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NATO rüstet für Cyber-Krieg

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NATO rüstet für den Cyber-Krieg

04.10.2010, 09:17 Uhr | Lukas Martin

"Cyber Command" soll die USA vor Computerattacken schützen (Foto: AP/US Department of Defense)

"Cyber Command" soll die USA vor Computerattacken schützen (Foto: AP/US Department of Defense)

Ganz selten wird die Spitze des Eisbergs sichtbar, ein Schatten der Front, die nicht auf feindlichem Territorium verläuft, sondern im Cyberspace: NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hat im neuen strategischen Konzept des Bündnisses einen wesentlichen neuen Punkt verankert. Auch auf Cyber-Attacken, also Angriffe auf die Computersysteme der NATO-Länder, müssten die Mitgliedsstaaten gemeinsam reagieren – vielleicht mit diplomatischen Mitteln, möglicherweise aber auch mit Raketen oder eben mit einem Gegenschlag per Computer. Den Kriegen im Irak und in Afghanistan mit Bomben und Toten gehören die Schlagzeilen. Doch der Krieg im Internet mit Viren und Hackern hat vermutlich mehr Einfluss darauf, wie die Macht in Zukunft verteilt wird.

Die strategische Neuausrichtung der NATO bedeutet, dass das Bündnis den Cyber-Krieg endlich als eine vollwertige Art der Kriegsführung betrachtet: Eine große Computerattacke auf einen Bündnisstaat ist jetzt nichts anderes mehr, als der Angriff einer fremden Macht mit Soldaten, Panzern und Kampfjets. Würde Estland wie im April 2007 übers Internet angegriffen werden, dann müsste die NATO reagieren.

Hacker schalten Estland aus

Damals wurde das baltische Land mit einem Hacker-Angriff praktisch lahm gelegt: Ministerien und Banken konnten nicht mehr arbeiten, Berichterstattung war nicht möglich, weil die Server der Fernsehsender, Zeitungen und Radiostationen außer Gefecht gesetzt waren. Die Esten beschuldigten Russland, mit dem sie zu diesem Zeitpunkt in einem Streit lagen, der die nationalen Emotionen hochkochen ließ - Beweise konnten sie allerdings nicht finden. Auch die Cyber-Attacke mit dem Computerschädling Stuxnet auf den Iran kam ans Tageslicht. Die Möglichkeit, ein Atomkraftwerk mittels einer Virenattacke kollabieren zu lassen, erschreckte nicht nur die Iraner. Der gleiche Virus war in Indien, China, Pakistan und Indonesien aufgetaucht.

Einzelfälle? Der Chef des Herstellers der Sicherheits-Software McAffee, George Kurtz, spricht von Millionen von Cyber-Attacken gegen Unternehmen auf der ganzen Welt - an jedem einzelnen Tag. Die meisten dieser Angriffe würden nicht einmal bemerkt. Für Staaten stehen nicht nur Industriegeheimnisse auf dem Spiel, sondern die nationale Sicherheit. Sind Computer lahmgelegt und setzt die Stromversorgung aus, wird es ganz schwer, einen physischen Angriff abzuwehren.

Krieger an Computern

Deshalb hat das Wettrüsten im Cyberspace längst begonnen: Der Iran brüstet sich damit, die zweitgrößte Cyber-Armee der Welt zu besitzen. Im April 2010 hat der amerikanische Präsident Barack Obama das "Cyber Command“ im Verteidigungsministerium ins Leben gerufen, das US-Militär und Land gegen Computerattacken schützen soll. Doch Experten beklagen, dass 1000 qualifizierte Krieger an Computern immer noch viel zu wenig seien. Die Amerikaner halten derzeit mit Beteiligung von zwölf europäischen Ländern, darunter Deutschland - eine Übung namens "Cyber Storm III" ab, die eine groß angelegte Attacke auf die amerikanische Infrastruktur simuliert.

Obama selbst zeigte sich verärgert über den Rückstand in dem Wettlauf, den sein Vorgänger George W. Bush zu verantworten habe. Denn betrachtet man das militärische Potenzial im Internet, gibt es eine unangefochtene Weltmacht: China.

Im Reich der Mitte sind angeblich weit über 40.000 Spezialisten damit beschäftigt, zu spionieren, falsche Informationen in den Netzwerken der Konkurrenten zu platzieren oder Einrichtungen zu sabotieren. Der britische "Economist“ berichtet, dass China plant, „bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts in der Lage zu sein, Informationskriege zu gewinnen.“

China auf Daten-Beutezug

Zu was die Wirtschaftssupermacht heute schon fähig ist, hat das Land bereits gezeigt: Im Jahr 2004 entdeckten die USA, dass eine riesige Zahl von geheimen Daten gestohlen worden war – unter anderem aus Militärlaboren, von der NASA und der Weltbank. Die Spuren, die die Hacker hinterließen, führten in die chinesische Provinz Guangdong, der Informations-Beutezug bekam den Namen "Titan Rain".

Im April 2009 sind Berichte bekannt geworden, China und Russland hätten die US-Stromversorgung mit einem Virus infiltriert, das das gesamte System zerstören könnte: Ist die Bombe längst platziert und wartet nur darauf, gezündet zu werden? Der Ausfall des Stromnetzes könnte die Wirtschaft eines ganzen Landes ruinieren oder zumindest schwer schädigen. Im August hat die US-Regierung China zum ersten Mal offiziell davor gewarnt, Cyber-Angriffe zu starten.

Auch Deutschland war Opfer von Hackern

Auch Deutschland soll das Ziel chinesischer Computer-Spionage geworden sein - durch das riesige Spionage-Netzwerk „GhostNet“, das im März 2009 Geheimdokumente von Regierungen und Unternehmen aus 103 Ländern gestohlen hat. Die Abteilung Informations- und Computernetzwerkoperationen des Kommandos "Strategische Aufklärung“ hat 7000 Beschäftigte und soll sich um die Abwehr solcher Angriffe kümmern.

Die Hoffnungen liegen aber auch auf der NATO. In der Nähe von Brüssel hat eine Spezialeinheit ihren Sitz, die die Hacker-Attacken 24 Stunden am Tag beobachtet und wenn nötig darauf reagiert. Die Experten haben laut BBC News 30 Sensoren in den Mitgliedsländern installiert, die die Einrichtung rund um die Uhr mit Informationen füttern. Ein anderes Zentrum, das dem Militärbündnis zuarbeitet, ist das Cooperative Cyber Defence Centre of Excellence in Tallinn, Estland. Es wurde zwar erst 2008 eröffnet, aber bereits seit 2003 geplant - war der Angriff auf Estland deshalb ein russischer Warnschuss vor den Bug der NATO?

Attacken können jederzeit von überall auf der Welt kommen und müssen binnen Sekunden bekämpft werden können. Daten sind die Mittel, mit denen im Cyberspace gekämpft wird. Und der Cyber-Krieg ist längst zum fünften Kriegsschauplatz neben Land, Meer, Luft und Weltraum geworden.


Quelle: t-online.de

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Kommentare (9)

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Thema: "NATO rüstet für Cyber-Krieg"

habe kleinen einblick bekommen schrieb: am 1. Oktober 2010 um 19:47:24
(0) (0) cyber
Ich möchte hier nichts schmarzmalen, gebe aber allen nur einen guten Tip; Ein vollgetanktes Auto kann nie schaden, genug Mineralwasser
im Haus, Lebensmittel für 6 Wochen, haltbar und vielleicht einen Baseballschläger, falls andere Nachbarn den Bericht nicht gelesen haben. Warum;? Angenommen ein Chipfehler,legt Ihre Tankstelle lahm, einfacher; ein Chip nach dem CYBER-Angriff legt alle Banken lahm oder ein Stromwerk. Dann gehen bei Ihnen im Ort, LIDL,Aldi, Norma die Türen nicht auf.Und Shell, Avia
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Chiroptera schrieb: am 1. Oktober 2010 um 19:47:17
(0) (0) Da fällt mir doch gleich...
....wieder die vielzitierte Einsteinanekdote ein. Hier passt sie einmal mehr:"Mit welchen Waffen wird Ihrer
Meinung nach der Dritte Weltkrieg geführt werden?" Antwort:"Ich weiß es nicht - aber im Vierten Weltkrieg werden wir wieder mit Steinen schmeißen!"
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Stefan schrieb: am 1. Oktober 2010 um 19:44:04
(0) (0) cyberkrieg
Ist doch nix neues ,das die computer ausspioniert werden und wichtige Daten gestollen werden.Und man kann sich kaum dagegen wären
,und wenn man zur Polizei geht sagen die das ist nicht möglich. Die haben noch weniger ahnung oder die wollen nichts unternehmen ist mir selber letztes jahr passiert im April. Aber ich glaube die sind auch nicht geschuld worden und müßten besser aufgeklärt werden die Beamten in FFB. Die benutzten euren Rechner und viele kriegen es noch nicht mal mit .
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