Karl-Heinz Kurras vor dem Prozessbeginn im November 1967 in Berlin (Foto: dpa)
Der West-Berliner Polizist, der 1967 Benno Ohnesorg erschossen und damit zur Radikalisierung der Studentenbewegung beigetragen hat, hat seine SED-Mitgliedschaft eingeräumt. "Ja, ich war in der SED, soll ich mich deswegen etwa schämen?", sagte Karl-Heinz Kurras der "Bild am Sonntag" ("BamS").
Befragt zu seiner Spitzeltätigkeit für die DDR-Staatssicherheit antwortete er: "Und wenn ich für die Staatssicherheit gearbeitet habe? Was macht das schon. Das ändert nichts!"
In der "Bild"-Zeitung hatte er zuvor geleugnet, Inoffizieller Mitarbeiter (IM) des Staatssicherheitsdienstes der DDR gewesen zu sein. Zugleich bestritt er in der "BamS", von der Stasi bezahlt worden zu sein, wie es die Akten des DDR-Geheimdienstes ausweisen. "Von denen habe ich nie Geld bekommen. Das haben die sich sicher in die eigene Tasche gestopft."
Seine alte politische Gesinnung habe er "abgelegt", versicherte der 81-jährige Kurras der Zeitung weiter. Zugleich sagte er aber über den Vizechef der Vereinigung der Opfer des Stalinismus, Carl-Wolfgang Holzapfel, der ihn wegen Mordes angezeigt hatte: "Den hätte Erich Honecker früher mal richtig verurteilen sollen."
Schily fordert neue Bewertung des Falls
Ex-Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) forderte, den Fall Benno Ohnesorg sowohl politisch als auch juristisch neu zu bewerten. "Die Akten müssen sehr genau geprüft werden", sagte Schily, der Ohnesorgs Vater als Nebenkläger im Prozess gegen Kurras vertreten hatte, der "Bild am Sonntag".
Auftragsmord seien Spekulationen
"Welchen Auftrag hatte der Polizeibeamte Kurras von der Stasi wirklich? Sollte der Mann womöglich gezielt provozieren? Sollte er die gesellschaftlichen Spannungen in Westdeutschland und in Westberlin verschärfen?" sagte Schily. Bisher gebe es für einen Auftragsmord der Stasi aber keine konkreten Anhaltspunkte, hob Schily hervor. Das seien Spekulationen.
"Geschichte nicht als von Stasi gesteuert ansehen"
Die Ära der Studentenproteste in der Bundesrepublik müsse "vielleicht in Teilen" neu bewertet werden, nicht aber im Ganzen, sagte Schily. Die Stasi habe auf den verschiedensten Ebenen Einfluss genommen. "Wir sollten uns aber davor hüten, die gesamte Geschichte der Bundesrepublik einschließlich der Bewegung der Achtundsechziger als von der Stasi gesteuert zu bewerten", sagte der SPD-Politiker.
Aus Mangel an Beweisen freigesprochen
Nach Erkenntnissen der Stasiunterlagen-Behörde war der West-Berliner Polizist Karl-Heinz Kurras, der Ohnesorg 1967 unter bis heute ungeklärten Umständen während des Schah-Besuchs in Berlin erschoss, Mitarbeiter des Staatssicherheitsdienstes der DDR. Zudem war er nach den Unterlagen Mitglied der DDR-Staatspartei SED. Kurras war in zwei Verfahren 1967 und 1970 mangels Beweisen vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen worden.