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Nordkorea beschießt südkoreanische Insel mit Granaten

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Nordkorea beschießt südkoreanische Insel mit Granaten

23.11.2010, 15:00 Uhr

Auf der südkoreanischen Insel Yeonpyeong steigt nach dem Einschlag von Artilleriegranaten dunkler Rauch auf - um das Video zu sehen, klicken Sie auf das Bild. (Foto: Reuters)

Auf der südkoreanischen Insel Yeonpyeong steigt nach dem Einschlag von Artilleriegranaten dunkler Rauch auf - um das Video zu sehen, klicken Sie auf das Bild. (Foto: Reuters)

Das nordkoreanische Militär hat nach Angaben aus Südkorea Artilleriegranaten auf die südkoreanische Insel Yeonpyeong gefeuert. Bei dem Beschuss wurden südkoreanischen Militärangaben zufolge mindestens zwei Soldaten getötet und 16 zum Teil schwer verletzt.

"Eine nordkoreanische Artillerie-Einheit hat um 14.34 Uhr Ortszeit (6.34 Uhr mitteleuropäischer Zeit) Schüsse zur Provokation abgefeuert und die südkoreanischen Truppen haben zur Selbstverteidigung sofort zurückgeschossen", sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Seoul. Es handelte sich um einen der schwerwiegendsten militärischen Zusammenstöße seit dem Ende des Korea-Kriegs 1953.

Südkorea beruft Krisensitzung ein

Der Zwischenfall ereignete sich während eines südkoreanischen Manövers in der Region. Die nordkoreanischen Streitkräfte hätten den Süden am Dienstagmorgen aufgefordert, die Übung zu stoppen, erklärte ein Generalstabsvertreter. Das Ministerium teilte mit, Nordkorea habe Dutzende von Artilleriegranaten über dem Gelben Meer Richtung Südkorea gefeuert. Nach Fernsehberichten wurden auch Häuser beschädigt. "Mindestens zehn Häuser brennen", zitierte der Sender einen Bewohner der Insel. Die Einwohner seien per Lautsprecher-Durchsage aufgerufen worden, ihre Häuser zu verlassen.

Die südkoreanische Armee sei in höchste Alarmbereitschaft versetzt worden, erklärte das Ministerium. Der Fernsehsender YTN berichtete, mehrere südkoreanische Kampfjets seien zu der Insel geschickt worden. Der südkoreanische Staatschef Lee Myung Bak berief eine Krisen-Sicherheitssitzung ein. Lee habe die zuständigen Minister und Sicherheitsberater aufgerufen, "einer weiteren Eskalation vorzubeugen", sagte ein Sprecher des Präsidenten. Aus seinem Umfeld verlautete, dass Lee eine "ernste" Antwort auf den nordkoreanischen Beschuss angeordnet habe. Der "unmenschliche" Angriff auf zivile Ziele verletze den Waffenstillstand von 1953, hieß es aus Seoul.

Nach Berichten der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA drohte das Oberkommando der nordkoreanischen Streitkräfte mit einer Fortsetzung der Angriffe, sollte Südkorea die umstrittene Seegrenze "auch nur um einen Millimeter" verletzen.

China ist besorgt

Nordkorea: Die Insel Yeonpyeong liegt westlich der koreanischen Halbinsel und ist nicht weit von der Seegrenze entfernt, die die Vereinten Nationen nach dem Korea-Krieg festgelegt hatten. Nordkorea erkennt die Grenze jedoch nicht an. (Foto: Stepmap) Die Insel Yeonpyeong westlich der koreanischen Halbinsel (Foto: Stepmap)Die mit Seoul verbündete US-Regierung verurteilte den Angriff Nordkoreas auf Yeonpyeong. Pjöngjang müsse sein aggressives Handeln beenden und sich an die Vorgaben der nach dem Koreakrieg getroffenen Waffenstillstandsvereinbarung halten, erklärte der Sprecher des Weißen Hauses, Robert Gibbs. Die USA seien der Verteidigung ihres Bündnispartners und der Aufrechterhaltung von Frieden und Stabilität in der Region verpflichtet.

Am Dienstag wollte der US-Sondergesandte Stephen Bosworth in China Gespräche über das nordkoreanische Atomprogramm führen. China ist der bedeutendste Unterstützer der kommunistischen Führung in Nordkorea. Die Regierung in Peking äußerte sich besorgt über den Vorfall auf Yeonpyeong. "Wir hoffen, dass die Beteiligten mehr tun, um zu Frieden und Stabilität auf der koreanischen Halbinsel beizutragen", sagte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums.

Auch Russland warnte vor einer Eskalation des Konfliktes. "Es ist wichtig, dass das nicht zu einer Verschlechterung der Lage auf der koreanischen Halbinsel führt", sagte ein Vertreter des Außenministeriums in Moskau der Nachrichtenagentur Interfax. Der japanische Ministerpräsident Naoto Kan forderte sein Kabinett angesichts des Vorfalls in Südkorea auf, das Land auf "alle Eventualitäten" vorzubereiten.

Gespannte Beziehungen

Die Beziehungen zwischen Seoul und Pjöngjang sind insbesondere wegen des nordkoreanischen Atomprogramms gespannt. Nordkorea hatte erstmals im Oktober 2006 und dann erneut im Mai 2009 Atomwaffen getestet. Kurz vor dem zweiten Test war Nordkorea aus den sogenannten Sechser-Gesprächen mit Südkorea, China, den USA, Russland und Japan ausgestiegen.

Nordkorea hatte vor wenigen Tagen einem amerikanischen Atomexperten zufolge die Fertigstellung einer neuen Anlage zur Urananreicherung verkündet. Der frühere Leiter des US National Laboratory in Los Alamos, Siegfried Hecker, erklärte am Samstag, er habe das Werk im Kernforschungszentrum in Yongbyon kürzlich besichtigt. In der Anlage seien erst vor kurzem 2000 Zentrifugen installiert worden. Nordkorea produziere dort nach eigenen Angaben auf niedrigem Niveau angereichertes Uran für einen neuen Reaktor. In den vergangenen Monaten hatte Pjöngjang allerdings wiederholt seine Bereitschaft signalisiert, unter bestimmten Bedingungen in die Sechser-Gespräche zurückzukehren.

Die Lage auf der koreanischen Halbinsel war bereits vor dem neuerlichen Zwischenfall äußerst angespannt. Südkorea macht Nordkorea für die Versenkung eines seiner Kriegsschiffe im Gelben Meer verantwortlich. Bei dem Vorfall kamen im März 46 Soldaten ums Leben. Nordkorea bestreitet eine Verwicklung.

Nordkorea erkennt Seegrenze nicht an

Yeonpyeong liegt westlich der koreanischen Halbinsel im Gelben Meer und ist nicht weit von der Seegrenze entfernt, die die Vereinten Nationen nach dem Korea-Krieg festgelegt hatten. Nordkorea erkennt die Grenze nicht an. Ende Oktober hatte sich ein Schusswechsel zwischen nordkoreanischen und südkoreanischen Truppen ereignet. Die südkoreanische Armee war deswegen kurz vor dem G-20-Gipfel in Seoul in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt worden. YTN zufolge leben auf der Insel Yeonpyeong zwischen 1200 und 1300 Menschen, zudem sind dort etwa 1000 südkoreanische Soldaten stationiert.


Quelle: dpa , dapd , AFP

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