22.11.2010, 11:42 Uhr
In der Pike River Mine sind 29 Bergleute verschüttet worden (Foto: Reuters)
Drei Tage nach dem Grubenunglück in Neuseeland gibt es für die 29 verschütteten Bergleute kaum noch Hoffnung. Für die Angehörigen werde die Lage "mit jeder Stunde" besorgniserregender, sagte der Betreiber der Pike River Mine an der Westküste der Südinsel, Peter Whittall.
Die Rettungstrupps rechneten inzwischen mit allem, auch mit dem Tod der unter Tage eingeschlossenen Arbeiter, sagte der Leiter des Einsatzes, Gary Knowles.
Von den 29 Kumpel gibt es seit einer verheerenden Gasexplosion am Freitagnachmittag kein Lebenszeichen. Lediglich zwei Arbeiter konnten sich aus dem Stollen in Sicherheit bringen. Einer von ihnen berichtete von einer "extrem starken Detonation", die ihm den Boden unter den Füßen weggerissen habe. Als er aufgestanden sei, habe er nur noch "dichten, weißen Rauch" gesehen, sagte der 24-jährige Daniel Rockhouse, dessen Bruder immer noch unter Tage eingeschlossen ist, der Zeitung "New Zealand Herald".
Wegen der anhaltend hohen Methangas-Konzentration in der Mine konnten bisher noch keine Helfer zu den Verschütteten geschickt werden. Die Retter vermuten, dass ein Kohlefeuer im Inneren der Mine Gase produziert, weil es Hinweise auf große Hitze in der Tiefe gab. "Etwas passiert da unten, aber wir wissen nicht, was das ist", sagte der Chef der Betreiberfirma, Peter Whittall. Polizeiangaben zufolge befinden sich die Vermissten vermutlich in zwei Kilometer Tiefe entlang des horizontalen Haupttunnels im Berg.
Noch am Montag soll zumindest eine kleine Bohrung fertiggestellt werden, über die Kameras und ein ferngesteuerter Roboter in die Tiefe gelassen werden können. Die Rettungsmannschaften wollen sich so ein besseres Bild von der Lage unter Tage machen. Der Roboter werde derzeit vom neuseeländischen Verteidigungsministerium nachgerüstet, erklärte der Leiter der Rettungsmannschaften, Polizeipräsident Gary Knowles. Es müsse verhindert werden, dass er Funken sprühe und somit eine neuerliche Explosion verursache.
Das Bergwerk Pike River ist das größte in Neuseeland, in dem unter Tage Kohle abgebaut wird. Es liegt in der Nähe von Aterau auf der Südinsel. Die Bergbauindustrie Neuseelands gilt als vergleichsweise sicher. In 114 Jahren kamen 118 Menschen ums Leben. Die Zeche Pike River liegt in der Nähe des Ortes, an dem sich 1967 eines der schlimmsten Minenunglücke des Landes zutrug. Damals kamen bei einer Explosion in dem staatlichen Bergwerk Strongman 19 Arbeiter ums Leben.
Quelle: AFP , dapd
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