19.05.2011, 13:29 Uhr | Björn Seibert
Seit dem Ende des Kalten Krieges sind zahlreiche Chancen zur Neuausrichtung der Bundeswehr vergeben worden. Trotz massiver Veränderung der geostrategischen Lage und neuer Einsatzrealitäten fehlten bisher der Mut und die Ausdauer, entsprechende unbequeme, aber richtige Schritte zur Anpassung der Bundeswehr zu unternehmen. So hatte die Weizsäcker-Kommission bereits im Jahr 2000 festgestellt, dass die Bundeswehr „zu groß, falsch zusammengesetzt und zunehmend unmodern“ ist. Ein Jahrzehnt später ist der Reformbedarf noch gravierender.
Die nun eingeleitete Neuausrichtung der Bundeswehr stellt eine deutliche Zäsur dar. Ziel ist nicht weniger als der umfassendste Umbau der Bundeswehr seit ihrer Gründung 1955. Tiefgreifende Veränderungen rufen auch immer Ängste hervor. Diese müssen entsprechend ernst genommen und durch eine sachliche Debatte ausgeräumt werden.
Um eine solche Debatte inhaltlich fundiert führen zu können, lohnt sich der Blick auf entsprechende Erfahrungen verbündeter Staaten. Denn während in Deutschland der Umbau zur Freiwilligenarmee noch bevorsteht, haben die meisten NATO- und EU-Mitgliedsstaaten diesen Schritt bereits in den letzten Jahren vollzogen.
Hierbei bietet sich ein aufschlussreiches Bild. Zweifelsfrei war die Umstellung zur Freiwilligenarmee für die meisten Staaten eine große Herausforderung. Durch den Wegfall der Wehrpflicht entstanden insbesondere Rekrutierungsprobleme bei den meisten Streitkräften in der Übergangsphase.
So fehlte den Streitkräften zunächst auch die notwendige Wettbewerbsfähigkeit, um in verschärfter Konkurrenz zur Wirtschaft im Kampf um die besten Köpfe bestehen zu können. Zum Teil mussten kostenintensive Programme zur Steigerung der Attraktivität der Streitkräfte aufgelegt werden.
Aber genau in der Notwendigkeit des Umdenkens lag gleichzeitig auch die Chance, das Verhältnis zwischen Streitkräften und Gesellschaft neu und besser zu definieren. Die meisten Streitkräfte öffneten sich stärker für gesellschaftliche Gruppen, die bis dahin unterrepräsentiert waren. Der Anteil der Frauen in den Streitkräften etwa stieg in den meisten Staaten erheblich. Gleichzeitig entwickelte sich ein reger Austausch zwischen Schulen und Streitkräften.
Auf der anderen Seite gab es neben vielen Veränderungen auch Kontinuität. So lassen die Erfahrungen unserer Partnerländer nicht darauf schließen, dass Aussetzung oder Abschaffung der Wehrpflicht das Primat der Politik untergraben hätten. Im Gegenteil: die parlamentarische und öffentliche Kontrolle der Streitkräfte wurde in einigen NATO- und EU-Staaten sogar noch ausgebaut.
Die Erfahrungen verbündeter Staaten verdeutlichen, dass die Umstellung von einer Wehrpflichtigen- zu einer Freiwilligenarmee eine schwierige, aber leistbare Aufgabe ist. Natürlich unterscheidet sich Deutschland durch andere politische, wirtschaftliche und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen von den entsprechenden NATO- und EU-Staaten. Und dennoch können die dort gemachten Erfahrungen Orientierungshilfe geben für den geplanten Umwandlungsprozess. Warum sollte die Bundeswehr nicht in der Lage sein, die vielen bestehenden Hürden zu überwinden?
Der einzige Grund für ein mögliches Scheitern dieses wichtigen Prozesses wäre fehlende politische Unterstützung. Denn die Neuausrichtung der Bundeswehr braucht einen überparteilichen Rückhalt, insbesondere auch der Opposition. Diese Unterstützung sollte sich dabei vor allem in einer angemessenen finanziellen Ausstattung der Bundeswehr ausdrücken.
Der Politologe Björn Seibert ist derzeit Wissenschafter am Weatherhead Center der Harvard University und des Security Studies Program am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Zudem ist er Non-Resident Fellow an der Paul H. Nitze School of Advanced International Studies (SAIS) der Johns Hopkins University. Zuvor war er Wissenschaftler beim U.S. Army War College und beim American Enterprise Institute (AEI) und unterrichtete als Teaching Fellow am Department of Government der Harvard University.
Björn Seibert
Stefan schrieb:
am 19. Mai 2011 um 20:22:40
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Armee neu denken
Also das die Bundeswehr modeniesiert werden soll steht für mich auser frage.Das diese undebdingt kleiner sein soll
beunruhigt mich ein wenig aber die Leute die das entscheiden müssen haben wohle den besseren überblick über diese ganze sache und ist auch wohl eine kosten sache.Ein Freiwilligen Heer klingt auch gut wobei die Wehrpflicht auch nicht schlecht ist.Den wenn diese kommplet abgeschaft wird fehlen auch die Zivildienstleistende. Jeder Bürger sollte für die Algemeinheit Dienst leist
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Nachdenker schrieb:
am 19. Mai 2011 um 19:57:19
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Die neue BW
Der Kalte Krieg mit den Massenheeren ist vorbei. Heute gibt es nichtlineare Konflikte: Bürgerkriege, Grenzkonflickte, ethnische
Kriege, Terrorismus, etc. Nun werden Weltpolizeitruppen benötigt, die von NATO, UNO, OAU, KSZE und anderen übernationalen Organisationen gestellt werden. Die Ausrüstung dafür: Flugzeug- + Hubschrauberträger, Lazaretschiffe, Transportflugzeuge, Falschirmjäger usw. Nur DL hat nichts davon. Dazu Spezialisten als Bedienung, keine Amateursoldaten (Wehrpflichtige).
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Wolfi 24.110 schrieb:
am 19. Mai 2011 um 19:45:39
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"Neuausrichtung der Bundeswehr: Armee neu denken"
"Ohne Deutschland darf nie wieder ein Krieg ausgehen". Das Original dieses
Satzes ist leider hinfällig geworden und wird nun gegen diesen ersetzt.
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