17.09.2010, 10:00 Uhr
Die Volksarmee sucht das Gespräch mit Südkorea (Foto: Reuters)
Nach dem bedrohlichen Säbelrasseln auf der koreanischen Halbinsel in den vergangenen Monaten will Nordkorea mit dem Nachbarn im Süden auch auf Militärebene wieder reden. Das kommunistische Land schlug Arbeitsgespräche von Vertretern der Streitkräfte über ungelöste Dispute vor. Das teilte das Verteidigungsministerium in Seoul mit.
Sollte das Treffen zustande kommen, wären es die ersten derartigen Militärgespräche beider Länder seit fast zwei Jahren. Vor dem Hintergrund des Konflikts um ein versenktes südkoreanisches Kriegsschiff reagierte das Ministerium jedoch zurückhaltend.
Das Angebot wurde von Beobachtern zunächst als weiterer Hinweis dafür verstanden, dass Nordkorea die angespannte Lage zu entschärfen versuche. Wenige Tage zuvor hatten sich beide Länder bereits auf Rot-Kreuz-Gespräche über humanitäre Fragen geeinigt. Die Rot-Kreuz-Verbände beider Seiten wollen über neue Begegnungen von Familienangehörigen reden, die seit Jahrzehnten getrennt leben. Nun wolle die Volksarmee über die umstrittene innerkoreanische Grenzlinie im Gelben Meer sprechen, hieß es. Auch die Verbreitung von anti-nordkoreanischem Propagandamaterial über die Grenze soll zur Sprache kommen. Nordkorea hatte wiederholt gegen das Regime in Pjöngjang gerichtete Flugblattaktionen südkoreanischer Gruppen als Provokation kritisiert.
"Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass Nordkorea die Versenkung der "Cheonan" nicht zugegeben oder sich dafür entschuldigt hat, überprüft die Regierung den Vorschlag Nordkoreas vorsichtig", teilte das Ministerium in Seoul mit. Südkorea macht das Nachbarland für den Untergang der Korvette "Cheonan" verantwortlich, bei dem im März 46 Soldaten getötet wurden. Nordkorea bestreitet eine Verwicklung. Ende Mai hatte Nordkoreas Militär ein Abkommen aufgekündigt, das bewaffnete Zusammenstöße auf hoher See verhindern soll, und mit dem Angriff auf südkoreanische Schiffe gedroht, die die militärische Demarkationslinie im Gelben Meer verletzen würden.
Experten vermuten bei der vorsichtigen Annäherung der Länder einen Zusammenhang mit dem offenbar kurz bevorstehenden Machtwechsel in Nordkorea: Der 68-jährige kranke Staatschef Kim Jong Il etabliert seinen jüngsten Sohn Kim Jong Un als Nachfolger. Eigentlich sollte ein wichtiger Schritt auf einem Parteitag in Pjöngjang getan werden, der allerdings seit Tagen verschoben wird.
Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Hartmut Koschyk, der als Leiter von Delegationen des Bundestages schon mehrmals in offizieller Mission Nordkorea besucht hat, zeigte sich optimistisch hinsichtlich der Chancen einer Öffnung des Landes. "Die jetzige Klimaveränderung hat sich schon länger angedeutet", sagte er mit Blick auf die jüngste Mission des früheren US-Präsidenten Jimmy Carter, der im August in Pjöngjang war und dort die Freilassung eines in Nordkorea verhafteten Amerikaners erwirkt hatte. Dass die Carter-Reise nach Nordkorea nicht verschoben wurde, obwohl Kim Jong Il zur gleichen Zeit in China weilte - womöglich, um dort seine Nachfolgeregelung zu präsentieren - wertete Koschyk als "neue Offenheit" Nordkoreas. Ein weiterer Hinweis darauf sei die Bereitschaft Nordkoreas, internationale humanitäre Hilfe für Opfer der Unwetterkatastrophe im Norden zuzulassen.
Quelle: dapd , dpa
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