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Nach Terroranschlag: Putin und Medwedew schwören Rache

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Nach Terroranschlag: Putin und Medwedew schwören Rache

26.01.2011, 10:57 Uhr

Nach dem Terroranschlag: Premier Putin und Präsident Medwedew fordern Vergeltung (Fotos: Reuters, dpa)Nach dem Terroranschlag: Premier Putin und Präsident Medwedew fordern Vergeltung (Fotos: Reuters, dpa)

Nach dem Terroranschlag: Premier Putin und Präsident Medwedew fordern Vergeltung (Fotos: Reuters, dpa)

Nach dem Selbstmordanschlag auf dem Moskauer Flughafen Domodedowo hat der russische Premierminister Wladimir Putin Rache geschworen; Präsident Dmitri Medwedew will den Anti-Terror-Kampf deutlich verschärfen. Unter den 35 Todesopfern des Blutbades ist auch ein Deutscher. 180 weitere Menschen wurden bei dem Anschlag im Ankunftsbereich des Flughafens verletzt.

Ministerpräsident Putin kündigte Vergeltung für das "brutale und sinnlose Verbrechen" an: "Ich habe keinen Zweifel daran, dass das Verbrechen aufgeklärt wird und eine Bestrafung der Verantwortlichen unumgänglich ist", sagte Putin russischen Medienberichten zufolge. Seine Minister forderte er zu einer Schweigeminute in Gedenken an die 35 Toten und zahlreichen Verletzten auf. Zudem forderte der russische Premier, dass die Sicherheitsbestimmungen in Verkehr und Infrastruktur verbessert werden müssten. "Ich habe mehrere Vorschläge und nun möchte ich eure hören."

Medwedew sagte während einer Sitzung mit Vertretern der Sicherheitskräfte: "Wir müssen alles tun, um die Banditen, die dieses Verbrechen begangen haben, zu identifizieren und vor Gericht zu bringen, und um die Nester dieser Banditen zu vernichten." Russland brauche mit Blick auf die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi und andere Großereignisse einen "maximalen Schutz vor Anschlägen", sagte Medwedew nach Angaben der Agentur Interfax bei einer Sitzung mit Vertretern des Inlandsgeheimdienstes FSB. Erneut rügte der Kremlchef laxe Sicherheitsvorkehrungen auf dem Airport. Dort habe praktisch "Anarchie" geherrscht. Jeder habe dort kommen und gehen können, ohne kontrolliert zu werden.

Medwedew: FSB muss personelle Konsequenzen ziehen

Medwedew sprach von klaren Signalen, dass der FSB seine Arbeit besser machen müsse als bisher. "Wir brauchen ein schärferes Kontrollsystem. Also eine totale Kontrolle. Wahrscheinlich wird sie länger dauern für die Passagiere, aber das ist der einzige Ausweg." Zugleich forderte er eine harte Bestrafung der Verantwortlichen in der Regierung und in den Behörden, die für die Sicherheit im Personenverkehr verantwortlich seien. Auch der FSB müsse bei sich personelle Konsequenzen ziehen, verlangte der Präsident.

Video
Moskau nach dem Attentat: Putin schwört Rache

Der russische Ministerpräsident droht nach dem Selbstmordanschlag mit Konsequenzen. zum Video

Der bei dem Terroranschlag getötete Deutsche stammt aus Köln. Der 34-Jährige war Mitarbeiter für den Heiz- und Klimatechnikspezialisten Vaillant und als Fachmann für Logistik nach Russland geflogen, um dort ein Projekt einer russischen Tochterfirma zu betreuen, teilte ein Sprecher des Unternehmens in Remscheid mit. Der Mann war gerade erst in Moskau angekommen, als sich der Anschlag ereignete. Den Angaben zufolge arbeitete er seit Anfang 2005 für Vaillant und war, wie es hieß, ledig.

Nach russischen Medienberichten befindet sich unter den rund 180 Verletzten auch eine deutsche Frau, die im Krankenhaus behandelt wird. Unter den Toten sind laut Zivilschutz acht Ausländer, darunter zwei Briten und ein Bulgare. Offiziellen Angaben aus Wien zufolge starb auch ein Österreicher.

Die Identifizierung der Leichen gestaltet sich schwierig. Viele Menschen seien von der Druckwelle der Bombe und durch umherfliegende Metallteile des Sprengsatzes zerrissen worden, sagten Ärzte. Zahlreiche Verletzte schweben weiter in Lebensgefahr. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Selbstmordattentäter, der seine Bombe in der Ankunftshalle zündete, ein Mann war. Medienberichte über eine weibliche Attentäterin bestätigten sie nicht.

Attentäter soll über DNA identifiziert werden

Bislang hat sich niemand zu dem Anschlag bekannt, der Verdacht fiel aber auf tschetschenische Extremisten. Medienberichten zufolge hatte der FSB bereits seit einigen Tagen Hinweise auf einen bevorstehenden Terrorakt in Moskau. Die Ermittler wollen den Täter nun über eine DNA-Analyse identifizieren. Der Mann sei bei der Sprengung der mit Nägeln und Schrauben gespickten Bombe derart zerrissen worden, dass nicht einmal das Gesicht richtig zu erkennen sei.

Video
Anschlag in Moskau: Bilder der Explosion

Eine Überwachungskamera des Flughafens hat den verheerenden Moment des Attentats aufgezeichnet. zum Video

Fahnder hatten den Kopf und die Hände des Attentäters auf dem Flughafen sichergestellt und danach erklärt, es handele sich um einen Mann mit kaukasischem oder arabischem Aussehen im Alter zwischen 30 und 35 Jahren. Sie stützten sich bei diesen Angaben auch auf Videoaufzeichnungen von der Explosion. Gesucht wird außerdem nach drei mutmaßlichen Helfern, die nach dem Attentat geflohen sein sollen.

Flugbetrieb normalisiert sich

In Domodedowo läuft der Flugbetrieb inzwischen wieder weitgehend normal. Passanten legten Nelken nieder, der Anschlagsort selbst ist weiterhin abgeriegelt. Einheiten der Sonderpolizei OMON laufen verstärkt Streife. Strenger als sonst müssen ankommende Reisende nun beim Betreten des Flughafengebäudes ihre Taschen zur Kontrolle auf Laufbänder legen und durchleuchten lassen.

Die Stimmung in der Zehn-Millionen-Stadt ist aber insgesamt ruhig. Auch in der Metro, die im vergangenen Frühjahr Ziel eines schweren Anschlags war, gab es keine schärferen Sicherheitsvorkehrungen als an anderen Tagen. Kurz nach dem Blutbad hatte Medwedew auf Bahnhöfen und Flughäfen sowie an weiteren Verkehrsknotenpunkten eine erhöhte Sicherheitsstufe angeordnet.

In der Krisenregion im Nordkaukasus, wo auch das frühere Kriegsgebiet Tschetschenien liegt, kämpfen Islamisten um Unabhängigkeit von Moskau. Sie hatten immer wieder gedroht, den Terror ins russische Kernland zu tragen. Zuletzt kamen bei einem Doppelanschlag auf die Moskauer Metro Ende März vorigen Jahres 40 Menschen ums Leben.


Quelle: dpa , dapd , AFP

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