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Niedersachsen: Zweijähriges Kind stirbt nach EHEC-Infektion

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Zweijähriges Kind stirbt nach EHEC-Infektion

14.06.2011, 19:31 Uhr

Niedersachsen: Erstmals ist ein Kleinkind an den Folgen einer EHEC-Infektion gestorben (Foto: dpa)

EHEC: Erstmals ist ein Kleinkind an den Folgen einer Infektion gestorben (Foto: dpa)

Zum ersten Mal ist in Deutschland ein Kind an dem gefährlichen Darmkeim EHEC gestorben. Ein zweijähriger Junge aus dem niedersächsischen Celle starb am Dienstag an den Folgen des hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS) in der Medizinischen Hochschule Hannover, sagte ein Sprecher des Landkreises. Der Junge war demnach bereits seit mehreren Tagen intensivmedizinisch betreut worden. Damit steigt die Zahl der Toten in Niedersachsen auf zwölf. Bundesweit sind mindestens 36 Menschen an den Folgen von EHEC gestorben.

Wie der Celler Amtsarzt Carsten Bauer der "Celleschen Zeitung" bestätigte, starb das Kleinkind am frühen Morgen infolge von Nierenversagen und einer Auflösung von roten Blutkörperchen. In der Familie seien zudem der zehnjährige Bruder und der Vater an EHEC erkrankt. Diese sind inzwischen aber nach Angaben des Amtsarztes auf dem Weg der Besserung. Wie sich die Familie angesteckt hat, ist noch unklar.

Der bisher jüngste Todesfall im Zusammenhang mit dem derzeit grassierenden EHEC-Erregertyp war nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) eine 20-jährige Frau. EHEC-Infektionen treten in Deutschland jedes Jahr auf, die meisten der Betroffenen in normalen EHEC-Jahren sind Kinder, auch bei den Todesfällen. Der für den aktuellen Ausbruch verantwortliche Erregertyp betrifft hingegen überwiegend Erwachsene und dabei vor allem Frauen.

Übertragung durch Menschen?

Eine EHEC-Spur führt ins südhessische Trebur. Erstmals könnte dabei eine Übertragung des Darmbakteriums vom Menschen auf Lebensmittel nachgewiesen werden, wie "Echo Online" berichtet. Das Online-Portal beruft sich dabei auf den Vize-Chef des Gesundheitsamts in Kassel, Markus Schimmelpfennig. Es handle sich dabei allerdings um eine "Vermutung".

Video
Ratgeber zum gefährlichen EHEC-Erreger

Vorsorge, Ansteckung, Behandlung: Alles, was man über die gefährliche Darmbakterie wissen sollte. zum Video

Es geht bei dem Fall um eine 67 Jahre alte Geschäftsführerin einer kleinen Cateringfirma im Landkreis Kassel, die an EHEC erkrankt ist. Die Frau habe sich wohl bei der Tochter in Trebur (Kreis Groß-Gerau) angesteckt. Die Tochter habe sich wiederum in einer Kantine in Frankfurt mit dem Erreger infiziert. Die 67-Jährige halte sich öfter in Trebur auf, um die Enkeltochter zu betreuen.

Nach ihrer Rückkehr habe die Frau das Bakterium vermutlich auf Teile ihrer Ware übertragen, so "Echo Online" weiter. Zwölf Gäste einer Familienfeier im Kreis Göttingen, die von dem Catering-Unternehmen beliefert worden waren, erkrankten an EHEC. Sprossen spielten dabei keine Rolle.

Auch "Bild" ist diesem Fall nachgegangen. Der Sprecher des Kreises Kassel, Harald Kühlborn, bestätigte dem Online-Portal gegenüber, dass auf Lachs- und Paprika-Rückständen des nordhessischen Caterers EHEC-Spuren gefunden worden seien. Ob es sich dabei aber um die gefährliche Variante des EHEC-Keims handele, sei noch unklar.

Nach Angaben Kühlborns könne die Übertragung des Virus von der Tochter auf die Mutter aber nicht von Mensch zu Mensch geschehen sein, "sondern über etwas Drittes, beispielsweise einen Tisch".

Zahl der Neuerkrankungen rückläufig

Die Zahl der EHEC-Neuerkrankungen ist dem RKI zufolge unterdessen deutlich zurückgegangen. Seit einigen Tagen würden HUS- oder EHEC-Erkrankungen auf deutlich niedrigerem Niveau übermittelt. Drei Viertel der gut 3200 EHEC/HUS-Fälle stammten aus Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Betroffen seien aber alle Bundesländer. Die höchste Zahl an EHEC/HUS-Fällen registrierte die Behörde im Zeitraum vom 21. bis 23. Mai. Seitdem sei ein kontinuierlicher Rückgang zu beobachten.

Bayerns Gesundheitsminister Markus Söder sagte, es könne Entwarnung gegeben werden, was den Anstieg der Erkrankungen angehe. In Bezug auf den EHEC-Erreger, der jüngst auf einem Salat in Fürth gefunden worden war, sagte er, es sei "äußerst unwahrscheinlich", dass es sich dabei um den gefährlichen Typ des Bakteriums handele. Von den mehr als 600 Lebensmittelproben, die in Bayern gezogen worden seien, sei nur diese eine positiv gewesen

Mitarbeiter des Bio-Hofs werden befragt

Der Verdacht konkretisierte sich, dass der gefährliche Erreger des Stamms O104:H4 über Sprossen eines niedersächsischen Bio-Hofs verbreitet wurde. Unklar ist weiterhin, wie das Bakterium dorthin gelangte. Möglicherweise war das Saatgut verunreinigt. Die Mitarbeiter des Betriebs in Bienenbüttel sollten über ihre Ernährungsgewohnheiten Auskunft geben, sagte der Sprecher des Gesundheitsministeriums in Hannover, Thomas Spieker. Nach der Befragung von neun der mehr als 20 Beschäftigten hatte sich ergeben, dass die EHEC-Welle möglicherweise auf den Genuss von Brokkoli-, Bockshorn- oder Knoblauchsprossen zurückgeht.

Die drei Arten wurden bevorzugt von fünf Mitarbeiterinnen des Betriebes verzehrt, die an Durchfall erkrankten oder positiv auf EHEC getestet waren. Dies deutet darauf hin, dass das Saatgut verunreinigt gewesen sein könnte. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hielt die Warnung aufrecht, wonach vorsichtshalber auch keine selbstgezogenen Sprossen mehr verzehrt werden sollen.

Millionenschwere Hilfen für Bauern beschlossen

Die von der EHEC-Welle betroffenen europäischen Gemüsebauern werden mit 210 Millionen Euro aus Brüssel entschädigt. Die Mitgliedstaaten stimmten einem entsprechenden Angebot der EU-Kommission zu. Mit dem Geld aus einem Notfallfonds sollen die Produzenten 50 Prozent ihrer Ausfälle ersetzt bekommen. Entschädigt werden sie für unverkäuflich gewordene Gurken, Tomaten, Paprika, Zucchini und Salate, wie Landwirtschaftskommissar Dacian Ciolos bekannt gab.

In den kommenden Wochen müssen die Mitgliedstaaten nun nach Brüssel melden, welche Gemüsebauern wie hart getroffen worden sind. Die Entschädigungen werden für die Zeit ab dem 26. Mai überwiesen, als die Warnung vor spanischen Gurken zu einem Einbruch der Gemüseverkäufe in der gesamten Union führten. Erzeugergemeinschaften können über die EU-Hilfe hinaus ihren Mitgliedern Entschädigungen zahlen, betonte Ciolos.

Ursprünglich hatte die EU-Kommission Zahlungen in Höhe von 150 Millionen Euro vorgeschlagen. Viele Länder kritisierten die Summe aber als zu niedrig, so dass die Kommission aufgestockt hatte.


Quelle: t-online.de , dapd , AFP , dpa

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Kommentare (56)

zum Forum

Thema: "Niedersachsen: Zweijähriges Kind stirbt nach EHEC-Infektion"

Ernst schrieb: am 14. Juni 2011 um 20:31:20
(0) (0) EHEC
Herzliches Beileid der Familie, auch allen anderen, die davon betroffen sind!.....

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Tomate schrieb: am 14. Juni 2011 um 20:21:43
(0) (0) EHEC
Ich stimme Allen und allem hier zu. Interessant finde ich auch das diverse andere EHEC Erreger auf verschiedenen Gemüsesorten gefunden
wurden. Harmlose EHEC Erreger ! Mit anderen Worten wenn ich einen Salat esse, muß ich damit rechnen Magen- Darm zu kriegen !! Nichts kann man bedenkenlos essen !! Und daran wird sich auch nichts ändern, weil es nicht möglich ist alle unter einen Hut zu kriegen und Geld wichtiger geworden ist als Gesundheit. Und weil das Wohl des Nächsten nicht mehr interessiert..
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Trina schrieb: am 14. Juni 2011 um 20:12:59
(0) (0) Kinder im Einkaufswagen
Ich finde man kann alles übertreiben. Mich stören weniger die Kinder als jene Menschen, die in der Nase popeln/ den
Hintern abwischen und mit ungewaschenen Händen den Enkaufswagengriff anfassen. Wenn ich da erst anfange, könnte ich mich erst recht ekeln. das hat mit Benehmen und körperlicher Sauberkeit zu tun. Die Natur hat uns zum Glück mit Abwehrkräften austaffiert. Ich kann doch nicht alles desinfizieren. Benehmen und Anstand und diese Probleme erübrigen sich.
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