21.10.2010, 15:45 Uhr
Umweltzerstörung: Korallen sind nicht nur schön anzuschauen, sondern auch wertvoll. Sie zu zerstören (wie hier in Indonesien) kostet - volkswirtschaftlich - Milliarden Dollar (Foto: imago)
Wenn die Zerstörung der Natur nicht gebremst wird, verliert die Menschheit jährlich viel Geld - sehr viel Geld. Es geht um Billionen von Dollar Schaden für die globale Volkswirtschaft. Das haben Wissenschaftler in einem umfassenden Report errechnet, der anlässlich der UN-Artenschutzkonferenz im japanischen Nagoya veröffentlicht wurde.
So erwirtschaften allein die Insekten weltweit jährlich 153 Milliarden US-Dollar (das sind umgerechnet 110 Milliarden Euro) dadurch, dass sie Pflanzen bestäuben. Korallenriffe generieren pro Jahr 172 Milliarden Dollar an Einkommen, Nahrung und weiteren Gewinnen.
Diese unglaublichen Zahlen stehen im sogenannten TEEB-Report. Das Kürzel steht für Ökonomie der Ökosysteme und Biodiversität (The Economics of Ecosystems and Biodiversity). Teile der Studie sind bereits veröffentlich worden, nun haben die rund 500 Autoren ihren gemeinsamen Endbericht vorgelegt. Maßgeblich am TEEB-Report beteiligt war das renommierte Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, kurz UFZ, in Leipzig.
Die Studie gibt Ökosystemen einen konkreten Wert; die Wissenschaftler fordern Staaten auf, diese Werte auch bei volkswirtschaftlichen Rechnungen einzubeziehen. Zu den Forderungen der TEEB-Autoren zählt auch, Umweltschäden finanziell zu berechnen und sie zu veröffentlichen. Zudem sollten Verursacher für angerichtete Schäden haften. Aber auch die Nutznießer sollten für die Leistungen der Natur bezahlen.
Der Verlust an Natur würde - einmal mehr - besonders stark die Entwicklungsländer treffen, heißt es im Report. Durch Nichtstun entstehe nicht nur ein Wertverlust von Billionen von Dollar für die heutige und künftige Gesellschaft, es führe auch zur weiteren Verarmung der Armen, sagte Pavan Sukhdev, der die vom UN-Umweltprogramm unterstützte Studie leitete. "Die Zeit, die Artenvielfalt zu ignorieren und bei Wohlstandsvermehrung und Entwicklung auf konventionellem Denken zu beharren, ist vorbei."
Als positives Vorbild nennen die Wissenschaftler etwa Mexiko. Das Land habe ein System eingeführt, bei dem Leistungen eines Ökosystems bereits angerechnet werden. Zugleich habe sich die Abholzungsrate dort innerhalb von sieben Jahren halbiert.
Auch Deutschland präsentierte in Nagoya verschiedene Beispiele für die Leistung von Naturschutz. "So ist etwa der Nutzen naturverträglicher Hochwasserschutzmaßnahmen an der Elbe, wie die Rückverlegung von Deichen und die Schaffung natürlicher Retentionsflächen, dreimal höher als deren Kosten", heißt es aus dem Bundesumweltministerium.
Der deutsche Umweltminister Norbert Röttgen hofft nun, dass auf der Konferenz in Japan international ähnlich konkrete Schritte zum Artenschutz eingeleitet werden wie 1997 in Kyoto beim Klimaschutz. Ob das gelingt, bezweifeln Beobachter der Konferenz allerdings stark.
CDU-Politiker Röttgen aber sieht gute Chancen auf eine Einigung zum Biopiraterie-Protokoll in Nagoya. Dabei geht es um die gerechte Aufteilung der Gewinne aus biologischen Wirkstoffen, etwa für medizinische oder kosmetische Produkte. Dennoch sei weiter unklar, wann das Protokoll in Kraft treten soll.
Der Knackpunkt: Die Entwicklungsländer fordern, dieses Protokoll auch auf die Vergangenheit, also rückwirkend anzuwenden. Die Industrienationen lehnen das ab - so auch Deutschland. "Dann wird es keine Einigung geben", warnte Röttgen.
Dabei muss etwas geschehen. Die Lage im internationalen Naturschutz sieht der Umweltminister als dramatisch an. Deutschland wolle deshalb auch in Zukunft Geld für den internationalen Artenschutz zur Verfügung stellen und stehe zu seinen Ankündigungen. "Wir brauchen eine glaubwürdige und nachvollziehbare Finanzierung", sagte Röttgen.
Seine Kabinettschefin, Kanzlerin Angela Merkel, hatte 2008 auf der Artenschutzkonferenz in Bonn bis zum Jahr 2012 zusätzlich insgesamt 500 Millionen Euro und ab 2013 jährlich 500 Millionen Euro für den internationalen Schutz der Artenvielfalt versprochen. Winzige Summen angesichts der Billionen, die die Wissenschaftler errechnet haben.
Quelle: dpa , je
numis schrieb:
am 21. Oktober 2010 um 17:28:30
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umweltzerstörung
uns fliegt bald der planet um die ohren wenn wir so weitermachen
aber solange es die da oben noch nicht betrifft wird sich auch nichts ändern.
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rui schrieb:
am 21. Oktober 2010 um 14:18:57
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Naturzerstörung
Da kommt noch was auf nachfolgende Generationen zu. Alleine der Umgang mit radioaktivem Müll von den so billig Strom
produzierenden AKW`s ist nicht abschätzbar und auch Billionen von Dollars beheben auf hunderte von Jahren den Schaden nicht. Wie schon von den Indianern frühzeitig erkannt: "Geld kann man nicht essen"
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Bernhard schrieb:
am 21. Oktober 2010 um 14:08:16
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Umweltzerstörung
Die große Masse von Ignoranten (siehe Kommentar Petermann) sind maßgeblich an der fortschreitenden Zerstörung der Umwelt
beteiligt. Es gibt schon Aussagen Ernst zu nehmender Wissenschaftler, die den selbstverschuldeten Untergang der Menschheit in ca. 100 Jahren erwarten. Ich bin der Meinung, es könnte sogar eher sein.
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