Fast vier Jahre nach einem spektakulären Millionenraub hat vor dem Landgericht Magdeburg der zweite Prozess gegen die mutmaßlichen Beteiligten begonnen.
Sechs der sieben Angeklagten im Alter von 27 bis 34 Jahren sollen am 19. Dezember 2004 ein Geldtransportunternehmen in Magdeburg überfallen und mindestens 1,2 Millionen Euro erbeutet haben. Der siebte Angeklagte soll von dem Vorhaben gewusst, jedoch keine Anzeige erstattet haben.
Männer aus Mangel an Beweisen zunächst freigesprochen
Im ersten Prozess vor dem Landgericht wurden die sieben Männer im August 2006 aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Nach einer Revision der Staatsanwaltschaft hob der Bundesgerichtshof die Urteile ein Jahr später wieder auf. Grund war die aus seiner Sicht unzureichende Beweiswürdigung. Deshalb muss der Fall nun von einer anderen Kammer neu verhandelt werden. Die Beute aus dem Überfall ist - zumindest größtenteils - bis heute verschwunden.
Angeklagte schweigen oder streiten die Tat ab
Am ersten Tag des neuen Prozesses bestritten drei Angeklagte ihre Beteiligung an der Tat. Die anderen ließen über ihre Anwälte erklären, sich nicht zu den Vorwürfen äußern zu wollen. Zuvor konnte die Staatsanwaltschaft ihre Anklageschrift zunächst nicht verlesen, weil die Verteidiger mehrere Anträge einreichten, die das Gericht nach längeren Beratungen ablehnte.
Spektakulärer Überfall auf Wachmänner
Bei dem Überfall kurz vor Weihnachten 2004 hatten drei maskierte und mit Pistolen bewaffnete Räuber einen Wachmann der Sicherheitsfirma überwältigt und dann eine Angestellte gezwungen, den Tresor zu öffnen. Drei weitere Männer standen laut Staatsanwaltschaft "Schmiere" und sicherten den Außenbereich des Gebäudes. Die Räuber verstauten das Geld - es handelte sich um Einnahmen eines Supermarktes - in Müllsäcken, packten diese in ein Auto und flüchteten. Die Angestellten ließen sie gefesselt zurück.
100.000 Euro im Schließfach
Der Überfall wurde auf einem Überwachungsvideo aufgezeichnet. Kurze Zeit später entdeckten die Ermittler bei einigen der Angeklagten Waffen und andere verdächtige Gerätschaften. In einem Schließfach des Magdeburger Hauptbahnhofs lagen mehr als 100.000 Euro, die mit den Männern in Verbindung zu bringen waren. Die Indizien reichten den Magdeburger Richtern in dem rund ein Jahr dauernden ersten Prozess jedoch nicht aus für eine Verurteilung. Die Angeklagten schwiegen.
Vermutlich längerer Prozess
Für das neue Verfahren sind zehn Termine bis zum 22. Dezember anberaumt. Nach Einschätzung des Vorsitzenden Richters ist jedoch mit einem längeren Prozess zu rechnen, der sich bis in das Jahr 2009 hinziehen dürfte.