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Papst fordert "echte politische Weltautorität"
07.07.2009, 19:08 Uhr
Papst Benedikt XVI. unterzeichnet die Enzyklika "Caritas in veritate" (Foto: dpa)
Papst-Appell pünktlich zum G8-Gipfel: Benedikt XVI. hat eine "echte politische Weltautorität" zur Krisenbewältigung gefordert. Zugleich pocht er auf ein Wirtschaften, das sich an ethischen Zielen und am Gemeinwohl aller Menschen ausrichtet. In seiner ersten Sozialenzyklika "Caritas in veritate" (Die Liebe in der Wahrheit) plädiert das Oberhaupt der Katholiken für eine "ganzheitliche Entwicklung aller Völker". Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise wie auch die Globalisierung sollten dabei als Chance genutzt werden, eine Welt in Gerechtigkeit und Solidarität zu schaffen.
Die Enzyklika kam einen Tag vor Beginn des G8-Gipfels der sieben führenden Industriestaaten und Russlands heraus, der sich mit der Wirtschaftskrise, mit dem verschärften Hunger in der Welt und den Klimazielen im Kampf gegen die Erderwärmung befasst. Benedikt hatte seine insgesamt dritte Enzyklika mehrfach verschoben, um sie in der Weltwirtschaftskrise zu aktualisieren und dann mit führenden Staatenlenkern diskutieren zu können.
Volles Programm
Die bereits von seinem Vorgänger Johannes Paul II. angeregte, über die UN hinausgehende Weltautorität ist nach Benedikts Worten nötig, "um die Weltwirtschaft zu steuern, die von der Krise betroffenen Wirtschaften zu sanieren, eine Verschlimmerung der Krisen und sich daraus ergebenden Ungleichgewichten vorzubeugen." Außerdem gehe es darum, "eine geeignete vollständige Abrüstung zu verwirklichen, die Sicherheit und den Frieden zu nähren, den Umweltschutz zu gewährleisten und die Migrationsströme zu regulieren".
Benedikt mahnt neue Ethik für Finanzmärkte an
Für die Finanzmärkte ruft Benedikt nach einer neuen Ethik: "Die ganze Wirtschaft und das ganze Finanzwesen müssen nach ethischen Maßstäben als Werkzeuge gebraucht werden, so dass sie angemessene Bedingungen für die Fortentwicklung des Menschen und der Völker schaffen." Finanzmakler sollten die eigentlich ethische Grundlage ihrer Tätigkeit wiederentdecken, "um nicht jene hoch entwickelten Instrumente zu missbrauchen, die dazu dienen können, die Sparer zu betrügen".
Papst warnt vor Zersetzung der Gesellschaft
"Caritas in veritate" versteht sich als Fortschreibung der von Benedikt eingehend gewürdigten Sozialenzyklika "Populorum progressio" von Papst Paul VI. aus dem Jahr 1967. Die Liebe in der Wahrheit sei wesentlicher Antrieb für die wirkliche Entwicklung der Menschen, eröffnet Benedikt das Rundschreiben an die Kirche und "an alle Menschen guten Willens". Ohne Gewissen und Verantwortung werde soziales Handeln "ein Spiel privater Interessen und Logiken der Macht, mit zersetzenden Folgen für die Gesellschaft". Das gelte umso mehr in einer Gesellschaft in schwieriger Situation und auf dem Weg zur Globalisierung.
Ratzinger wendet sich gegen Resignation
"Die Krise verpflichtet uns, unseren Weg neu zu planen, uns neue Regeln zu geben und neue Einsatzformen zu finden, als positive Erfahrungen zuzusteuern und die negativen zu verwerfen", wandte sich Joseph Ratzinger gegen Resignation angesichts der sich häufenden Probleme. Absolut gesehen nehme der weltweite Reichtum zwar zu, doch die Ungleichheiten vergrößerten sich. Selbst in reichen Ländern verarmten neue Gesellschaftsklassen.
Vernunft, Liebe, Wahrheit
Den Hunger zu besiegen hält der Papst auch für dringend, "um den Frieden und die Stabilität auf der Erde zu bewahren". Dafür fehle eine Ordnung wirtschaftlicher Institutionen sowie eine gerechte Agrarreform und innovative landwirtschaftliche Technologie. "Wir dürfen nicht Opfer sein, sondern müssen Gestalter werden, indem wir mit Vernunft vorgehen und uns von der Liebe und von der Wahrheit leiten lassen", sieht Benedikt die Globalisierung auch als Chance.
Quelle: dpa