Startseite Jetzt online bestellen und 10% Rabatt sichern

Sie sind hier: Home > Nachrichten > Ausland > Europäische Union >

Nein zur EU-Vertragsreform: Verliert die EU Großbritannien?

...

War's das, Mr. Cameron?

12.12.2011, 20:08 Uhr

Der britische Premier hat Großbritannien mit seinem Nein zu einer EU-Vertragsreform isoliert. Verliert die EU nun bald ein Mitglied? (Quelle: dpa)

Der britische Premier hat Großbritannien mit seinem Nein zu einer EU-Vertragsreform isoliert. Verliert die EU nun bald ein Mitglied? (Quelle: dpa)

Nach dem Nein zu einer EU-Vertragsreform hält der Londoner Politologe Anthony Glees einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union für möglich. "Wenn man nach 50 Jahren europäischer Zusammenarbeit immer noch skeptisch ist (...), dann ist man eigentlich nie für die Europäische Union zu gewinnen", sagte Glees, Professor an der Buckingham University in Buckingham etwa 100 Kilometer nordwestlich von London, im Deutschlandfunk.

In der EU sei es wie in einer Ehe: "In einer Ehe müssen beide Partner glücklich sein. Wenn einer nicht mehr will, dann ist die Ehe aus." Mit seiner EU-skeptischen Haltung stoße Premierminister David Cameron auf viel Zustimmung in der britischen Bevölkerung. "Das ist die große Gefahr für Europa, für Cameron, aber auch für Großbritannien."

Auch der designierte Präsident des EU-Parlaments, Martin Schulz (SPD), hatte am Wochenende Bedenken geäußert: "Ich habe Zweifel, ob Großbritannien langfristig in der EU bleibt", sagte er "Bild am Sonntag".

Europa? Sind wir da nicht schon?

Für Neuankömmlinge in Großbritannien kann es verwirrend sein, wenn der Nachbar erzählt, er fahre im Urlaub nach "Europe". Europa? Sind wir da nicht schon? Im Alltagsenglisch wird mit "Europe" gerne all das bezeichnet, was "auf dem Kontinent" liegt - also eben nicht das Vereinigte Königreich selber. Und damit ist die über die Jahrhunderte geprägte, komplizierte Beziehung zwischen den Insulanern und der anderen Seite des Ärmelkanals bestens in Worte gefasst.

Während Camerons Entscheidung Europas Hauptstädte geschockt hat, sieht es zuhause anders aus. Zwar schlagen dem Premier auch dort Protestwogen entgegen, und die pro-europäischen Koalitionspartner von den Liberaldemokraten bekommen so langsam den Mut, sich zu wehren. In der Bevölkerung scheint die Krise des Euros Großbritanniens Wunsch nach Distanz zu Brüssel jedoch noch zu verstärken. Statt einer Ehe scheint eine offene Beziehung ein Modell der Zukunft zu sein.

Briten bleiben gerne am Rande

Es werde enorm schwierig werden, die Haushaltsdisziplin und den politischen Zusammenhalt zwischen 23 oder mehr EU-Ländern zu garantieren, sagt der Direktor der renommierten Denkfabrik Chatham House in London, Robin Niblett, voraus. Vor allem die gigantischen Unterschiede bei der Wettbewerbsfähigkeit ständen dabei im Weg. "Es ist derzeit vielleicht gar nicht so schlecht für Großbritannien, am Rande davon zu bleiben."

Großbritanniens Wirtschaft braucht Europa. Das bestreitet auch Cameron nicht. Aber die Angst, irgendwann tatsächlich alleine dazustehen, wirkt nicht besonders ausgeprägt.

"Die Briten brauchen uns mehr, als wir die Briten brauchen"

Die Vize-Präsidentin der EU-Kommission, Viviane Reding, bleibt dennoch zuversichtlich, dass Großbritannien beim neuen EU-Vertrag doch noch einlenkt. "Aus der Erfahrung wissen wir, dass die sich immer etwas zieren und dann nach einer Brücke Ausschau halten, um doch noch dabei zu sein", sagte Reding am Montag dem Sender MDR INFO. Wie lange das dauere, könne sie nicht sagen. "Die Briten brauchen uns mehr, als wir die Briten brauchen."

Cameron erhält Rückendeckung aus der Bevölkerung

Eine Umfrage für die konservative Zeitung "Mail on Sunday" ergab hingegen, dass rund 62 Prozent der Briten hinter Camerons Entscheidung für mehr Distanz zu Brüssel stehen. 48 Prozent wollen einen Ausstieg aus der EU. Zwar ist das Skandalblatt als enorm europakritisch bekannt, doch auch aus moderateren Kreisen wird nicht gerade mehr Europa gefordert. Selbst Oppositions-Chef Ed Miliband von der sozialdemokratischen Labour-Partei hatte Cameron am Freitag vor allem katastrophale Fehler bei den Verhandlungen und mangelndes Fingerspitzengefühl vorgeworfen.

Von einer "überwältigenden Zustimmung" britischer Wähler für Camerons Vorgehen berichtete auch die "Times". Die Zeitung führte eine Leser-Umfrage durch, bei der 57 Prozent das Nein Camerons zur EU-Vertragsreform für richtig hielten. Nur 14 Prozent lehnten seine Entscheidung ab.

Die linksliberale Zeitung "The Guardian" argumentierte am Sonntag hingegen, für einen Schutz der Arbeitsplätze im Londoner Finanzdistrikt sei ein solch radikales Verhalten absolut nicht nötig gewesen. Dafür droht dem Premier jetzt ein riskanter Koalitionsstreit, denn am Sonntag schlug Liberaldemokratenchef Nick Clegg erstmals zurück.

Er sei "bitter enttäuscht" und fürchte, Großbritannien werde in Europa isoliert und an den Rand gedrängt, sagte Clegg. Er werde sich mit Händen und Füßen gegen eine noch stärkere Trennung von Brüssel wehren, kündigte er an. Dass die Koalition mitten in einer Zeit strenger Sparmaßnahmen und großer wirtschaftlicher Probleme gehalten werden muss, ist aber auch ihm klar.

Kritik kommt auch aus Wales und Schottland

Der schottische Regierungschef Alex Salmond beklagt sich ebenfalls über Camerons Haltung in Brüssel. Der Premierminister habe einen "groben Fehler begangen, als er offenkundig die gesamte Beziehung Großbritanniens zur EU geändert" habe, schrieb Salmon in einem offenen Brief an Cameron, aus dem die Agentur PA in der Nacht zum Montag zitierte.

Auch aus Wales kamen kritische Worte. Dort bedauerte Regierungschef Carwyn Jones, dass Großbritannien künftig nicht mehr an Gesprächen über die EU-Verträge beteiligt würde, obwohl diese Gespräche die Eurozone und "letztlich auch Großbritannien und Wales" betreffen.

Hessens Europaminister fordert Austritt aus der EU

Hessens Europaminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) hat Großbritannien unterdessen zum Austritt aus der EU aufgefordert. In einem Interview mit der "Bild"-Zeitung begründete er dies mit der Haltung der Briten auf dem EU-Gipfel in der vergangenen Woche. "Wer nicht im Team spielen will, sollte auch nicht dessen Trikot tragen wollen. Mitmachen, Euro retten oder die Mannschaft verlassen - das ist jetzt die britische Frage", sagte Hahn.

Großbritannien habe darauf verzichtet, Europa mitzugestalten und sich damit ins Abseits gestellt, meinte der Minister weiter. "Die Rolle des Bremsklotzes wird langfristig weder dem Finanzplatz London noch der britischen Wirtschaft nutzen."

Verheugen warnt vor unüberlegten Aussagen

Der frühere EU-Industriekommissar Günter Verheugen (SPD) nannte es ein ernsthaftes Problem für die EU, dass Großbritannien erst einmal nicht dabei sei. "Wir brauchen die Briten in der Europäischen Union und wir sollten alles tun, um sie drinnen zu halten", sagte er am Montag in Bayern2Radio. "Wenn wir anfangen darüber zu reden, auf wen wir verzichten können, ist das der Anfang vom Ende." Verheugen kritisierte, es entstehe der Eindruck, dass Deutschland und Frankreich in der EU schlicht befehlen würden. "Auf jeden Fall wäre es vielleicht hilfreich gewesen, in einem normalen diplomatischen Verfahren einen so wichtigen Partner wie Großbritannien in diese Politik mit einzubeziehen."

Sarkozy sieht nach Nein der Briten "zwei Europas"

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy sieht nach dem Nein der Briten zu einer EU-Vertragsänderung eine Spaltung Europas in zwei Teile. "Es gibt jetzt ganz klar zwei Europas: das eine, das vor allem Solidarität unter seinen Mitgliedern und Regulierung will. Und das andere, das sich nur an die Logik des gemeinsamen Marktes klammert", sagte Sarkozy in einem Interview mit der Zeitung "Le Monde". Er habe zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beim EU-Gipfel vergangene Woche in Brüssel vergeblich versucht, die Briten mit ins Boot zu holen.

Einen Austritt Großbritanniens aus der EU lehnte Sarkozy ab. "Wir brauchen Großbritannien", versicherte der Präsident und erinnerte an die französisch-britische Zusammenarbeit beim Militäreinsatz in Libyen.


Quelle: dpa-AFX , dpa

Inhalt versenden Versenden
Leserbrief An die Redaktion
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus.
Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Diese Mail an
mailing-ifrarr
Artikel versenden
Empfänger
Absender
Name
Name
E-Mail
E-Mail
Nachricht
 

"Nein zur EU-Vertragsreform: Verliert die EU Großbritannien?" verlinken

Verlinken Sie uns, wenn Ihnen der Artikel "Nein zur EU-Vertragsreform: Verliert die EU Großbritannien?" gefallen hat.

 
schließen

Kommentare (989)

zum Forum

Thema: "Nein zur EU-Vertragsreform: Verliert die EU Großbritannien?"

Hans aus HH schrieb: am 12. Dezember 2011 um 18:00:05
(14) (0) Die EU eigentlich eine tolle Idee
doch dermaßen schlecht von den verantwortlichen Politikern gemacht,dass es ja so kommen mußste.Keine
Volksabstimmungen aus Angst die Bürger könnte seine Meinung kundtun und sich gegen die EU-Verträge aussprechen. Dann diese andauernden Lobhuddeleien dieser EU-Politiker und Bundestagsabgeordneten,mein Gott für 13 000 Euro und mehr im Monat an Diäten kann man wirklich MEHR Verantwortung dieser Leute verlangen.
mehr Kommentar melden

A.K. schrieb: am 12. Dezember 2011 um 17:02:19
(19) (1) England
Doch doch, England hat schon noch etwas eigenes,was Deutschland schon lange nicht mehr hat. Eine DEMOKRATIE !!!!!!!!!

Kommentar melden

Hausjeep schrieb: am 12. Dezember 2011 um 16:26:19
(49) (3) Die Ratten verlassen das sinkende Schiff ( EU ), aber Ratten hatten schon immer ein feines Gespür wenn Gefahr droht
Rindviecher allerdings laufen ins brennende Feuer, deshalb müssen unsere Politiker endlich wach werden .

Kommentar melden

alle Kommentare
Seite:

Kommentar schreiben

Name
Betreff
Kommentar: (Maximal 500 Zeichen)

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Haken

Vielen Dank. Ihr Kommentar wurde versendet!

Kommentar schreiben



Zu diesem Artikel/Thema können keine weiteren Kommentare mehr abgegeben werden.

Kommentar melden

Sie sind der Meinung, dass dieser Kommentar anstößige Inhalte enthält.

 

Haken

Vielen Dank! Ihr Hinweis wurde von der Redaktion entgegengenommen.
mailing-ifrarr

Shopping

Einkaufswelt
14,95 €-Gutschein sichern
Gutschein-Aktion bei KLiNGEL.de

Damenmode in den schönsten Sommerfarben - online bestellen und sparen. bei KLiNGEL.de

Einkaufswelt
Exklusiver Herren-Sale
Exklusiver Daniel Hechter-SALE

Höchste Qualität zum sagenhaft günstigen Preis: Hemden, Jacken u.v.m. von Daniel Hechter. mehr

Einkaufswelt
Passform-Mode für Damen
Premium-Mode mit perfekter Passform - von RAPHAELA by BRAX

Modische Multitalente für Business und Freizeit - für Frauen mit jedem Figur-Typ. zum XXL-Special

Einkaufswelt
Perfekte Hosen für Damen
Die neuen Trends von AtelierGS

Entdecken Sie jetzt die modischen Hosen der Saison – in exzellenter Passform! von AtelierGS


Downloads & Shops

Minus 29%: CutOut PRO
CutOut PRO (Quelle: Softwareload)

Der Meister für feinste Freistellungen und präzise Montagen. mehr

Historische Traktoren
Agrar Simulator: Historische Landmaschinen (Quelle: Koch Media)

Landmaschinen der 50er bis 70er Jahre fahren. Spiel jetzt kaufen

Badeurlaub in Kroatien ab 572,- €/P.
Last Minute bei t-online.de Reisen (Quelle: t-online.de)

1 Woche im 4-Sterne- Hotel mit AI und Flug.


Aus anderen Bereichen

Schweizer Käse mit deutschen Löchern
Die deutsche Abwehr wirkt beim Testspiel in der Schweiz meist sehr konfus. (Quelle: imago)

Unsere Abwehr hat noch kein EM-Niveau. mehr

"Es wird einsam um Angela Merkel"
Peer Steinbrück (SPD) wirft der Kanzlerin eine schlechte Personalpolitik vor (Quelle: dpa)

Steinbrück: Das macht Kanzlerin falsch. mehr


Anzeigen

Anzeige

UMFRAGE

Sollten die Briten aus der EU austreten?

Anzeige
Einkaufswelt
Die neuen Kurzarmhemden
Die neuen Kurzarmhemden von Esprit

Lässige Frühjahrshemden im zeitlosen Karo-Muster. mehr

Augenblicke
Fotos des Tages
Ein verletzter Bulle rächt sich an einem mexikanischen Matador und wirft ihn in die Luft. (Quelle: Reuters\Olivier Anrigo )

Tierische Rache an einem Matador. mehr

Special
Die neuen Kriege
US-Soldaten beim Einsatz in Afghanistan (Quelle: Reuters)

Moderne Kriegsführung und moderne Waffen. mehr

Aus dem All
Satellitenbild der Woche

Wie Außerirdische die Erde sehen würden. zur Foto-Serie

Quiz
Rätseln Sie sich schlau!
(Montage: t-online.de)

Quiz bei t-online.de: Testen Sie Ihr Wissen. zur Quiz-Seite

Anzeige

Zur breiten Ansicht
© Deutsche Telekom AG 2012

Anzeige