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Neonazi-Terrorzelle: Kumpel aus dem Erzgebirge

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Neonazi-Terrorzelle: Kumpel aus dem Erzgebirge

16.11.2011, 11:33 Uhr | Julia Jüttner

Zwickauer Polenzstraße: Hier soll Beate Zschäpe gewohnt haben (Quelle: dapd)

Zwickauer Polenzstraße: Hier soll Beate Zschäpe gewohnt haben (Quelle: dapd)

Sein silberfarbener Wagen stand regelmäßig vor dem adretten Haus in der Frühlingsstraße 26 in Zwickau. Das Kennzeichen: ERZ, für Erzgebirgskreis. Matthias D. fuhr von Johanngeorgenstadt, einem 4600-Einwohner-Ort direkt an der tschechischen Grenze, in das eher gediegene Viertel Zwickaus und traf Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt.

Die Wohnung, die Matthias D. dann betrat, kannte er gut. Jahrelang hatte er nach Informationen von "Spiegel Online" selbst dort gewohnt. Im Jahr 2008 war er ausgezogen, überließ seinen drei rechtsextremen Freunden die Wohnung, die sie nach ihrem Geschmack selbst umbauten und darin einen Fitnessraum einrichteten.

Der Mietvertrag lief weiterhin auf den Namen Matthias D., wie "Spiegel Online" bereits mehrfach berichtete. Bislang hieß es aus Ermittlerkreisen, der 34-Jährige habe dem Trio seinen Personalausweis überlassen und sei bereits wenige Stunden nach dem Fund der beiden Leichen von der Polizei in Gewahrsam genommen und verhört worden.

Das ARD-Magazin "Fakt" berichtet an diesem Dienstag außerdem, Matthias D. sei nach Angaben des Vermieters nicht nur alleiniger Mieter jener Wohnung gewesen - sondern auch die Miete sei von einem Konto abgebucht worden, das auf den Namen von Matthias D. geführt wurde.

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Zudem hat der 34-Jährige laut "Fakt" eine Wohnung in der Zwickauer Polenzstraße angemietet, in der Beate Zschäpe von Frühjahr 2001 bis Sommer 2008 unter falschem Namen gelebt haben soll.

Kameraden aus alten Jenaer Zeiten

Matthias D. gilt als Mitglied der rechten Szene Sachsens, im Raum Johanngeorgenstadt tat er seine Gesinnung öffentlich kund. Inzwischen soll er nach Niedersachsen gezogen sein, in den Raum Hannover. Dort wohnt auch Holger G., gegen den Haftbefehl wegen Verdachts der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung erging.

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Holger G. soll die Gruppierung "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU), die für die "Döner-Mordserie" mit neun Opfern und für den Heilbronner Polizistenmord verantwortlich gemacht wird, unterstützt haben. Der 37-Jährige soll sich Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt 2007 angeschlossen, ihnen seinen Führerschein und vor etwa vier Monaten seinen Reisepass zur Verfügung gestellt haben.

Auch das Wohnmobil, mit dem Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt unterwegs gewesen sein sollen, als sie in Heilbronn die Polizistin Michèle Kiesewetter erschossen, soll auf den Namen Holger G. gemietet worden sein. Eine mögliche unmittelbare Tatbeteiligung von ihm an den Mordtaten des "NSU" wird geprüft.

Holger G. stammt wie Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt aus Jena, war Mitglied der rechtsextremen "Kameradschaft Jena", wuchs mit einem der drei auf. Bis zuletzt soll er Kontakt zur rechten Szene in Thüringen gepflegt haben.

Nach einem vereitelten Anschlag auf ein Fahrzeug des Wahlkreisbüros der Linken-Landtagsabgeordneten Katharina König aus Jena im Juli 2010 wurde im September die Soko "Feuerball" gegründet, die gegen mehrere Mitglieder der rechten Szene ermittelte - auch gegen Holger G.

Er war ins Visier der Ermittler geraten, weil die Telefone der vier Männer, die im Verdacht stehen, einen Anschlag auf Königs Auto zu verüben, abgehört wurden. Man habe mögliche Anschläge verhindern wollen, sagt ein Fahnder. Es wurde vermutet, die rechte Szene horte Sprengstoff oder sei im Besitz von Anleitungen für den Bau von Bomben.

Ein Mann mit "offenkundig stark rechter Gesinnung"

16 Einrichtungen wurden im Rahmen einer Razzia am Morgen des 6. Oktober 2010 durchsucht - darunter das sogenannte Braune Haus in Jena, Treffpunkt der dortigen Szene, das "Schützenhaus" in Pößneck und Wohnungen in Gotha, Suhl, Westsachsen, Mittel- und Oberfranken. Es wurden Computer, aber keine sprengstoffähnlichen Substanzen oder Bauanleitungen sichergestellt.

Obwohl das Verfahren auf eine Einstellung hinauslief, legten die mutmaßlichen Täter Beschwerde ein. Derzeit liegt das Verfahren bei einer Beschwerdekammer des Landgerichts Gera. Einer der Tatverdächtigen ist Karl-Heinz Hoffmann, Chef der nach ihm benannten und 1980 verbotenen rechtsextremistischen Wehrsportgruppe Hoffmann. Auch dessen ehemaliges Rittergut in Westsachsen war durchsucht worden.

"Es gibt Hinweise auf weitere Helfer", sagte der Vorsitzende des parlamentarischen Gremiums zur Kontrolle der Geheimdienste, SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann, nach einer Sitzung am Dienstag in Berlin. "Die Helfer der Terroristen müssen ermittelt und hart bestraft werden."

Auch die mögliche Rolle des Mitarbeiters des hessischen Verfassungsschutzes bei einem Mord in Kassel war Thema der Sitzung. Oppermann verwies auf den bisherigen Stand der Ermittlungen, wonach der Mann kurz vor dem Mord den Tatort verlassen haben will. Nichts sagen wollte Oppermann zu verschiedenen Medien-Informationen, nach denen der Mann noch während des Mordes in dem fraglichen Café und insgesamt in der Nähe von sechs Tatorten gewesen sein soll. Er teilte mit: "Dieser Mann hat eine offenkundig stark rechte Gesinnung. Er arbeitet im Augenblick bei der Bezirksregierung in Hessen."

Ob Mitarbeiter des thüringischen Verfassungsschutzes Kontakt zu den über Jahre untergetauchten mutmaßlichen Tätern der Zwickauer Zelle hatten, sei unklar. Konkrete Hinweise lägen nicht vor, sagte Oppermann. Ausschließen könne man es auch nicht.

Oppermann kritisierte, das Bundeskriminalamt (BKA) hätte früher die Ermittlungen übernehmen sollen. Schließlich habe es bereits nach dem zweiten Mordfall Hinweise gegeben, dass es sich um dieselben Täter handelte.


Quelle: Spiegel Online

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Kommentare (2)

zum Forum

Thema: "Neonazi-Terrorzelle: Kumpel aus dem Erzgebirge"

RG schrieb: am 16. November 2011 um 10:21:14
(54) (4) KRIMINELLE !
was ich schon sehr seltsam finde, ist die aufforderung von innenminister friederich, länder erkenntnisse nun zentral in
deutschland zusammen zu legen. also konnte bisher jedes bundesland seine eigene suppe kochen. über diese para laufenden ermittlungen gab es wegen anderer straftaten schon oft kriminelle, die ihre taten weiter führen konnten. sind wir denn wirklich auf den weg nach europa ? wenn es nicht mal hier klappt ?
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manni schrieb: am 16. November 2011 um 09:49:02
(51) (9) Verfassungsschutz
Da zahlt der Verfassungsschutz an Informanten Geld , ohne zu wissen welche Einstellung zur NPD oder dem Verfassungsschutz
(Rechtsstaat) WIRKLICH besteht! Haben diese Informanten geholfen Straftaten zu verhindern? Nein, sie haben selber Dreck am Stecken und einer war sogar bei einer Hinrichtung in der Nähe! Hallo, wo leben wir und auf wessen Seite steht der Verfassungsschutz.Welche Leute in dem Haufen sind die Guten und wer die Bösen?Hat unser Rechtstaat wirklich Spitzel in der NPD nötig?
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