13.05.2010, 14:47 Uhr
Eine Initiative will die Ölpest mit Haarwürsten in Strumpfhosen eindämmen: Täglich gehen 200.000 Kilo Haare als Spende ein. (Foto: dpa)
Nach dem gescheiterten Versuch mit der Saugglocke werden jetzt skurril anmutende Versuche gestartet, die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko einzudämmen: Der Konzern BP fragt die Bevölkerung nach Ideen. Jeder könne auf der Website deepwaterhorizonresponse.com Vorschläge zum Umgang mit der Ölpest machen, sagte BP-Sprecher Bryan Ferguson.
Die Ideen würden zur Prüfung an Ingenieure weitergeleitet. "Ich habe keine Ahnung, in welchem Maße sie daraus schöpfen, aber sie haben Experten aus aller Welt eingeflogen, um mitzuarbeiten und die eingereichten Ideen zu prüfen", fügte Ferguson hinzu.Eric Smith, Experte für fossile Brennstoffe von der Tulane University in New Orleans sagte, mit der Einbeziehung der Öffentlichkeit verfolge BP möglicherweise das Ziel, "Kritik abzuwehren". Er sei sich aber "sicher, dass es ein paar gute Ideen gibt, und eine Menge anderer Ideen, die nicht so praktikabel sind", sagte der Wissenschaftler.
Die Ideenbörse läuft schon auf Hochtouren: Als Vorschlag zum Schutz der Strände hatten der Sheriff des Bezirks Walton an der Küste von Florida, Michael A. Adkinson, und das Unternehmen C.W. Roberts vorgeschlagen, im Meer mit Heu gefüllte Barrieren auszulegen. Diese sollten mit Gebläsen ausgerüstet sein, die das Heu auf dem Ölteppich verteilten. "Das Heu klumpt mit dem Öl zusammen und macht es so leichter, den Abfall aus dem Wasser zu entfernen", sagte Adkinsons Sprecher Mike Gurspan.
Die Initiative Matter of Trust sammelt in aller Welt Haare von Menschen und Tieren sowie Nylonstrumpfhosen, um daraus Barrieren gegen den Ölteppich anzufertigen. "370.000 Friseursalons schicken uns ihr Haar und außerdem 100.000 Tiersalons, Alpaka- und Schafzüchter", sagte Lisa Gautier, Mitbegründerin der Initiative. Eine große Transvestitengruppe habe außerdem "ihre sehr langen Nylons" gestiftet. Rund 200.000 Kilogramm Haare gehen laut Gautier täglich bei Matter of Trust ein. In Strumpfhosen gestopft verwandeln sie sich in Öl-absorbierende Barrieren, die an den Stränden des Golfs von Mexiko Ölklumpen aufsaugen sollen. Haare saugen etwa das Vier- bis Sechsfache ihres Gewichts an Öl auf, synthetische Mikrofasern sind allerdings deutlich leistungsfähiger.
Die Bohrinsel "Deepwater Horizon" war am 20. April im Golf von Mexiko explodiert. Elf Arbeiter kamen ums Leben. Zwei Tage später sank die Plattform, seither strömen täglich schätzungsweise 800.000 Liter Öl aus und bedrohen die Küstengebiete mehrerer Bundesstaaten im Süden der USA. Am Samstag musste der Versuch, in 1500 Metern Tiefe eine Stahlglocke über dem sprudelnden Bohrloch abzusetzen, abgebrochen werden. Nach Angaben von BP hatten sich Eiskristalle in der Konstruktion gebildet. Inzwischen prüfen Experten, ob sie eine kleinere Konstruktion einsetzen.
Quelle: AFP
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