26.01.2012, 20:45 Uhr
Untersuchungsausschüsse im Bundestag und im Erfurter Landtag werden mögliche Pannen der Sicherheitsbehörden bei den Neonazi-Morden aufarbeiten. Beide Parlamente votierten jeweils einstimmig für die Einsetzung der Gremien.
Im Bundestag erklärten Vertreter alle Fraktionen, dass die Vorgänge rückhaltlos aufgeklärt werden müssten, um Konsequenzen für Verfassungsschutz und Polizei zu ziehen. Parteipolitische Auseinandersetzungen sollen dabei nicht im Vordergrund stehen. Der Bundestags-Untersuchungsausschuss kommt am Freitag zur konstituierenden Sitzung zusammen.
Die beiden Ausschüsse sollen klären, warum die rechtsextreme Zwickauer Neonazi-Gruppe jahrelang in Deutschland rauben und morden konnte, ohne dass Sicherheitsbehörden sie im Visier hatten. Auf das Konto der Rechtsterroristen sollen unter anderem Morde an neun türkisch- und griechisch-stämmigen Kleinunternehmern sowie an einer Polizistin gehen. Der Bundestags-Untersuchungsausschuss hat die Möglichkeit, einen Sonderermittler einzusetzen. Zudem wird es eine Bund-Länder-Kommission geben, um die Zusammenarbeit der Behörden von Bund und Ländern kritisch zu hinterfragen.
Für den Untersuchungsausschuss in Erfurt sicherte Thüringens Innenminister Jörg Geibert (CDU) die Unterstützung der Landesregierung zu. "Wir sind den Opfern dieser beispiellosen Verbrechensserie und ihren Angehörigen eine umfassende Aufarbeitung dieses umfassenden Gesamtkomplexes schuldig", sagte Geibert, der wegen seiner bisher zurückhaltenden Informationspolitik im Parlament in der Kritik steht.
Die thüringisch Ausschussvorsitzende Dorothea Marx (SPD) erklärte: "Zu dem Ermittlungsversagen von gestern darf nicht das Aufklärungsversagen von heute hinzukommen." Die Aufklärung dürfe nicht länger hinter verschlossenen Türen erfolgen.
Im Bundestag sagte der Unions-Innenexperte Hans-Peter Uhl (CSU), der Vorwurf, dass die Sicherheitsbehörden auf dem rechten Auge blind seien, dürfe nicht stehenbleiben. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, meinte, das Vertrauen in den Rechtsstaat sei mit der Neonazi-Mordserie in Teilen der Bevölkerung nachhaltig erschüttert worden. "Nur ein Untersuchungsausschuss kann Zeugen unter Wahrheitspflicht vorladen und sie zwingen, zu sagen, was sie wissen, damit alles auf den Tisch kommt."
Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Thomas Oppermann, sagte, die Taten der Rechtsextremisten gehörten zweifellos zu den schwersten Verbrechen in der Bundesrepublik. Der Ausschuss müsse auch Belege für die Verfassungswidrigkeit der rechtsextremen NPD sammeln, um diese in einem zweiten Verbotsverfahren zu verwenden. Ein erstes Verfahren war 2003 vor dem Bundesverfassungsgericht an der Frage von V-Leuten des Verfassungsschutzes in Führungsgremien der Partei gescheitert. Ob es einen zweiten Anlauf für ein NPD-Verbot geben wird, ist noch offen.
Die Parlamentarier in Berlin hoffen, dass auch die Länder an der Aufklärung mitarbeiten werden. Ein Bundestags-Untersuchungsausschuss widmet sich primär Verfehlungen von Bundesbehörden. Die Grünen sind überzeugt, dass auch Zeugen aus den Ländern aussagen müssen und das Gremium auch Einsicht in Landesakten nehmen darf. Sie stützen sich dabei auf Ausführungen des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages.
Unterdessen tut sich Sachsens Landtag weiterhin schwer mit der Zwickauer Terrorzelle. Anders als im Bundestag oder in Thüringen gibt es keine Auseinandersetzung mit dem Thema. Ob auch im Dresdner Landtag ein Untersuchungsausschuss eingerichtet wird, ist noch offen. Das Regierungslager aus CDU und FDP lehnt ihn ab. Die Opposition will den Ausschuss, ist sich aber auch noch nicht ganz einig.
Quelle: dpa
Opa schrieb:
am 26. Januar 2012 um 21:22:16
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Untersuchungsausschuß
Das wäre ja ganz etwas Neues in Deutschland, wenn die Untersuchungsausschüsse ohne die ewigen parteipolitischen
Auseinandersetzungen an dem eigentlichen Problem arbeiten würde.
Allein die Schaffung dieses Ausschusses war schon ein Drama.
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ottiklein schrieb:
am 26. Januar 2012 um 20:56:23
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Untersuchungsausschuß
In Sachsen gibt es keine Rechte Gefahr,nur Linke Gefahr.Was die letzten Polizeiaktionen zeigen.Da der
Verfassungsschutz mit wirkt bei der NPD,müssen ja alle Politiker auf den Rechten Auge blind sein.
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