15.10.2011, 20:12 Uhr
Im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr ist auch ein in Afghanistan zerstörter Jeep zu sehen (Quelle: dpa)
Jahrhunderte deutscher Militärgeschichte, vom Dreißigjährigen Krieg bis zum Bundeswehreinsatz am Hindukusch: Nach siebenjähriger Bauzeit wurde das neue Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden eröffnet. Es dokumentiert rund 700 Jahre Militärgeschichte, aber vor allem soll zum kritischen Nachdenken über Krieg und Gewalt anregen - was mit Exponaten etwa zum Einsatz von Tieren beim Militär oder der Beinprothese eines in Afghanistan verletzten Bundeswehrsoldaten drastisch unterlegt wird.
Nicht nur mit seinem Ausstellungskonzept, auch architektonisch bricht das Museum mit Gewohntem: Der Stararchitekt Daniel Libeskind trieb einen keilartigen Neubau in das rund 140 Jahre alte Gebäude, der auch für die veränderte Rolle des Militärs in Deutschland stehen soll.
Das Museum, dessen Umbau rund 62 Millionen Euro kostete, zeigt insgesamt mehr als 10.500 Exponate auf fast 20.000 Quadratmetern und ist damit eines der größten militärhistorischen Museen Europas.
Die Ausstellung dokumentiert zum einen chronologisch die Militärgeschichte vom Hochmittelalter über den Dreißigjährigen Krieg und die beiden Weltkriege zwischen 1914 und 1945 bis hin zur Nachkriegszeit mit dem Kalten Krieg und dem Aufbau der Bundeswehr und der ehemaligen Nationalen Volksarmee der DDR.
Der Stararchitekt Daniel Libeskind verpasst dem Bau ein neues Gesicht. zum Video
Der thematisch gegliederte Teil der Schau befasst sich mit der Verquickung von Militär und zivilem Leben, was sich unter anderem in Kinderspielzeug wie Zinnsoldaten, Jagdflugzeugen oder Ego-Shootern, aber auch in militärischen Stilelementen der Mode widerspiegelt. Gezeigt wird unter anderem ein Stück der Designerin Vivien Westwood. Ein imaginärer "Geschosshagel" aus 23 von der Decke hängenden Raketen und Granaten lässt die Bedrohung durch die Waffen sehr real erscheinen. In einer Installation des Künstlers Ingo Günther werden die Besucher mit der Zerstörungskraft der Atombombe konfrontiert. Ihre Schatten werden durch Blitzlichter für einige Sekunden auf eine Wand projiziert - auch nach dem Atombombenabwurf auf Hiroshima 1945 blieb von manchen Menschen nur noch ein Schatten.
Einige Ausstellungsstücke zum Thema Tod, Verwundung und Leid sind so drastisch, dass sie in einem besonders geschützten Bereich gezeigt und erst ab zwölf Jahren empfohlen werden. Zu sehen sind unter anderem sogenannte Humanpräparate wie ein Steckschuss im Rückgrat eines Soldaten, der damit noch 47 Jahre lebte.
Die Ausnutzung von Tieren zu militärischen Zwecken zeigt ein weiteres Kapitel mit einer Parade von Tierpräparaten. Sie alle tragen Spuren des Krieges: das Pferd mit der Gasmaske aus dem Ersten Weltkrieg, das dreibeinige Schaf, das im Falklandkrieg über Minenfelder getrieben wurde oder der Hund, dem ein Sprengstoffpaket um den Körper geschnürt wurde.
Das Museum in der Dresdner Albertstadt beherbergt schon seit über 100 Jahren wechselnde Sammlungen der Armee, war ab 1897 zunächst Königliche Arsenal-Sammlung, später Heeresmuseum der Wehrmacht und ab 1972 Armeemuseum der DDR. Ende der 1990er Jahre begann die inhaltliche und architektonische Neugestaltung des Baus, dessen augenfälligste Veränderung Daniel Libeskinds Keil ist. Der 30 Meter hohe, transparente Neubau stellt gleichsam einen Einschnitt dar. Er bricht den Ausstellungsmachern zufolge "mit alten, autoritären, starren Strukturen und steht in seiner Transparenz für die Offenheit der demokratischen Gesellschaft und die veränderte Rolle des Militärs in Deutschland".
Es ist ein Bau voller Symbolik und Mahnung: Die Spitze des Keils weist genau auf jene Stelle in der Dresdner Altstadt, wo in der Nacht vom 13. Februar 1945 die ersten Bomben der Alliierten einschlugen. Bei den Luftangriffen britischer und amerikanischer Bomber auf Dresden kamen rund 25.000 Menschen ums Leben, weite Teile der historischen Altstadt wurden in Schutt und Asche gelegt.
Quelle: AFP
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