Obama "tief besorgt" über Urteil gegen Journalistinnen
09.06.2009, 11:53 Uhr
Die beiden US-Journalistinnen Euna Lee (l.) und Laura Ling (Foto: AP)
Das höchste Gericht in Nordkorea hat zwei an der Grenze zu China festgenommene US-Journalistinnen zu jeweils zwölf Jahren Arbeitslager verurteilt. Beim fünftägigen Prozess vor dem Zentralgerichtshof in Pjöngjang seien die "schweren Verbrechen" der beiden amerikanischen Staatsbürgerinnen gegen den Staat und ihr illegaler Grenzübertritt bestätigt worden, hieß es in einem Bericht der staatlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA.
Weitere Details wurden zunächst nicht bekannt. Rechtliche Mittel gegen das Urteil sind nicht möglich. Damit verschärfen sich die Spannungen zwischen Pjöngjang und Washington nach den neuen nuklearen Drohgebärden Nordkoreas und der nun erfolgten Verurteilung. US-Präsident Barack Obama zeigte sich "tief besorgt" über die Entscheidung des höchsten nordkoreanischen Gerichts.
Die koreanischstämmige Journalistin Euna Lee und ihre chinesischstämmigen Kollegin Laura Ling waren am Mitte März bei Recherchen an der Grenze zu China festgenommen worden. Im Auftrag des US-Internetsenders Current TV arbeiteten sie an einer Reportage über Nordkoreaner, die über den Tumen nach China flüchten. Der Fall hat auch vor dem Hintergrund erhöhter Spannungen in der Region international große Aufmerksamkeit erregt.
Frauen als Druckmittel?
Beobachter spekulierten, dass das kommunistische Regime in Pjöngjang die beiden Frauen als Druckmittel bei möglichen Verhandlungen mit Washington benutzen könnte. "Wir rufen Nordkorea erneut auf, die beiden Journalisten aus humanitären Gründen freizulassen", erklärte ein Sprecher des US-Außenamts. "Wir nutzen alle verfügbaren Kanäle, um ihre Freilassung zu erreichen", teilte Präsident Obama mit. Er rief abermals dazu auf, die beiden "aus humanitären Gründen" umgehend auf freien Fuß zu setzen.
Nordkorea vor Rückkehr auf Schwarze Liste
Die USA debattieren zurzeit noch mit den anderen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats über eine Resolution zum weltweit verurteilten Atomtest in Nordkorea vom 25. Mai. Washington unterhält zu Pjöngjang keine formalen diplomatischen Beziehungen. Nach den Worten von Außenministerin Hillary Clinton erwägen die USA derweil, das kommunistische Land wieder auf ihre Schwarze Liste terrorunterstützender Staaten zu setzen. Clinton nannte das nordkoreanische Vorgehen "sehr provokativ und aggressiv" und einen möglichen Grund für die Rückkehr auf die Liste, von der Nordkorea im Oktober - noch unter der Bush-Regierung - gestrichen worden war.
"Starke Aktion" soll Wettrüsten verhindern
Die USA dächten außerdem darüber nach, über eine US-Resolution die internationale Gemeinschaft zu ermächtigen, nordkoreanische Atomtransporte auf dem Luft- oder Seeweg ins Ausland zu unterbinden, so Clinton. Sollte es nach dem jüngsten nordkoreanischen Atomtest und dem Abschuss mehrerer Kurzstreckenraketen zu keiner "starken Aktion" kommen, sei ein Wettrüsten in Nordostasien zu befürchten, sagte die Außenministerin dem US-Fernsehsender ABC.
"Reporter ohne Grenzen" setzen sich für Freilassung ein
Die internationale Journalistenvereinigung "Reporter ohne Grenzen" hatte an die Justizbehörden in Nordkorea appelliert, Lee und Ling freizulassen. "Falls diese beiden Fernsehreporter den Fehler begangen haben, zu dicht an die nordkoreanische Grenze zu kommen, taten sie dies allein für journalistische Zwecke und nicht aus politischen Gründen oder für Spionagezwecke."