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Ozonschwund lässt Sonne gefährlich brennen

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Ozonschwund lässt Sonne gefährlich brennen

22.04.2011, 22:31 Uhr | Aus Wien berichtet Axel Bojanowski

Polarwirbel: Vom Ozonschwund betroffene Luftmassen können weit nach Süden reichen (Grafik:  EZMW/AWI-Potsdam)

Polarwirbel: Vom Ozonschwund betroffene Luftmassen können weit nach Süden reichen (Grafik: EZMW/AWI-Potsdam)

Die Ozonschicht über der Arktis ist derzeit so dünn wie nie zuvor - sie wandert mit den polaren Luftmassen auch nach Europa. Deutschland lag bislang nur kurz in der Gefahrenzone. Doch das kann sich ändern.

Die Europäer freuen sich über die ersten Frühlingstage. Nach dem dunklen Winter tut Sonne gut, eigentlich fördert ihre Strahlung die Gesundheit - ein wohliges Gefühl stellt sich ein. Doch in diesem Frühjahr sollte die Sonne nicht sorglos genossen werden, warnen Klimaforscher der Weltmeteorologischen Organisation (WMO) und anderer Institute am Dienstag auf der Jahrestagung der Europäischen Geowissenschaftlichen Gesellschaft (EGU) in Wien.

Die schützende Ozonschicht über der Arktis sei so stark geschwunden wie noch nie seit Beginn der Messungen in den sechziger Jahren, berichten die Experten. Dorthin, wo die arktischen Luftmassen driften, dringt deshalb vermehrt gefährliche UV-Strahlung der Sonne bis zum Erdboden vor. Betroffen waren bislang vor allem Skandinavien und andere Regionen nahe der Arktis wie Kanada und Nordrussland. Doch auch in Mitteleuropa könne es "kurze Phasen erhöhter UV-Strahlung geben", teilen die Wissenschaftler mit. Deutschland hatte bislang Glück, nur der Norden war wenige Tage betroffen. Aber im Laufe des Aprils könnte sich das ändern, wenn der Ozonschwund weiter andauert.

Polarwirbel kann bis zum Mittelmeer reichen

Der sogenannte Polarwirbel mit arktischen Luftmassen flattert in mehr als 15 Kilometern Höhe umher wie ein Seidentuch, das über dem Nordpol verankert ist. Gelegentlich weht der Wirbel weit nach Süden - das könnte auch in den kommenden Wochen passieren. Gegenwärtig driften die arktischen Luftmassen ostwärts, werden in den kommenden Tagen über Teilen Russlands liegen und eventuell bis zur chinesisch-russischen Grenze vordringen. Die in der Arktis vom Ozonverlust betroffenen Luftschichten können in den nächsten Wochen auch über Mitteleuropa driften und dabei bis zum Mittelmeerraum vorstoßen. Unter dem Polarwirbel brennt die vermeintlich sanfte Frühlingssonne dieses Jahr so heftig wie im Hochsommer - doch im Gegensatz zum Sommer schützt im Frühjahr kaum jemand seine Haut mit Sonnencreme.

Schutz wäre nach Ansicht der Wissenschaftler aber nötig: "Sonnenbrände drohen", sagt Markus Rex vom Alfred-Wegener-Institut. In der Gefahrenzone können schon 20 Minuten unter blauem Himmel gesundheitsschädliche Hautentzündungen auslösen; Sonnenbrand erhöht das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken. Vor allem Kleinkinder sollten geschützt werden. Experten raten dazu, auf die Wettervorhersage zu achten: Der UV-Index gibt Auskunft über Episoden erhöhter Strahlung.

Fatale Reaktion an rosa Wolken

Die Wissenschaftler staunen über das dramatische Ereignis: Seit Anfang Dezember schwindet die Ozonschicht kontinuierlich. Sie sei mittlerweile um 41 Prozent dünner als normal, berichten Experten um Florence Goutail vom Forschungsinstitut CNRS in Frankreich auf der EGU-Tagung in Wien. Manche Berechnungen zeigten gar einen Schwund auf die Hälfte der üblichen Ozondicke. Und die Schicht schrumpft weiter: "Unsere Prognosen zeigen, dass der Ozonrückgang in den nächsten Tagen weitergeht", sagt AWI-Forscher Rex zu "SPIEGEL ONLINE".

Erst im Laufe des Aprils rechnen die Forscher mit einer Erholung der atmosphärischen Schutzsicht. Im Frühjahr erwärmt sich die Luft, so dass der chemische Zerstörungsprozess irgendwann gestoppt wird - denn erst unterhalb von minus 78 Grad Celsius beginnt der Zerfall des Ozons: Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW), die der Mensch in die Luft geblasen hat, greifen das Ozon an. An hübschen rosa Wolken bringen sie eine fatale chemische Reaktion in Gang: Gefrieren Salpetersäure, Schwefelsäure und Wasser zu rosa-türkisfarbenen Schlieren - den sogenannten polaren Stratosphärenwolken - löst sich das Ozon. Angetrieben von der Energie der Frühlingssonne zersetzen die Wolken das schützende Gas. Im Sommer lösen sich die Stratosphärenwolken auf, die Ozonschicht schließt sich.

Eigentlich schien sich das Ozonproblem zu bessern: Erst vergangenen September hatten Forscher bewiesen, dass das Verbot der FCKW durch die Vereinten Nationen 1987 Wirkung zeigt: Der Trend sei eindeutig positiv, berichtete ein internationales Forscherteam, das Ozon beginne sich zu regenerieren. Die Menge der schädlichen Substanzen in der Stratosphäre hat abgenommen. Doch die FCKW zersetzen sich nur langsam. "Die arktische Stratosphäre bleibt anfällig für Ozonzerstörung", sagt WMO-Generalsekretär Michel Jarraud.

Ozonschwund von Woche zu Woche beschleunigt

Eine extreme Kältephase in diesem Frühjahr hat den Erholungsprozess unterbrochen: Zwar sei es in der Stratosphäre derzeit nicht rekordmäßig kalt - aber eben besonders lange, seit mehr als vier Monaten. Mit jedem Grad, das die Stratosphäre unter minus 78 Grad abkühlt, nimmt die Ozonmenge um etwa ein Zwanzigstel ab. Denn bei diesen Minusgraden wirken die FCKW, die die Schutzschicht zerstören. Derzeit liegt die Temperatur der Luftschicht bei minus 83 Grad.

Der Ozonverlust hätte sich seit Dezember von Woche zu Woche beschleunigt, berichten die Forscher um Florence Goutail auf der Wiener Tagung: Bis Mitte Februar hat die Ozonschicht pro Tag ein 500stel ihres Bestandes verloren, inzwischen schwindet sie täglich um ein 125stel.

Die Temperaturgrenze von minus 78 Grad sorgt dafür, dass Nord- und Südpol unterschiedlich stark vom Ozonverlust betroffen sind: Über der Antarktis ist es in jedem Winter deutlich kälter als minus 78 Grad, so dass sich jährlich Stratosphärenwolken bilden. Ein Großteil des Ozons löst sich im dortigen Frühjahr - also im September - auf, das Ozonloch entsteht. Im Norden hingegen, in der arktischen Stratosphäre, sprechen Forscher lediglich von "Ozonverlust". Dort liegen die Wintertemperaturen normalerweise nahe am kritischen Wert von minus 78 Grad. Anders in diesem Jahr: Solch immenser Ozonschwund wie derzeit über der Arktis sei bislang nur über der Antarktis gemessen worden, staunt Markus Rex.

Die Ursache der langen Kältephase kennen die Wissenschaftler nicht: "Sie ist das große Rätsel", sagt Rex. Sicher scheint zu sein, dass Abgase aus Autos und Fabriken zum Temperatursturz beigetragen haben: Treibhausgase wie Kohlendioxid, die die bodennahe Luft erwärmen, sorgen in höheren Sphären für Abkühlung. Doch dieser "umgekehrte Treibhauseffekt" erklärt nur einen Teil der Abkühlung.

In den nächsten Jahren dürfte es weitere dramatische Ozonschwund-Phasen geben, meinen die Experten. "In den letzten Jahren bildeten sich dreimal so viele Stratosphärenwolken über der Arktis wie in den siebziger Jahren", berichtet Rex. Entsprechend drastischer fällt der Rückgang der atmosphärischen Schutzschicht aus. Erst ab 2030 rechnet die WMO mit einer deutlichen Erholung der Ozonschicht über der Arktis - dann werde die Menge der FCKW auf das Niveau der siebziger Jahre gefallen sein.

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Kommentare (77)

zum Forum

Thema: "Ozonschwund lässt Sonne gefährlich brennen"

Riff schrieb: am 6. April 2011 um 13:50:16
(0) (0) Unglaublich
Hier wird gegen alles gewettert was irgendwie was mit dem schutz der Erde zu tun hat. Das Problem ist nur das diejenigen die sich
aufregen keine Ahnung haben da wird CO2 für das Waldsterben das Ozonloch und die Klimaerwärmung verantwortlich gemacht. Stimmt aber nicht, Das Waldsterben wurde durch Schwefeldioxid hervorgerufen (wurde dann durch entschwefelung der Abgase unterbunden). Das Ozonloch wird durch FCKW verursacht dieses wurde 87 Verboten, es wurde damals bereits gesagt das es bis 2050 Br
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IK schrieb: am 6. April 2011 um 13:33:03
(0) (0) Ozonloch
Jawohl, nun ist Ozonloch wieder dran. Schon lange hatten wir nichts darüber gehört. Also, macht schon mal Geld locker, Ozonloch ist im Anmarsch

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Übrigens schrieb: am 6. April 2011 um 13:12:50
(0) (0) @ heinzeken
Der gesunde Verstand der Einzelnen, geht im Getümmel der Geldgeilen und Ruhmsüchtigen unter.

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