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Offener Streit zwischen Obama und Netanjahu

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"Offensichtlich haben wir Differenzen"

23.05.2011, 08:42 Uhr | Von Peer Meinert, dpa

Scharfe Kritik im Weißen Haus. (Screenshot: Reuters) Offener Streit zwischen USA und Israel

Israels Ministerpräsident übt ungewöhnlich scharfe Kritik an den Forderungen des US-Präsidenten.

Die Stunden vor der Nahost-Rede Barack Obamas müssen geradezu dramatisch gewesen sein: Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ließ es sich nicht nehmen, persönlich bei Außenministerin Hillary Clinton anzurufen. Der Präsident müsse die Passagen über die israelisch-palästinensischen Grenzen vor 1967 herausnehmen, forderte er scharf.

In einer Grundsatzrede hatte Obama am Donnerstag erstmals eine Friedenslösung auf Grundlage der Grenzen von 1967 gefordert, wie sie vor dem Sechstagekrieg bestanden. Richtig ärgerlich geworden sei Netanjahu, berichtet die "New York Times". Doch genutzt hat alles nichts. Clinton ließ den Anrufer abblitzen. Ist das der neue Umgangston zwischen zwei engen Verbündeten?

Auch einen Tag nach Netanjahus Anruf hat sich die Stimmung hat sich nicht wirklich verbessert. Kühl, ohne jedes Lächeln traten die beiden Männer nach einem Treffen am Freitagabend im Weißen Haus vor die Presse. Sie gaben sich nicht einmal Mühe, die Gegensätze schön zu reden. "Offensichtlich haben wir Differenzen", sagte Obama. Zwar sprach er von der israelisch-amerikanischen Freundschaft, verurteilte Hamas und betonte Israels Sicherheitsbedürfnis. Doch in der Sache gab er keinen Millimeter nach. Echte Freundschaft sieht anders aus.

Obama verkroch sich im Sessel

Auch Netanjahu hielt sich nicht mit Höflichkeiten auf. Israel "kann nicht zu den Grenzen von 1967 zurückgehen". Diese Grenzen ließen sich nicht verteidigen. Auch hier: Nicht mal einen Hauch von Zugeständnissen.

Doch mehr noch als Worte verriet die Körpersprache der beiden: Als Netanjahu zu einer längeren Passage über die leidvolle jüdische Geschichte ansetzte, stützte Obama das Kinn in die Hand, verkroch sich förmlich in seinen Sessel - typische Geste kühler Zurückhaltung. Und danach beim Händeschütteln - nicht einmal der Anflug eines Lächelns huschte den beiden Männern übers Gesicht.

Kein Vertrauen mehr in Netanjahu

Lange nicht mehr hing der Haussegen so schief zwischen Israel und den USA. Auch Beschwichtigungen, Obama habe lediglich ausgesprochen, was im Grunde schon längst US-Politik ist, helfen da nichts. Indem Obama erstmals öffentlich von den Grenzen vor dem Sechstagekrieg sprach, hat er faktisch ein Tabu gebrochen. Und dass er damit Netanjahu persönlich reizt, war ihm ebenfalls bewusst.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass die beiden Männer längst zu Gegenspielern geworden sind. Unter der Hand wird im Weißen Haus längst klargemacht, dass sie sich gegenseitig nicht über den Weg trauen: Die Amerikaner glauben, dass Netanjahu in Grunde keine echten Friedensverhandlungen will und lediglich geschickt versucht, den Palästinensern die Schuld für ein erneutes Scheitern in die Schuhe zu schieben. Von einem "Mangel an Vertrauen" wird gesprochen.

Israel widersetzt sich "arabischem Frühling"

Doch Obama treiben auch ganz andere Sorgen um: Die politischen Erschütterungen, die seit Monaten im Nahen Osten und Nordafrika stattfinden, scheinen unkalkulierbar. Niemand vermag zu sagen, wie sich die künftigen Machthaber in Ägypten und Tunesien langfristig zu Israel verhalten. Zusätzliche Unwägbarkeiten bringt die Versöhnung zwischen Fatah und Hamas mit sich. Geradezu Kälteschauer lösten die jüngsten Proteste von Palästinensern in den Grenzregionen zu Israel aus.

Washington fürchtet, dass der "arabische Frühling" weiter an Fahrt gewinnt - und zu einer Bedrohung für Israel führen könnte. Daher dringt Obama darauf, dass Israel jetzt Bewegung zeigt und sich zu Konzessionen bereiterklärt. Zugleich will Obama die Gunst der Stunde, die Dynamik der revolutionären Veränderung nutzen. Motto: Wenn nicht jetzt, wann dann? Bei Netanjahu, so scheint es, hat der Frühling jedoch keine Chance.


Quelle: dpa

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Kommentare (69)

zum Forum

Thema: "Offener Streit zwischen Obama und Netanjahu"

Otto1 schrieb: am 21. Mai 2011 um 19:44:59
(0) (0) schreibt
Man muß sich doch fragen warum schaut die welt dem treiben von israel zu.Die intresse in dieser region frieden zu schaffen ist
gering.Solange sich israel an der seite seines großen bruders sicher fühlt machen die weiter was sie wollen.Die palästineser werden behandelt und das weltweit als menschen 2er klasse.In jeder phase ihres tuns wird ihnen der stempel israels aufgedrückt.Für israel haben diese menschen keinen wert das belegen die toten seit gründung des landes israel.Es ist eine sch
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heinz06 schrieb: am 21. Mai 2011 um 19:18:05
(0) (0) Streit um Israel..
@ Alex!! "es ist schon richtig, an sich gehört das ganze Land den Juden" meinen Sie das wirklich wie Sie es
schreiben ?? Nach mehreren tausend Jahren und total veränderter Situation (Landverteilung-Besiedelung) kommen die Juden zurück und berufen sich auf Texte in alten religiösen Schriften bei der Landnahme inzwischen von ganz anderen Völkern bewohnter Gebiete. Die aber wollen es nicht mehr hergeben-nach über 2000 Jahren ! Also endloser Krieg bis kein Palästinenser mehr da ist
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max 100 schrieb: am 21. Mai 2011 um 19:09:01
(0) (0) El Turco
Nun nicht immer gleich pauschalisieren. Auftrag zum Ehrenmord ist für mich grundsätzlich ein Verbrechen - egal wer der
Auftraggeber ist. Vielleicht hat Israel seit der Staatsgründung vor 63 Jahren wirklich zuviel Schuld auf sich geladen. Vielleicht aber kann Israel auch mit der Vergebung und Einsicht der Araber / Palästinänser rechnen und es gibt ein friedliches miteinander in der Zukunft. Da muß Israel aber sehr wohlwollend auf die Pälästinänser zugehen. So wie bisher geht es kaum w
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