26.11.2007, 12:46 Uhr | Von Nada Weigelt, dpa
Eine Kutsche auf Gleisen - Die erste Straßenbahn rollte vor 175 Jahren durch New YorkDie Idee war genial: Eigentlich war es nur eine bessere Kutsche, aber sie bot Platz für zwei Dutzend Menschen und fuhr auf Gleisen. Die erste Straßenbahn der Welt rollte erstmals vor 175 Jahren durch New York und wurde noch von Pferden gezogen. 1881, fast 50 Jahre später, ging im heutigen Berliner Stadtteil Groß-Lichterfelde die erste elektrische Straßenbahn der Welt auf Jungfernfahrt.#
Mit einem Fahrrad fing es anDer Hubschrauber wird 100
Bahnlinie nach Harlem
Die "New York and Harlem Railroad" verband das südliche Manhattan mit Harlem, dem heutigen Zentrum des schwarzen Lebens im Big Apple. Damals galt der Stadtteil noch als ländlicher Vorort von Manhattan. Die Sommerwohnungen und wohlhabenden Bauernhöfe dort waren nur mit dem Dampfboot oder über holprige Straßen zu erreichen. Um die Fahrt zu erleichtern, gab die Stadt am 25. April 1831 dreizehn Geschäftsleuten grünes Licht für den Bau einer Bahnlinie, die - so die Vorgabe - "Gegenstände und Personen mit der Kraft von Dampf, Tieren oder einem mechanischen Antrieb" transportieren und befördern sollte.
Hospital für lahme Pferde
1863 übernahm US-Eisenbahnkönig Cornelius Vanderbilt mit einem geschickten Börsen-Coup die Führung der Unternehmens. Gemeinsam mit seinem Sohn William trieb er den Ausbau des Gleisnetzes voran und errichtete ein für damalige Verhältnisse hochmodernes Betriebsgebäude. Es gab Garagen für 120 Trambahnen, Stellplätze für 906 Pferde, ein eigenes Hospital für lahme und kranke Tiere sowie eine Reinigungs- und Belüftungsanlage. "Es lässt sich feststellen, dass damit die Luft immer rein und frei von unangenehmen Gerüchen zu halten ist", lobte eine Lokalzeitung. Die letzte Pferdebahn wurde erst 1919 ausrangiert.
Kabelbahn und Dampfbetrieb
Inzwischen hatten freilich schon längst modernere Zeiten Einzug gehalten. Ein Teil der Gleise wurde unterirdisch verlegt und bildete den Grundstock für das heute riesige New Yorker U-Bahn-Netz. Viele Bahnen wurden auf Dampfbetrieb umgestellt, eine lief nach dem Vorbild von San Francisco als Kabelbahn. Mit dem Wechsel auf den Elektroantrieb freilich hatten die New Yorker ihre Schwierigkeiten.
Zögern bei Elektrizität
Noch im Mai 1888 lehnte der Ältestenrat mit 14 zu 10 Stimmen eine Umrüstung auf die neue Technik ab. Er habe umfangreiche naturwissenschaftliche Kenntnisse und wisse, dass Elektromotoren gefährlich seien, sagte der demokratische Senator Dowling laut einem Zeitungsbericht. Erst ein halbes Jahr später konnte die erste Linie probeweise auf Elektrobetrieb umstellen - sie kehrte vorübergehend allerdings nochmals zur "Horse-Power" zurück.
Umweltfreundliche Alternative
Heute gibt es in New York längst keine Straßenbahnen mehr. In den engen Häuserschluchten hat der zunehmende Autoverkehr die gemütliche Bahn verdrängt. Und die täglich rund vier Millionen U-Bahn-Nutzer sind auf leistungsfähigere Verkehrsmittel angewiesen. Weltweit beobachtet der internationale Verband für öffentliches Verkehrswesen UITP allerdings eine Renaissance der Straßenbahn. Außerhalb der Millionenstädte ist sie oft eine umweltfreundliche Alternative zur teuren U-Bahn.
1957 war Schluss
In New York hatte die Tram spätestens da keine Chance mehr, als der frühere Bürgermeister Fiorello LaGuardia einmal in einer engen Straße Brooklyns hinter einer Straßenbahn feststeckte. Der als zupackend bekannte Republikaner schwor, die Stadt "trolley"-frei zu machen. Am 6. April 1957 fuhr die letzte Tram über die Queensboro Bridge. "Die einzige Konstante in dieser langen Geschichte ist, dass es in den Stoßzeiten nie genug Sitzplätze für die Fahrgäste gab und auf den Straßen nie genug Platz für die Bahnen", befand die "New York Times" rückblickend.
Von Nada Weigelt, dpa
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