverheiratete Geschiedene gemacht hat, für die sich zuletzt auch Erzbischof Robert Zollitsch eingesetzt hatte."
Guter Dinge und "von der Sonne beleuchtet und gewärmt" hat sich der Heilige Vater an die Gläubigen gewandt. zum Video
Beim Abschlussgottesdienst vor 100.000 Besuchern in Freiburg bekräftigte Benedikt derweil die vielfach als unnachgiebig kritisierten Haltungen des Vatikans in Grundsatzfragen. Er rief die Katholiken zu absoluter Papsttreue auf und beklagte eine "Krise des Glaubens" in der westlichen Welt.
"Die Kirche in Deutschland wird für die weltweite katholische Gemeinschaft weiterhin ein Segen sein, wenn sie treu mit den Nachfolgern des heiligen Petrus und der Apostel verbunden bleibt", sagte Benedikt. Aktuelle und künftige Herausforderungen werde sie nur bestehen können, wenn Geistliche und Laien in Treue zu ihrer jeweiligen Berufung zusammenarbeiteten.
Bereits am Freitag hatte der Papst die wohl größte, wenn nicht sogar historische Chance auf neues Miteinander der Christenheit bei der ökumenischen Begegnung in Erfurt verstreichen lassen. Auf historischem Boden im Augustinerkloster, auf dem der spätere Reformator Martin Luther vor 500 Jahren als Mönch wandelte, traf er die Spitze der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) - und wies den Wunsch nach mehr Ökumene als "Missverständnis" zurück.
"Der Glaube ist nicht etwas, was wir ausdenken und aushandeln", gab er den protestantischen Glaubensbrüdern, die er nach wie vor in einer Religionsgemeinschaft und keinesfalls in einer Kirche wähnt, mit auf den Weg. Und fügte einen Tag später hinzu, dass er in Sachen Ökumene auf die orthodoxe Kirche als Partner setzt. Eine gemeinsame Kommunion von Katholiken und Protestanten bleibt untersagt.
Quelle: AFP , dpa
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