09.05.2007, 19:56 Uhr
Papst Benedikt XVI. ist am Mittwochabend zu seinen ersten Übersee-Besuch in Brasilien, dem Land mit den meisten Katholiken auf der Welt, eingetroffen. In den kommenden sechs Tagen will das Kirchenoberhaupt mehrere heiße Eisen anpacken. Hauptsächlich will er mit der brasilianischen Regierung über die geplante Lockerung des Abtreibungsrechts diskutieren.
"Mit Eucharistie unvereinbar"
Bereits auf dem Weg in das lateinamerikanische Land nahm der Papst Stellung zur Liberalisierung des Abtreibungsrechtes in Mexiko-Stadt und verteidigte die Exkommunikation mexikanischer Parlamentarier. Die Tötung eines Kindes sei mit der Teilnahme an der Eucharistie-Feier unvereinbar, betonte das katholische Kirchenoberhaupt: "Das Leben ist ein Geschenk und keine Bedrohung."
Mexikanische Politiker exkommuniziert
Die katholische Kirche von Mexiko hatte Ende April auf das Gesetz zur Freigabe der Abtreibung in Mexiko-City reagiert und die Politiker, die das Gesetz beschlossen haben, exkommuniziert. In der brasilianischen Hauptstadt Brasilia waren am Dienstag mehr als 2000 Abtreibungsgegner auf die Straße gegangen, um gegen ähnliche Pläne ihrer Regierung zu protestieren.
Immer mehr Kirchenaustritte
Ein weiteres Thema, das der Papst anzusprechen gedenkt, ist die wachsende Zahl der Kirchenaustritte. Zwar leben Südamerika die Hälfte aller Katholiken der Welt, aber immer mehr Menschen kehren der Kirche den Rücken zu. Aktuellen Angaben zufolge sind heute nur noch etwa 74 Prozent der rund 190 Millionen Brasilianer katholisch getauft, in den 1940er Jahren waren es noch weit mehr als 90 Prozent.
Freikirchen buhlen um Mitglieder
Experten erklären dies unter anderem damit, dass sich neoprotestantische Freikirchen und Pfingstbewegungen sehr stark in den Slums engagieren. In den vergangenen zehn Jahren sei die Zahl der Brasilianer, die sich einer solchen Bewegung angeschlossen haben, von elf auf 17 Prozent gestiegen, ergaben neueste Studien. Die Kirche betrachte diese Entwicklung "mit großer Besorgnis", sagte der Papst. "Benedikt XVI. startet seinen ersten Kreuzzug", schrieb die Zeitung "La Repubblica".
Botschaften zu Armut und Gewalt
Offizieller Anlass der Papstreise ist die Eröffnung der Lateinamerikanischen Bischofskonferenz in dem Wallfahrtsort Aparecida. Jedoch wurde bereits im Vorfeld bekannt, dass das katholische Kirchenoberhaupt auch "starke Botschaften" zu Themen wie Armut, soziale Ungerechtigkeit und Gewalt im Gepäck hat.
Schwule wollen protestieren
Erste Station Benedikts ist die Wirtschaftsmetropole São Paulo, wo er am Donnerstag mit dem brasilianischen Staatspräsidenten Luiz Ignácio Lula da Silva zusammentreffen will. Ein Höhepunkt des Besuchs ist eine Messe unter freien Himmel am Freitag, zu der über eine Million Gläubige erwartet werden. Vor der Weiterfahrt nach Aparecida steht zudem ein Treffen mit der Jugend auf dem Programm. Jedoch sind mehrere Demonstrationen geplant, unter anderem kündigten die brasilianischen Homosexuellen-Verbände Protest an.
Quelle: dpa
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