01.03.2010, 17:10 Uhr | Spiegel Online
Abydosaurier gehörten zu den größten Lebewesen, die je über die Erde gestapft sind, schon Jungtiere maßen fast acht Meter. Jetzt sind zwei vollständige Schädel der neu entdeckten Saurier-Art gefunden worden - sie verraten interessante Details über die Essgewohnheiten der Giganten.
Sie waren wahre Giganten: Die Sauropoden, riesige pflanzenfressende Dinosaurier mit einem meterlangen Hals und einem Mini-Kopf, zählten zu den größten Lebewesen auf der Erde. Der Brachiosaurus war einer der größten Vertreter der Sauropoden. Nun haben Wissenschaftler im US-Bundesstaat Utah zwei vollständig erhaltene Schädel einer neuen Dinosaurier-Art gefunden, die eng mit diesem Koloss verwandt war: Abydosaurus mcintoshi nannten sie die neue Art.
Der Abydosaurus lebte vor vor rund 105 Millionen Jahren, 45 Millionen Jahre nach Brachiosaurus. Über ihren spektakulären Fund berichten die Forscher um Brooks Britt von der Brigham Young University im Fachmagazin "Naturwissenschaften". "Man kann die Bedeutung dieser Fossilien nicht genug betonen", sagte Britt, der die Schädel zusammen mit Kollegen von der University of Michigan untersucht hat. Der Fund ist deshalb so bedeutend, weil Sauropoden-Schädel nur selten entdeckt werden. Von den rund 120 bisher bekannten Sauropoden-Arten wurden bis heute nur acht Schädel gefunden.
Das Problem: Da der Kopf der Sauropoden auf einem sehr langen Hals saß, war er sehr leicht gebaut, aus dünnen, zerbrechlichen Knochen, die mit weichem Gewebe verbunden waren. "Sie sind leichter als die Schädel von Säugetieren", so Britt. Nach dem Tod des Tieres fielen die Schädelknochen schnell auseinander und blieben nicht als Fossilien erhalten.
Die Abydosaurus-Schädel geben somit einmalige Einblicke in das Ernährungsverhalten der Sauropoden und in die Zahnevolution dieser Tiere. "Sie kauten nicht, sie packten das Futter und schluckten es", so die erste Erkenntnis Britts. Jedenfalls zeigten die Schädel keinen elaborierten Kauapparat. In dem Steinbruch Cedar Mountain Formation nahe der Stadt Vernal fanden die Wissenschaftler sogar insgesamt vier Schädel, von denen aber nur zwei vollständig erhalten sind.
Der Brachiosaurus erreichte eine Körpergröße von 25 Metern. Die gefundenen Abydosaurus-Schädel stammten von Jungtieren, die rund acht Meter groß wurden, so Britt. Wie groß ausgewachsene Abydosaurier wurden, darüber können die Forscher nur spekulieren. "Die Schädel machen nur ein Zweihundertstel des Körpervolumens aus", so Britt.
Im erdgeschichtlichen Zeitalter des Jura, der von 206 bis 144 Millionen Jahre vor unserer Zeit dauerte, hatten die Sauropoden eine große Vielzahl verschieden geformter Zähne. Am Ende des Zeitalters der Dinosaurier vor rund 65 Millionen Jahren, hingegen besaßen alle Sauropoden nur noch enge, stiftartige Zähne.
Die Schädel wurden bereits 2005 entdeckt, doch Felsen um die Knochen herum verhinderten, dass sie geborgen werden konnten. Erst letztes Jahr konnte ein Team mit Sprengstoff die Felsen lösen und die Wissenschaftler die Fossilien bergen - darunter übrigens auch Beinknochen, Schulterblätter und andere Skelettteile. Die Paläontologen glauben, dass sich insgesamt die Überreste von vier Dinosauriern an der Fundstelle befinden.
Quelle: Spiegel Online
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