
28.06.2010, 12:28 Uhr | Von Ralf-Peter Märtin
Die römischen Soldaten waren schwer bewaffnet. Zur Einheit gehörten Reiter und Tross, syrische Bogenschützen und Artilleristen mit ihren Katapulten. (Foto: dpa) (Quelle: dpa)
Warum der Feldzug gegen die Germanen erfolgreich war
Nach dem blutigen Ende der Markomannenkriege kehrte eine mehr als 30 Jahre dauernde Friedhofsruhe ein. Bis die Alamannen, ein größerer germanischer Verband, wieder aufbegehrten. Kaiser Caracalla (211 bis 217) wartete nicht ab, bis sie an der römischen Grenze erschienen, sondern überschritt am 7. August 213 bei Aalen den Limes und stellte die Feinde am Main. Wie Marc Aurel fand er es offenbar völlig normal, in Germanien Krieg zu führen.
20 Jahre später hieß der neue Kaiser Alexander Severus. Die Hiobsbotschaft vom Zusammenbruch der Limesverteidigung erreichte den 25-Jährigen in Antiochia, der Hauptstadt der Provinz Syrien. Man schrieb das Jahr 233, und der Kaiser war gerade von einem Feldzug gegen die Sassaniden zurückgekehrt.
Den Berichten zufolge hatten alamannische Krieger einen groß angelegten Angriff unternommen, das ganze rechtsrheinische Gebiet überrannt und waren tief nach Gallien (Frankreich) und nach Rätien (Süddeutschland) vorgestoßen. Viele der Limeskastelle und der unbefestigten Städte lagen in Schutt und Asche. Der Kaiser schloss eilends Frieden im Nahen Osten und brach zum neuen Kriegsschauplatz auf.
Alexander Severus reiste im Spätwinter 235 in das Feldlager. Die Haltung des Kaisers, nicht gegen die Alamannen zu kämpfen, sondern zu verhandeln und ihnen Gold für Frieden zu bieten, stieß auf entschiedenen Widerspruch. Die Soldaten brannten darauf, den Germanen zu zeigen, dass man die Römer nicht ungestraft herausfordert.
Der Feldzug gegen die Germanen wurde ein Erfolg
Anders als Severus galt Maximinus als ganzer Kerl. Sein Beiname Thrax, der Thraker, wurde ihm erst später vom römischen Senat als Schimpfname zugedacht, um ihn als Barbaren zu schmähen - die Senatoren hielten ihn als Kaiser für ungeeignet. Ob er selber die Fäden zog oder nur die Stunde günstig war: Im März 235 wurde Severus ermordet und Maximinus von den Soldaten zum Kaiser erhoben: als erster Berufssoldat auf dem Thron und erster römischer Herrscher aus dem Ritterstand; bis dahin war das höchste Amt im Staat stets ein Privileg der mächtigen Senatoren gewesen.
Der Feldzug gegen die Germanen wurde ein voller Erfolg. Um den Nachschub zu sichern, ließ Maximinus Thrax eine weitere Brücke über den Rhein schlagen und Straßen anlegen. Dann baute er die niedergebrannten Limeskastelle wieder auf. Schließlich griff er die Alamannen direkt in ihren Siedlungsgebieten an und schlug sie entscheidend. Der Brief, den er wohl 236 an den Senat schickte, strotzt vor Selbstbewusstsein: "Wir können nicht so viele Worte machen, versammelte Väter, wie wir Taten verrichtet haben. Auf einer Strecke von 400 bis 500 Meilen (eine römische Meile entspricht 1480 Metern, Anm. d. Red.) haben wir die Dörfer der Germanen niedergebrannt, die Getreidefelder verheert, die Herden weggeführt, Bewaffnete niedergemacht und eine Schlacht im Sumpf geschlagen. Die Zahl der Gefangenen ist so hoch, dass das Reichsgebiet sie kaum zu fassen vermag."
Wo wurde diese "Schlacht im Sumpf" geschlagen, und welchen Weg nahmen die Römer? Bislang galt eine Lesart als wahrscheinlich, die nur 40 bis 50 Meilen annimmt - und nicht bis zu 500 Meilen. Die Historiker hielten es kaum für möglich, dass sich die Römer im 3. Jahrhundert so weit von ihren Stützpunkten am Rhein weggewagt hätten.
Maximinus Thrax wollte Germanien zur römischen Provinz machen
Das neu entdeckte Schlachtfeld am Harzhorn erzählt eine andere Geschichte. Weshalb sollte man die "Schlacht im Sumpf" nicht in dieser Landschaft vermuten? Die Moore sind erst in der Neuzeit trockengelegt worden.
Den Winter 236/237 verbrachte Maximinus Thrax im heutigen Serbien. Er reorganisierte das Heer für einen abschließenden Feldzug, mit dem er das Germanenproblem ein für alle Mal aus der Welt schaffen wollte. Ganz im Stile Marc Aurels war es für ihn unausweichlich, Germanien zur römischen Provinz zu machen.
Doch bevor der Kaiser losschlagen konnte, verhinderte im Frühjahr 237 ein Angriff der Goten an der unteren Donau den Vorstoß. Im Jahr darauf starb Maximinus Thrax durch die Schwerter seiner germanischen Leibwache.
Wann also wurde die "Schlacht im Sumpf" genau geschlagen? Die Forscher am Harzhorn halten den Herbst 235 für wahrscheinlich. Der "Historia Augusta" zufolge unternahm Maximinus Thrax in jenem Jahr einen Vorstoß weit nach Norden. Die erstaunlichen Überreste retten die Archäologen nun im südlichen Niedersachsen für die Nachwelt.
Gekürzte Fassung aus NATIONAL GEOGRAPHIC DEUTSCHLAND, Ausgabe 6/2010
Quelle: Spiegel Online
Mike schrieb:
am 28. Juni 2010 um 19:08:27
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Barbaren?
Manche von uns Germanen scheinen bis heute im Zeitalter der Barbarei verblieben zu sein. Wer aus historischen Funden eine
Systemfrage macht, hat das Thema verfehlt. Setzen, Sechs!
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kein deppendorfer schrieb:
am 28. Juni 2010 um 14:05:15
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Römerschlacht
Mir kommen die Tränen, Deppendorfer ! Bist also auch einer aus der linksradikalen Ecke, der die Schuld für das geistige und
wirtschaftliche Unvermögen des Pöbels immer bei denen sucht, die sich Dank Fleiß und Intelligenz aus eigener Kraft selbst etwas aufgebaut haben. Jetzt muss sogar die Archäologie dafür herhalten. Leider entgeht Dir dabei, daß die Gegenwart nur aus der Vergangenheit erklärbar ist und die Zukunft aus der Gegenwart.
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Deppendorfer schrieb:
am 28. Juni 2010 um 12:26:52
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(1)
Prioritäten setzen !
Die waffenstarrenden Legionen des dekadenten Alten Rom waren an einem ihrer blutrünstigen Wandertage vor ca. 2000
Jahren also auch im Harz. Na und ? Ist das heute irgendwie systemrelevant ? Nützt das einem aktuell Arbeitslosen bei seiner Suche nach einem Job, mit dem er seine Familie ernähren kann ? Menschen wohnen auf der Straße oder in überteuerten Schimmelbuden, aber zur Lagerung solchen Gemetzelschrotts nutzen wir riesige Prachtgebäude. Sind die etwa wichtiger als ein sozialer Wohnungsbau ?
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