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Nigeria: Chinas Gier nach afrikanischen Bodenschätzen

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Chinas zweifelhaftes Engagement in Afrika

31.05.2010, 11:01 Uhr | Von John Campbell, The European

Das Niger-Delta besitzt zwar reiche Erdölvorkommen, der Großteil der Bevölkerung lebt jedoch in bitterer Armut und leidet unter der Umweltverschmutzung, die die Öl-Industrie mit sich bringt (Foto: dpa )

Chinas wirtschaftspolitischer Einfluss in Nigeria ist eine Schimäre. Den Höhepunkt hatte er unter Staatspräsident Obasanjo erreicht und wurde zügelloser in der Amtszeit unter Staatspräsident Yar’Adua. Die Beziehung hat gelegentlich Vorteile für beide Seiten geschaffen, allerdings hat sie kaum für effektive Substanz gesorgt. Ein Beispiel sind die chinesischen Baupläne für Ölraffinerien in Nigeria. Die Aufregung in der Presse berücksichtigt nicht die Geschichte der gescheiterten Abkommen, die solche Vorhaben erst möglich machen.

In der Zeit der Obasanjo-Regierung wurde der Nigerianisch-Chinesische Handel aufgewertet. Der Wert dieses Handels wuchs 2006 von drei Milliarden auf mehr als sieben Milliarden US-Dollar 2008. Nigeria verkaufte geringfügige Ölmengen nach China und kaufte Billigware mit einer Zahlungsbilanz, die deutlich die Chinesen begünstigte.

Das korrupte System Obasanjos

Doch die Versuche, das Geschäft in den Energiemärkten aufzubauen, scheiterten. Präsident Obasanjo suchte eine Alternative zu den großen westlichen Erdölfirmen und wollte chinesische Anteile sichern, indem er große Infrastrukturprojekte als Rendite für Ölkonzessionen unter günstigen Bedingung bewilligte. In seiner zweiten Amtsperiode kam es zu mehreren Treffen zwischen dem Staatspräsidenten der Volksrepublik China Hu Jintao und Premierminister Wen Jiaba. Unzählige Versprechen wurden gemacht. Es wird vermutet, dass die Verhandlungen durch chinesische Schmiergelder beinflusst wurden. Ein Report des Chatham House stellte die These auf, dass Obasanjo chinesische Geldgeber suchte, um die Verfassung zu seinen Gunsten zu ändern und sich eine dritte Amtszeit zu sichern. Doch Obasanjo wurde 2007 von dem Moslem Umara Yar’Adua abgelöst.

In der Folge investierten die Chinesen in andere Ölfirmen und engagierten sich recht erfolgreich mit Baufirmen an nigerianischen Infrastrukturprojekten. Zudem besaßen die Chinesen Anteile in der nigerianischen Telekommunikations-, Herstellungs- und Transportbranche.

Schmuggelware zerstört nigerianische Textilindustrie

Immer mehr Chinesen zog es in den afrikanischen Staat. Zählte die chinesische Bevölkerung in Nigeria 1993 noch 8.300, waren es 2007 bereits rund 45.000. Mittlerweile sind viele Chinesen mit kleinen Betrieben in Nigeria vertreten. Die Nigerianer leiden zum einen unter den rassistischen Neigungen der Chinesen. Ein Nigerianer agiert nur selten in einer Führungsposition eines chinesischen Unternehmens. Die Chinesen sind zudem berüchtigt für ihre Niedriglöhne. Durch die stillschweigende Duldung der korrupten nigerianischer Behörden wird zudem die bodenständige nigeriansche Textilindustrie mit chinesischer Schmuggelware zerstört.

Goodluck Jonathan, seit dem 6. Mai 2010 neuer nigerianischer Staatspräsident, ist ein politischer Verbündeter Obsanjos. Laut eines chinesischen Diplomaten, hat Obasanjo bedeutende Geschäftsinteressen in China beibehalten. Im Zweifel wird er dem neuen Staatspräsidenten Goodluck Jonathan raten, das "Infrastruktur-gegen-Öl-Abkommen" wiederzubeleben, sollte dieser 2011 wiedergewählt werden. Eines ist allerdings klar: Noch hält Nigerias Hauptstadt Abuja und nicht das Politbüro in Peking das Ruder in der Hand.

John Campbell

Der ehemalige amerikanische Botschafter in Nigeria (2004–2007) war vorher als Ministerialrat für das Außenministerium tätig. In dieser Funktion beriet er die US-Botschaft in Pretoria während der ersten rassenunabhängigen Wahlen in Südafrika. Momentan ist Campbell Direktor des Office of the Historian innerhalb des Außenministeriums und schreibt an seinem Buch: "Nigeria: Dancing on the Brink, on contemporary Nigeria"


Von John Campbell, The European  

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