07.05.2010, 13:43 Uhr | Von Andrea Hentschel, AFP
Svante Pääbo, Direktor am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, mit der Rekonstruktion eines Neandertaler-Schädels (Foto: dpa)
Wie viel Neandertaler steckt in uns? Der Antwort auf diese Frage ist ein internationales Forscherteam um Svante Pääbo vom Max-Planck-Institut (MPI) für evolutionäre Anthropologie in Leipzig ein entscheidendes Stück näher gekommen. In Genuntersuchungen fanden die Wissenschaftler Hinweise darauf, dass der vor rund 30.000 Jahren ausgestorbene Neandertaler und der moderne Mensch doch Sex miteinander hatten - was bis heute Spuren im menschlichen Erbgut hinterlassen hat. Ob sich Neandertaler und moderner Mensch gekreuzt haben, war bislang eine strittige Frage.
Die - zweifellos sehr aufregende Entdeckung - des Leipziger Forscherteams zur Kreuzung des modernen Menschen mit seinem urzeitlichen Verwandten ist aber nur ein Detail im Rahmen der Entschlüsselung des Neandertaler-Genoms. Die Forscher interessiert vor allem, was den Menschen von seinem nächsten Verwandten unterscheidet und ihm Vorteile im Laufe der Evolution gebracht hat.
Bereits im Februar hatte das Forscherteam um Pääbo eine Rohfassung des entschlüsselten Neandertaler-Erbguts präsentiert. Die Wissenschaftler analysierten mehr als eine Milliarde DNA-Fragmente aus Neandertalerknochen, die etwa 60 Prozent des Erbguts abdecken. Das daraus rekonstruierte Neandertaler-Genom könnte den Schlüssel dazu liefern, welche genetischen Veränderungen auf dem Weg zum Homo sapiens entscheidend gewesen sind und schließlich dazu geführt haben, dass dieser sich vor etwa 100.000 Jahren von Afrika aus über die gesamte Welt verbreiten konnte.
In einem weiteren Schritt verglichen die Experten nun das Neandertaler-Genom mit dem Erbgut von fünf modernen Menschen aus Frankreich, Afrika, Papua-Neuguinea und China - mit der Erkenntnis, dass sich moderne Menschen mit dem Neandertaler wohl gekreuzt haben. Im Genom einiger heutiger Zeitgenossen, die außerhalb Afrikas leben, stammen nach Berechnungen der Forscher ein bis vier Prozent der DNA vom Neandertaler. Die Forscher vermuten, dass sich der aus Afrika ausgewanderte moderne Mensch im Nahen Osten mit dem Neandertaler vermischte, bevor er sich in Eurasien weiter ausbreitete. Aus archäologischen Funden ist bekannt, dass beide vor 50.000 bis 100.000 Jahren im Nahen Osten lebten.
Dies mache den Neandertaler aber nun "nicht zu unserem direkten Vorfahren", stellt der Leipziger Genetiker Johannes Krause aus dem Pääbo-Team klar. Zu 96 Prozent stamme der Mensch von Vorfahren aus Afrika ab. Zudem gebe es keine Belege für Spekulationen, dass sich Neandertaler und Menschen auch bei ihrem späteren Zusammentreffen in Europa vermischt haben könnten. Im Gegenteil: Die Forscher wiesen Neandertaler-Gene bei Europäern in ähnlichem Maße nach wie bei heutigen Bewohnern Papua-Neuguineas und Chinas, wo der Neandertaler aber nie gelebt hat.
Viel aufschlussreicher als das Techtelmechtel mit dem einen oder anderen Neandertaler ist für die Forscher ohnehin die Suche nach Genen, die eine wichtige Rolle in der menschlichen Evolution gespielt und dem frühen Menschen sein Überleben auf irgendeine Weise erleichtert haben könnten. Die Experten fanden Gene, die beim Menschen, nicht aber beim Neandertaler auftreten und unter anderem mit den kognitiven Funktionen und der Entwicklung von Schädel, Schlüsselbein und Brustkorb zusammenhängen. Welche Einflüsse diese Gene tatsächlich haben, muss aber noch untersucht werden.
Der Anthropologe und Genetiker Svante Pääbo hat mit seiner Forschungsarbeit in jedem Fall einen weiteren Meilenstein gesetzt. Der Schwede, der ab 1990 zunächst an der Uni München tätig war und 1997 an das Leipziger MPI wechselte, gilt als weltweit führender Experte auf seinem Gebiet. Die jüngsten Erkenntnisse liefern weitere Hinweise für die Beantwortung der Frage, welche genetischen Veränderungen auf dem Weg zum homo sapiens entscheidend gewesen sind. Oder vereinfacht gesagt: warum wir geworden sind, was wir sind.
Quelle: AFP
Chuck Norris schrieb:
am 7. Mai 2010 um 19:38:14
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Neandertaler
Es ist auch Logisch,weil die können nicht einfach so spurlos verschwunden sein sie haben sich vermischt und das ergebnis der beiden sind "WIR".
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Hobby-Forscher schrieb:
am 7. Mai 2010 um 16:00:38
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Schon immer geahnt
Ich interessiere mich schon seit Jahrzehnten für die Paläoanthropologie und habe mich seit jeher über die Behauptung
aller Forscher in allen Schriften gewundert, die behaupteten, 2 Menschenarten hätten 10 000 Jahre nebeneinander gelebt, ohne sich jemals vermischt zu haben. Die jetzigen Forschungsergebnisse habe ich schon immer vorausgeahnt, ja nahezu gewusst! Und zu Frau Gabi Paul nur soviel: Den Menschen zeichnet der Forscherdrang aus, darin unterscheidet er sich vom Tier!
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Gabi Paul schrieb:
am 7. Mai 2010 um 14:16:45
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Neandertaler war Vorfahre heutiger Mensche
Schön, dass wir keine anderen Sorgen haben! Vor allem haben wir Geld für solche Erkenntnis, man kann uns gratulieren.
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