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Navy Seals: 900 Meter, ein Schuss, Treffer

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Navy Seals: 900 Meter, ein Schuss, Treffer

06.09.2011, 19:54 Uhr | Von Jörg Diehl, Spiegel Online

Nur die Besten werden in die Elitetruppe berufen. Spezialaufträge wie die Operation Bin Laden führt die Marine-Einheit zuverlässig aus.

Die amerikanischen Navy Seals gelten als härteste Spezialeinheit der Welt - und das Team Six als ihre ultrageheime Elite: Howard Wasdin diente dort jahrelang als Scharfschütze. Jetzt gewährt der Krieger Einblicke in das Innenleben der Truppe.

Einmal, nach Tagen ohne Schlaf, nach Tausenden Liegestützen, Sit-ups und Strecksprüngen, nach Gewaltmärschen und viel zu vielen Stunden im eiskalten Wasser, denkt er daran aufzugeben. Sein Ausbilder reicht ihm eine Tasse heißen Kakao, führt ihn zum warmen Krankenwagen, es wäre so leicht, jetzt schwach zu werden, es wäre menschlich. Doch Howard Wasdin will in seinem Leben vor allem eines: Nie wieder schwach sein.

Viele Jahre später, in der Nacht auf den 2. Mai 2011, wird im pakistanischen Abbottabad ein moderner Mythos geboren: 24 Männer des Team Six der amerikanischen Navy Seals stürmen das Anwesen, in dem sich Osama Bin Laden versteckt und töten den Terrorchef , den meistgesuchten Verbrecher der Welt, seit fast zehn Jahren auf der Flucht.

Die US-Presse überschlägt sich hinterher in ihrer Heldenverehrung: Jedi-Ritter, Supermänner, die "coolsten Kerle der Welt" - aus Soldaten werden Halbgötter. Und irgendwie fühlt sich auch Howard Wasdin angesprochen.

Foto-Serie: Die Navy Seals
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Scharfschütze im Seal-Team Six

Der heute 49-Jährige, der inzwischen als Chiropraktiker arbeitet, hat jahrelang als Scharfschütze im ultrageheimen Anti-Terror-Team der Navy Seals gedient. "Waz-man", wie ihn seine Kameraden damals nannten, schied aus, nachdem ihm 1993 in Mogadischu Kalaschnikow-Kugeln das rechte Schienbein zerfetzt hatten. Er schrieb ein Buch ("Navy Seals Team 6") über seine Zeit in der Elitetruppe, das sich in den USA blendend verkauft und nun auch auf Deutsch erschienen ist.

Die Arbeit an seinen Memoiren habe ihm geholfen, die Verwundung und das Ende seiner militärischen Karriere zu verarbeiten, sagt Wasdin. "From rockstar to rock-bottom" sei er damals gefallen, was man vielleicht folgendermaßen übersetzen kann: Aus dem Übermenschen, der es in die Elite der Elite geschafft hatte, wurde ein Niemand. Howard Wasdin wurde wieder zu dem unbedeutenden Zivilisten, der Wassermelonen verkaufte, ehe er sich mit gerade einmal 18 Jahren bei der US Navy verpflichtete.

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Der Sohn eines Lastwagenfahrers, aufgewachsen in einfachsten Verhältnissen des ländlichen Georgias, lernt schon früh, Schmerzen zu ertragen. Sein Stiefvater prügelt ihn regelmäßig mit einem Ledergürtel, jede angebliche Verfehlung des Kindes - und sei sie noch so geringfügig - wird mit gnadenloser Brutalität bestraft. Also funktioniert Howard, wie es von ihm erwartet wird, passt sich an, sorgt dafür, dass der erste Vorgesetzte seines Lebens möglichst oft zufrieden mit ihm ist.

Im Militär läuft es später eigentlich genauso.

"Mentale Härte ist eine Gabe"

Getrieben vom eigenen Anspruch, stets der Beste und immer der Härteste zu sein, kämpft sich Wasdin durch den wahrscheinlich unbarmherzigsten Drill der Welt. Er sieht, wie athletischere, besser trainierte Typen neben ihm reihenweise aufgeben, wie sie kollabieren oder panisch werden, wenn sie so lange unter Wasser bleiben müssen, bis sie fast das Bewusstsein verlieren.

Er sieht, dass manche faul sind, Fehler machen, nachlässig zu Werke gehen, sich nicht ständig quälen können. Howard kann all das. "Du kannst aus jedem Mann einen körperlich harten Kerl machen, kein Problem", sagt er, "aber mentale Härte kann man nicht lernen. Sie ist eine Gabe."

Wasdin, der Anti-Terror-Krieger und Weltpolizist, lebt jahrelang ein Leben auf Abruf, immer in Alarmbereitschaft. Wenn sein Pieper anschlägt, rast er zum Flughafen, springt in die nächste Militär-Maschine, er weiß nicht, ob es Training ist oder blutiger Ernst wird. Er kann auch seiner Frau und seinen beiden Kindern nicht sagen, ob er morgen zurück sein wird oder erst in fünf Monaten, und wenn er wieder da ist, darf er nicht über das sprechen, was er getan hat.

Das Team steht über allem

Jahrelang ist er ein Phantom, ein hochtrainierter Supersoldat, der irgendwo auftaucht, "seinen Job macht", wie er sagt, und möglichst geräuschlos wieder verschwindet. Die Kameraden sind seine Familie, das Team steht über allem, seine Ehe geht schon bald in die Brüche. "Es war, wie in der Nationalmannschaft zu spielen. Mit den Allerbesten. Ich habe diese Arbeit geliebt."

Im ersten Irak-Krieg und in Somalia tötet er, dafür ist er da, er zweifelt nicht an sich, nicht an seinen Aufträgen oder der Politik seines Landes. Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss. Wasdins Welt, in der es immer um Leben und Sterben geht, ist nicht sehr kompliziert: Er ist einer der Guten und hilft den Schwachen.

Der Scharfschütze versteht sich nicht als Killermaschine, sondern als exzellenten Krieger, der seine Feinde als Menschen wahrnimmt und immer nur so viel Gewalt einsetzt, wie es die Situation erfordert. "Ich dachte wirklich, ich sei Superman."

Soldat oder Verbrecher?

Eric Greitens, der erst in Oxford promovierte, ehe er im Seal Tim Six diente, notierte einmal: "Jeder Narr kann Gewalt anwenden." Doch es zeichne die Seals aus, dass sie "nachdenklich, diszipliniert und angemessen" vorgingen. Das unterscheide einen Elitesoldaten von einem Verbrecher. Das zumindest ist die Theorie, das Ideal. Doch die Realität des Krieges kann ganz anders sein.

Selbst Wasdin beschreibt in seinem Buch, das eine Hymne auf das Heldentum, die Tapferkeit und die Opferbereitschaft der Navy Seals ist, wie er in Somalia Frauen erschießen muss, hinter denen sich feindliche Milizionäre verstecken, und wie er Gefangene mit dem Gewehrkolben prügelt. Zurück in der Heimat, schwer verwundet und völlig verunsichert, versinkt der Ex-Soldat in Depressionen und Selbstmitleid. Doch wieder kämpft er sich zurück - und diesmal ins Leben.

Es sei auch heute kein Problem für ihn, tönt Wasdin im breiten Tonfall des einfachen Südstaatlers, einen Terroristen auf der Stelle zu erschießen. Mit dem richtigen Gewehr treffe er noch immer aus 900 Metern genau ins Schwarze.

Nur auf die Jagd, die bei ihnen auf dem Land ein so verbreitetes Hobby sei, gehe er schon seit Jahren nicht mehr. Er habe, sagt Howard Wasdin, einfach schon genug Lebewesen sterben sehen.


Quelle: Spiegel Online

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Kommentare (46)

zum Forum

Thema: "Navy Seals: 900 Meter, ein Schuss, Treffer"

Toto schrieb: am 2. September 2011 um 17:24:16
(207) (51) 93 Mogadischu?
Ich weiß zwar das die Army Rangers einige andere Spezialeinheiten 93 in Mogadischu waren (Operation Irene), aber das Seals
vor Ort waren höre ich heute zum ersten mal. Desweiteren ist mir der Codec bekannt das Seals auch nach dem Ausscheiden nicht über Ihren Job reden (dürfen). Also sehr zweifelhaft das ganze. Abgesehen davon braucht sich unsere KSK auch nicht verstecken und hat genug Lorbeeren. Nur reden die wirklich nicht darüber...
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jonny-58 schrieb: am 2. September 2011 um 17:20:54
(424) (339) Lobgesang ...
... auf einen Mörder

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fritz schrieb: am 2. September 2011 um 17:16:07
(175) (133) USA- Weltpolizei und ihre Ordnerelite
Einige scheinen vergessen zu haben, was die "Weltpolizei" USA da verzapft hat. Einen
Terroristen zu erschießen scheint für so viele eine so gute Tat. Das man sich dabei noch als guten Rechtsstaat darstellt bildet da keinen Widerspruch? Die USA haben sich mit dieser Aktion auf die Ebene ihrer Gegner begeben. Wiedermal! Und jetzt propagiert man die Navy Seals als Helden, verhöhnt gewissermaßen das eigene Rechtssystem und -Bewusstsein wie mit John Rambo nach Vietnam. Da läuft doch was falsc
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