
20.01.2012, 21:23 Uhr | Von Heike Sonnberger, Spiegel Online
Oxford-Absage: Ist die 19-jährige Britin Elly Nowell total selbstbewusst oder einfach nur selbstgerecht? (Quelle: Christopher Rawlinson/Solent News)
Oxford genüge ihren Ansprüchen nicht, fand eine 19-jährige Britin - und schickte eine sarkastische Absage an die altehrwürdige Hochschule, bevor die sich für oder gegen sie entscheiden konnte. Die Uni gehe unfair mit Bewerbern um, schreibt sie. Für ihren Mut wird sie nun gefeiert und verhöhnt.
Jedes Jahr verschickt Oxford stapelweise Absagen an junge Menschen, die auf einen Platz an der Elite-Uni hoffen. Diesmal hat die Hochschule selbst eine bekommen, die hohe Wellen in der britischen Presse schlägt: Die 19-jährige Elly Nowell entschied sich, der Uni einen Korb zu geben, bevor diese sie annehmen oder ablehnen konnte. Sie setzte ein ironisches Schreiben im gestelzten Stil der Hochschule auf. Dafür wird sie nun im Internet gefeiert - und verachtet.
"Es tut mir sehr leid, Ihnen mitteilen zu müssen, dass ich meine Bewerbung zurückziehe", schrieb Nowell in ihrer E-Mail vom Dezember. "Es ist mir bewusst, dass Sie von dieser Entscheidung enttäuscht sein könnten." Doch Oxford entspreche "nicht ganz dem Standard", den sie sich von ihrer zukünftigen Universität erhoffe.
Nowell hatte sich um einen Studienplatz im Fach Jura beworben und war zu einem Auswahlgespräch am Magdalen College eingeladen worden. Während des Interviews sei ihr klar geworden, dass es wenig mit akademischem Potential zu tun habe, wer an der elitären Hochschule angenommen werde. "Es machte nicht länger Sinn für mich, mich ihrem Urteilsvermögen zu unterwerfen", schreibt sie in einem Gastbeitrag auf der Online-Seite des "Guardian" (engl.). Die Universität sei ein Symbol für die Ungerechtigkeit des britischen Bildungssystems.
"Die offensichtliche Kluft zwischen Minderheiten und weißen Studenten aus der Mittelschicht war peinlich", schreibt Nowell über ihren Aufenthalt auf dem Campus. Die Uni habe sich mit dem feinen Unterschied zwischen Elitedenken und Diskriminierung wohl noch nicht ausreichend auseinandergesetzt.
Diesen Vorwurf muss sich die renommierte Hochschule nicht zum ersten Mal anhören. Im vergangenen April hatte Regierungschef David Cameron darüber geschimpft, dass Oxford so wenige schwarze Studenten aufnehme. Auch Absolventen staatlicher Schulen kämen viel zu kurz, zitierte ihn der "Guardian". Auch Elly Nowell hat eine staatliche Schule besucht, im südenglischen Winchester.
Die Uni weist die Kritik zurück. Oxford und Cambridge versuchen seit Jahren, das Image einer Elite-Einrichtung für die weiße Mittel- und Oberschicht loszuwerden. Schulische Leistungen seien ausschlaggebend für eine erfolgreiche Bewerbung, sagte eine Sprecherin. 2011 seien fast 60 Prozent der Zusagen an Absolventen staatlicher Schulen verschickt worden. "Es ist ironisch, dass sechs von sieben Leuten, die einen Platz für Jura am Magdalen College bekamen, eine staatliche Erziehung hatten." Das Schreiben sei dennoch eine geistreiche Art gewesen, eine Absage zur vermitteln.
Auch Nowell fand die Idee witzig. Mit der E-Mail habe sie Freunden zeigen wollen, dass man vor Oxford und Cambridge nicht vor Ehrfurcht erstarren müsse. Ein Freund habe die Absage dann auf Facebook gepostet. Sie habe nicht erwartet, dass die Sache solche großen Kreise ziehen würde.
"Oxford ist eine ziemlich lächerliche und berühmte elitäre Institution", sagte sie dem Sender BBC. "Doch anders als über das Königshaus oder Investmentbanker macht man sich darüber selten lustig."
Sie hoffe, dass ihr Scherz in Zeiten steigender Jugendarbeitslosigkeit etwas leichten Humor verbreitet habe. In ihrer E-Mail gab sie der Uni den Tipp, Bewerbern doch nächstes Mal ein Glas Wasser anzubieten. "Es ist unverschämt, Gäste zu quälen." Sie habe sich beim Interview gefühlt wie der einzige Atheist in einem gigantischen Kloster.
Nicht jeder teilt den Humor der 19-Jährigen. "Ehrlich gesagt klingt das alles wie ein armseliger PR-Gag", zitierte die Studentenzeitung "Cherwell" Christy Rush, die im zweiten Jahr am Magdalen College Jura studiert. Dort lernten Leute aus sehr unterschiedlichen Schichten und Gruppen. Es sei schwer zu glauben, dass jemand einen Platz in Oxford ablehne, nur um selbstgerecht zu sein.
Nowell sagte, sie habe sich dort beworben, weil sie zuerst dachte, sich etwas beweisen zu müssen. Ihre Chancen, in Oxford angenommen zu werden, standen ungefähr eins zu zwei: Für den Studienstart im Jahr 2011 lud die Uni etwa 10.000 von 17.300 Bewerbern zum Interview. Sie konkurrierten um 3200 Studienplätze.
Nowell hat verkündet, dass sie lieber am University College London studieren möchte. Die Hochschule ist zwar nicht ganz so legendär, spielt aber in der Liga renommierter britischer Universitäten ebenfalls weit vorne mit.
Quelle: Spiegel Online
Stanfordabsolvent schrieb:
am 20. Januar 2012 um 21:19:29
(763)
(70)
Absage
Ich hab mich köstlich amüsiert, so eine kleine "Göre" und schon so frech :) !
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Luckyme schrieb:
am 20. Januar 2012 um 21:14:52
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(21)
Elly/ Oxford
@pity.. Über den Zaun (cambridge hat Mauern!) schauen, echt kein Problem, selbst ich als Nichtstudent war bereits auf dem
Gelände..und es hat nichts mit Hochmut bzw. der lebenserfahrung zu tun, was Elly getan hat..Entscheidungen trifft man, für oder dagegen..
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niemand schrieb:
am 20. Januar 2012 um 21:08:39
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Eliteuni
Da gibt es einen schönen Text aus den Tierfabeln von Gerd Branstner: "Auch große Tiere gehen mal aufs Örtchen, nur tun sie
oft so, als schissen sie ein Törtchen."
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