Startseite Jetzt online bestellen und 10% Rabatt sichern

Sie sind hier: Home > Nachrichten > Ausland >

Neonazis in den USA: Hakenkreuz und Sternenbanner

...

US-Nazis unter Hakenkreuz und Sternenbanner

13.05.2011, 13:16 Uhr | Von Marc Pitzke, New York

Auch in den USA sind Rechtsextreme aktiv: Das zeigen sie auch, mit Hakenkreuz und Hitlergruß (Foto: Reuters) (Quelle: Reuters)

Auch in den USA sind Rechtsextreme aktiv: Das zeigen sie auch, mit Hakenkreuz und Hitlergruß (Foto: Reuters) (Quelle: Reuters)

Der Mord an dem US-Neonazi Jeff Hall zeigt vor allem eines: Auch in der amerikanischen Gesellschaft sind Rechtsextreme aktiv. Die meisten Hassgruppen sind zwar zersplittert und zerstritten. Bürgerrechtler warnen trotzdem.

Bei der Erinnerung an den Vorfall geriet Jeff Schoep schnell ins Schwärmen: Eine tolle "Schlacht" sei das gewesen, bei der sich seine "Kameraden" gegen die "bewaffneten Entarteten" zur Wehr gesetzt hätten. "Als alles vorbei war", schreibt Schoep auf seinem Blog, "hatten wir den Kommunisten-Abschaum in die Flucht geschlagen." Er selbst habe einen "Anarchisten" verprügelt: "Es war mir eine Ehre."

Schoep, 38, ist Chef des National Socialist Movement (NSM), der größten Neonazi-Gruppe in den USA. Mitte April rief der kahlköpfige "Kommandeur" seine Gesinnungsgenossen zum Jahrestreffen nach New Jersey. In NS-Montur hockten sie in einem gemieteten Gemeindesaal, der sonst von den Anonymen Alkoholikern genutzt wird, und schwangen Reden gegen Juden und Ausländer. Auf den Tischen standen Rosen, an den Wänden hingen riesige Hakenkreuze.

Schlägerei vor dem Gemeindesaal

Die wahre Action spielte sich aber draußen ab: Gut ein Dutzend Anwohner rückten an, um ihrem Unmut Luft zu machen. Die "Schlacht", die Jeff Schoep später bejubelte, war freilich kaum mehr als eine ziellose Schlägerei, bei der beide Seiten mit Klappstühlen aufeinander losgingen. Als Polizeisirenen ertönten, löste sich das Gerangel schnell auf, und die Neonazis verzogen sich wieder in den Gemeindesaal.

Dennoch stellte Schoep die knapp dreiminütige Szene als YouTube-Video auf die NSM-Homepage, untermalt von Heavy-Metal-Musik. Es sei ein "großartiger Tag" gewesen, jubelte er - und dankte den "Truppen, die vorne an der Front kämpften".

Völlig legale Hakenkreuze

Auf dem NSM-Video aus New Jersey ist auch ein großer, bulliger Mann in Schwarz zu erkennen, der ganz vorne bei der Prügelei mitmischt. Es ist der Klempner Jeff Hall aus dem kalifornischen Riverside. Zwei Wochen später wurde Hall in seinem Haus in einer idyllischen Seitenstraße erschossen - den Ermittlern zufolge von seinem eigenen zehnjährigen Sohn.

Die Medien berichteten im großen Stil über den Fall. Seither steht auch die Neonazi-Szene der USA im Fokus.

Hall, "Sergeant und Regionaldirektor" der NSM, galt als Vertrauter Schoeps: "Jeff war wie ein Bruder", schrieb der zum Abschied. "Wir sehen uns in Walhalla wieder!" Solch pseudomythisches Gerede eint Amerikas Rechtsextremisten - doch sonst gibt es nicht viel Gemeinsames. Die Bewegung ist zersplittert, zerschlagen, zerstritten. Die lauten Parolen kaschieren oft nur noch das Kostümspiel trauriger Randgrüppchen, die gelegentlich durch Gewalt auffallen. Ihre Dachorganisationen, die Aryan Nations und die National Alliance, sind in der Bedeutungslosigkeit versunken. Nur die NSM gilt noch als nennenswerte Größe.

Zwar vermeldet der rechte Rand der USA seit der Präsidentenwahl Barack Obamas wieder mächtigen Zulauf: 2010 identifizierte die Bürgerrechtsgruppe Southern Poverty Law Center (SPLC) eine Rekordzahl von 1002 "aktiven Hassgruppen" im Land. Die Gründe: Widerstand gegen den Demografiewandel der USA, wirtschaftliche Frustration und Hass auf die Zentralregierung, angefacht durch die Tea Party und die Rechtspolemiker in den Medien.

Die Neonazis jedoch - jene, die offenen Antisemitismus predigen und Hitler verehren - nehmen darin nur noch einen verschwindend geringen Teil ein. Bei ihren Veranstaltungen sind sie den Gegendemonstranten meist weit unterlegen. Trotzdem warnt das SPLC: "Die NSM und andere antisemitische Bewegungen in Amerika müssen weiter sorgfältig beobachtet werden."

Auch wenn der Kongress die Gesetze gegen "hate crimes" 2009 verschärft hat: Die US-Verfassung, die Redefreiheit garantiert, gibt Neonazis viel mehr Spielraum als etwa in Deutschland. So ist die Zurschaustellung des Hakenkreuzes in den USA völlig legal - die Justiz wird erst aktiv, wenn Gewalt im Spiel ist.

Auftritt der "Hollywood-Nazis"

Die NSM stößt in das Vakuum, das der Niedergang der alten Gruppen hinterlassen hat. Gesteuert von Michigan aus, wo Schoep wohnt, ist sie nach Angaben der SPLC und der Anti-Defamation League (ADL) in mindestens 35 US-Bundesstaaten aktiv. Die Mitgliederzahl ist allerdings schwer zu erfassen. Die größte Menge, die die NSM wohl je zu einer Demo zusammentrommeln konnte, waren hundert Leute.

Die NSM hat ihre Wurzeln in der American Nazi Party. Deren Gründer George Lincoln Rockwell wurde 1967 ermordet. Seine Vizes Robert Brannen und Cliff Herrington bildeten das National Socialist American Workers Freedom Movement. Jungstar Schoep - der sich bereits als Viertklässler für Hitler begeistert haben will - übernahm 1994 die Führung - mit 21 Jahren - und verpasste der Gruppe einen neuen kürzeren Namen.

Doch erst ein Jahrzehnt später wurde die NMS groß - nach dem Tod der zwei prominentesten Neonazi-Chefs in den USA, William Pierce (National Alliance) und Richard Butler (Aryan Nations). Ein dritter Wortführer der Bewegung, Matt Hale von der Church of the Creator, landete zur gleichen Zeit für 40 Jahre im Gefängnis.

Schoep setzt auf öffentlichkeitswirksame Auftritte. Er inszeniert theatralisch-provokative Demonstrationen, bei denen seine Leute in NS-Kostümen aufmarschieren - was ihnen den Spitznamen "Hollywood-Nazis" verschaffte. Außerdem öffnete Schoep die NSM für Mitglieder rivalisierender Organisationen. So wurde die Gruppe zur am schnellsten wachsenden Neonazi-Vereinigung der USA. Schoep rekrutiert dazu vor allem jüngere Novizen - am liebsten Teenager, denen er in seinem "Viking Youth Corps" Militärkenntnisse beibringt, um sie zu "Kriegern" zu machen.

Bei seinen Rekrutierungsversuchen nutzt Schoep alle Möglichkeiten. Nach eigenen Angaben hielt er im Januar dieses Jahres ein "Referat" in einer Schule in Ohio. Er habe eine Klasse über die "Ziele und Mission" der NSM unterrichtet, prahlt er auf seiner Website: "Alle waren respektvoll, und viele gute Fragen wurden gestellt und beantwortet."

Ob Schoep dabei auch das NSM-Programm zitiert hat, bleibt dahingestellt. Das Werk ist eine Ansammlung krudester Parolen: "Wir fordern den Zusammenschluss aller Arier aufgrund des Selbstbestimmungsrechts der Völker zu einem Großreich." Auf der Homepage toben anonyme Kommentatoren derweil gegen "Nigger, Homosexuelle, Mexikaner und Juden".

Antisemitismus als Religion

Die anderen amerikanischen Neonazi-Gruppen stehen dem an Radikalität zwar kaum nach. Dennoch erreichen sie nicht das Potential der Schoep-Truppe:

  • Aryan Nations (AN): Unter diesem Dach fanden in den achtziger und neunziger Jahren viele Rechtsextreme eine Heimat: Neonazis oder Skinheads. Im Jahr 2000 begann diese einst bekannteste Neonazi-Organisation der USA zu bröckeln, nachdem das SPLC sie in einen teuren Gerichtsstreit gezwungen hatte. AN-Führer Richard Butler starb 2004. Die AN zerbrache in konkurrierende Splitterguppen.
  • National Alliance (NA): 1970 gegründet war dies lange die zweite prominente Neonazi-Gruppe neben der AN. Ihr langjähriger Führer William Pierce verfasste den Hetzroman "Turner Diaries", der Timothy McVeigh inspirierte, den Bombenleger von Oklahoma City 1995. Die NA propagiert Massenmord an den Juden, die sie als "vorübergehende Unannehmlichkeit" bezeichnet. Nach Pierces Tod 2002 zerfiel die NA weitgehend.
  • Church of the Creator/Creativity Movement: Diese 1973 gegründete Organisation tarnt ihren Antisemitismus als "Religion". Ihr Anführer Matt Hale wurde 2005 jedoch wegen Anstiftung zum Mord zu 40 Jahren Haft verurteilt.
  • White Revolution: Diese relativ neue Vereinigung aus Arkansas bemüht sich um Geschlossenheit der amerikanischen Neonazi-Szene. Mit ihren Demos versucht sie, Mitglieder aller Gruppen zu mobilisieren.
  • Nazi Low Riders (NLR): Die NLR entsprang kalifornischen Jugendgefängnissen. Später bildeten sie auch Straßengangs, um Drogenhandel und Organisierte Kriminalität zu betreiben. Ihre Mitglieder sind oft mit Hakenkreuzen tätowiert.
  • Volksfront: Die Volksfront, 1994 gegründet, ist nach Angaben der SPLC die zurzeit aktivste Neonazi-Gruppe an der amerikanischen Westküste. Sie will unter anderem einen "autonomen Lebensraum" für Weiße schaffen.

Keine Gruppe kommt aber an die NSM heran, zumindest was ihre Sichtbarkeit angeht. Am Tag nach dem Gerangel im April in New Jersey fuhren deren Mitglieder in die Landeshauptstadt Trenton, wo sie vor dem Kapitol im Regen standen, Hakenkreuzflaggen schwangen und den Hitlergruß zeigten. Erneut waren aber viel mehr Gegendemonstranten da, die ihnen geschlossen die Stinkefinger zeigten.

Einer Protestler trug ein Schild: "Gott mag keine Nazis, also lässt er es regnen."


Quelle: Spiegel Online

Inhalt versenden Versenden
Leserbrief An die Redaktion
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus.
Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Diese Mail an
mailing-ifrarr
Artikel versenden
Empfänger
Absender
Name
Name
E-Mail
E-Mail
Nachricht
 

"Neonazis in den USA: Hakenkreuz und Sternenbanner " verlinken

Verlinken Sie uns, wenn Ihnen der Artikel "Neonazis in den USA: Hakenkreuz und Sternenbanner " gefallen hat.

 
Seite:

Kommentar schreiben

Name
Betreff
Kommentar: (Maximal 500 Zeichen)

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Haken

Vielen Dank. Ihr Kommentar wurde versendet!

Kommentar schreiben



Zu diesem Artikel/Thema können keine weiteren Kommentare mehr abgegeben werden.

Kommentar melden

Sie sind der Meinung, dass dieser Kommentar anstößige Inhalte enthält.

 

Haken

Vielen Dank! Ihr Hinweis wurde von der Redaktion entgegengenommen.
mailing-ifrarr

Shopping

Einkaufswelt
14,95 €-Gutschein sichern
Gutschein-Aktion bei KLiNGEL.de

Damenmode in den schönsten Sommerfarben - online bestellen und sparen. bei KLiNGEL.de

Einkaufswelt
Exklusiver Herren-Sale
Exklusiver Daniel Hechter-SALE

Höchste Qualität zum sagenhaft günstigen Preis: Hemden, Jacken u.v.m. von Daniel Hechter. mehr

Einkaufswelt
Passform-Mode für Damen
Premium-Mode mit perfekter Passform - von RAPHAELA by BRAX

Modische Multitalente für Business und Freizeit - für Frauen mit jedem Figur-Typ. zum XXL-Special

Einkaufswelt
Perfekte Hosen für Damen
Die neuen Trends von AtelierGS

Entdecken Sie jetzt die modischen Hosen der Saison – in exzellenter Passform! von AtelierGS


Downloads & Shops

Minus 29%: CutOut PRO
CutOut PRO (Quelle: Softwareload)

Der Meister für feinste Freistellungen und präzise Montagen. mehr

Historische Traktoren
Agrar Simulator: Historische Landmaschinen (Quelle: Koch Media)

Landmaschinen der 50er bis 70er Jahre fahren. Spiel jetzt kaufen

Badeurlaub in Kroatien ab 572,- €/P.
Last Minute bei t-online.de Reisen (Quelle: t-online.de)

1 Woche im 4-Sterne- Hotel mit AI und Flug.


Aus anderen Bereichen

Schweizer Käse mit deutschen Löchern
Die deutsche Abwehr wirkt beim Testspiel in der Schweiz meist sehr konfus. (Quelle: imago)

Unsere Abwehr hat noch kein EM-Niveau. mehr

"Es wird einsam um Angela Merkel"
Peer Steinbrück (SPD) wirft der Kanzlerin eine schlechte Personalpolitik vor (Quelle: dpa)

Steinbrück: Das macht Kanzlerin falsch. mehr


Anzeigen

Anzeige
Anzeige
Einkaufswelt
Die neuen Kurzarmhemden
Die neuen Kurzarmhemden von Esprit

Lässige Frühjahrshemden im zeitlosen Karo-Muster. mehr

Augenblicke
Fotos des Tages
Ein verletzter Bulle rächt sich an einem mexikanischen Matador und wirft ihn in die Luft. (Quelle: Reuters\Olivier Anrigo )

Tierische Rache an einem Matador. mehr

Special
Die neuen Kriege
US-Soldaten beim Einsatz in Afghanistan (Quelle: Reuters)

Moderne Kriegsführung und moderne Waffen. mehr

Aus dem All
Satellitenbild der Woche

Wie Außerirdische die Erde sehen würden. zur Foto-Serie

Quiz
Rätseln Sie sich schlau!
(Montage: t-online.de)

Quiz bei t-online.de: Testen Sie Ihr Wissen. zur Quiz-Seite

Anzeige

Zur breiten Ansicht
© Deutsche Telekom AG 2012

Anzeige