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Zweiter Testsatellit für Galileo gestartet
27.04.2008, 10:53 Uhr
Die Sojus-Rakete mit dem Galileo-Satelliten hebt in Baikonur ab (Quelle: dpa)Für den geplanten Aufbau des europäischen Satelliten-Navigationssystems Galileo ist vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan der zweite Testsatellit ins All gestartet. Um 3.55 Uhr deutscher Zeit am Sonntag setzte die Sojus-Trägerrakete den GIOVE-B sicher in seiner Umlaufbahn ab, bestätigte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin. Das Weltallgefährt soll aus 23.000 Kilometern Höhe wichtige Daten für den Aufbau des Galileo-Systems liefern, das einmal aus 30 Satelliten und mehreren Bodenstationen bestehen und bis 2013 betriebsbereit sein soll.
Europa im All
Foto-Serie Spektakuläre ESA-Sonden
Konkurrenz für GPS
Europa will mit Galileo gegen die Vormachtstellung des US-amerikanischen Navigationssystems GPS (Global Positioning System) antreten. Auch Russland arbeitet am Aufbau eines Navigationssystems mit dem Namen Glonass, das sich zuletzt aber immer wieder verzögerte. China plant ein ähnliches Projekt mit der Bezeichnung Compass.
Grünes Licht aus Straßburg
Erst am Mittwoch hatte das Europaparlament in Straßburg mit großer Mehrheit zugestimmt, dieses größte Industrieprojekt Europas ausschreiben zu lassen. Die EU-Kommission will zusammen mit der Raumfahrtbehörde ESA die Aufträge für das 3,4 Milliarden Euro teure Vorhaben noch vor der Sommerpause ausschreiben.
Der Galileo-Satellit GIOVE-B im All, wie ihn sich die ESA-Zeichner vorstellen (Quelle: ESA)
Vorgänger wird abgeschaltet
2005 war der Vorgänger GIOVE-A zur Vorbereitung des Galileo-Aufbaus ins All geschickt worden. Dieser Satellit soll in wenigen Monaten abgeschaltet werden. Der 700 Kilo schwere GIOVE-B wurde von EADS-Astrium in Bremen und der italienischen Firma Thales Alenia Space gebaut. Der künstliche Erdtrabant hat eine hochpräzise Atomuhr an Bord. Neben der Überprüfung neuer Technik im Erdorbit dient diese Satellitenmission auch der Vermessung und Bestimmung der Umlaufbahnen für die zukünftigen Galileo-Satelliten.
Paris will auch militärische Nutzung
Das System liefert Ortungsinformationen, die unter anderem im Straßenverkehr, in der Luft- und Seefahrt, im Baugewerbe oder bei Not- und Rettungsdiensten genutzt werden können. Galileo soll künftig als erdumspannendes Netz genaue zeitliche und räumliche Informationen für Nutzer überall auf der Welt liefern. Während Deutschland eine zivile Nutzung des Systems bevorzugt, will Frankreich es auch militärisch nutzen.
Deutsche Bedenken zerstreut
Deutschland als großer Nettozahler der EU war im vergangenen Jahr noch entschieden gegen die europäische Finanzierung des Projekts. Die EU-Kommission konnte aber Bedenken zerstreuen, dass deutsche Unternehmen bei der Umsetzung zu kurz kommen könnten. Am DLR-Standort Oberpfaffenhofen wird gegenwärtig eines der beiden für den späteren Betrieb des Systems verantwortlichen Kontrollzentren aufgebaut. Der GIOVE-B wird von einem Expertenteam vom italienischen Kontrollzentrum Fucino aus gesteuert.
Quelle: dpa