29.07.2010, 14:59 Uhr
Demonstranten fordern nach der Loveparade-Katastrophe den Rücktritt von Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (Foto: ddp) (Quelle: ddp)
Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hat dem Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) indirekt den Rücktritt nahegelegt. "Der Duisburger Oberbürgermeister und die Verantwortlichen in der Stadtspitze werden sich letztendlich der politischen Verantwortung stellen müssen", sagte Kraft der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post". Bei einer spontanen Demonstration vor dem Duisburger Rathaus wurde der sofortige Rücktritt des Politikers gefordert.
Kraft äußerte den Eindruck, dass Sauerland glaube, er würde Schuld eingestehen, wenn er die politische Verantwortung übernähme. "Diesen Zusammenhang gibt es aber nicht", sagte die Landeschefin.
Sauerlands Fehlen bei der Trauerfeier halte sie dagegen für nachvollziehbar, sagte Kraft. Der Oberbürgermeister und seine Familie seien bedroht worden. "Wir sollten in Ruhe und Würde die Trauerfeier für die jungen Menschen begehen", sagte Kraft. Zugleich präzisierte die NRW-Ministerpräsidentin ihr künftiges Vorgehen bei Veranstaltungen dieser Größenordnung. "Wir werden den Städten intensive Beratung und Unterstützung in Sicherheitsfragen geben müssen, die wenig Erfahrungen mit sehr großen Veranstaltungen haben." Um bundeseinheitliche Regeln zu gewährleisten, werde die Landesregierung ein neues Sicherheitskonzept in die Innenministerkonferenz einbringen.
Derweil forderten rund 250 Menschen vor dem Duisburger Rathaus den Rücktritt von Sauerland. Die Demonstranten fragten auf Plakaten nach den Schuldigen für die Massenpanik und verlangten zugleich eine lückenlose Aufklärung des Geschehens. Nach Angaben der Polizei gab es bei den Protesten keine Zwischenfälle. "Es ist alles friedlich verlaufen", sagte ein Polizeisprecher.
Eine direkte Mitschuld an dem Unglück wies Sauerland derweil erneut von sich: Er selbst habe die Loveparade nicht genehmigt, sagte Sauerland der "Bild"-Zeitung. "Ich persönlich habe nichts unterschrieben, keine einzige Genehmigung." Das sei gar nicht der Job des Oberbürgermeisters, so Sauerland. Die Abschlussgenehmigung sei von einem der besten Kollegen abgezeichnet worden. Einen sofortigen Rücktritt lehnte er erneut ab. "Ich habe mein Leben - 21 andere Menschen haben es verloren. Ich will erst wissen, warum. Dann entscheide ich über persönliche Konsequenzen." Er klebe nicht an seinem Stuhl, sondern wolle helfen, die Katastrophe aufzuklären.
"Persönliche Verantwortung kann es nur geben, wenn es ungerechtfertigte Eingriffe in den Prozess gegeben hätte. Diese gab es aber nicht." Die Verwaltung habe dem Sicherheits- und Veranstaltungskonzept zugestimmt. "Jetzt gilt es zu klären, ob die Verwaltung Fehler gemacht hat, oder ob sie falsch informiert wurde."
Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) zeigte sich am Mittwochabend in der ARD überzeugt, dass die Ermittlungen in Strafverfahren münden würden. "Da wird natürlich der Staatsanwalt auch die Rolle der Stadt Duisburg da zu prüfen haben." Die Verantwortung für die inzwischen 21 Todesopfer der Massenpanik am vergangenen Samstag sieht Jäger indes bei Loveparade-Chef Rainer Schaller. Der gab sich am Abend zurückhaltend. Jägers Vorwürfe gegen ihn müssten nun sehr genau geprüft werden, teilte Schaller mit.
Zudem zeigte sich Jäger Sender n-tv überzeugt, "dass der Oberbürgermeister gut beraten wäre, sehr schnell für sich die Antwort auf die Frage zu finden, welche moralische Verantwortung er trägt, und daraus zu handeln".
Jäger betonte: "Ausschließlich der Veranstalter ist für die Sicherheit der Menschen in dem Veranstaltungsraum zuständig - niemand anderes." Aufgabe der Polizei sei gewesen, außerhalb des Veranstaltungsgeländes am früheren Güterbahnhof für Sicherheit zu sorgen. Die Polizei habe verhindert, dass es nicht noch mehr Tote und Verletzte gab.
Bei den gegenseitigen Schuldzuweisungen legte auch der Duisburger Baudezernent Jürgen Dressler nach. Ähnlich wie zuvor bereits Schaller machte er die Polizei für das Desaster verantwortlich. "Der Tunnelbereich gehörte zum öffentlichen Raum außerhalb des Veranstaltungsgeländes. Für die Sicherheit im öffentlichen Raum ist die Polizei zuständig", sagte Dressler der "Rheinischen Post". Dresslers Behörde war für die Genehmigung der Loveparade in Duisburg zuständig.
An diesem Samstag - eine Woche nach der Katastrophe - sollen die Fahnen in Deutschland auf halbmast wehen. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) ordnete zur Gedenkfeier Trauerbeflaggung an. Der ökumenische Gottesdienst findet um 11 Uhr in der Duisburger Salvatorkirche statt. Die Gedenkfeier soll aus der Innenstadt-Kirche auf Großleinwände in das Duisburger Fußballstadion und auf den Vorplatz der MSV-Arena übertragen werden.
Zu den Trauerfeierlichkeiten in der Ruhrgebietsstadt werden nach vorsichtigen Schätzungen mindestens 10.000 Teilnehmer erwartet. Es könnten jedoch auch deutlich mehr Trauergäste kommen, sagte der Polizeisprecher. "Die Zahl ist derzeit nur sehr schwer abzuschätzen." An der Trauerfeier in der Kirche wollen auch Bundespräsident Christian Wulff und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) teilnehmen.
Bereits am Mittwochabend gedachten Fußballfans der Opfer. "Wir sind tief traurig, unsere Gedanken sind bei den Angehörigen der Toten, denen wir unser Beileid und Mitgefühl aussprechen", sagte der Kapitän des MSV Duisburg, Ivica Grlic, vor einem Testspiel gegen den VfL Bochum.
Quelle: AFP , t-online.de , dapd , dpa
pod schrieb:
am 29. Juli 2010 um 10:41:13
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@Duisburg
Das war mit abstand der schlechteste Kommentar aller Zeit, grundlegend ist es doch so: Die Menschen die auf diese Veranstaltung
gehen verlassen sich auf die Sicherheit bei Veranstaltungen. Die armen Menschen die in dieser Menschenmenge standen hatten nicht den Hauch einer Chance den extremen Andrang zu überleben sonst hätten sie es ja.
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Meiderich schrieb:
am 29. Juli 2010 um 10:40:50
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McTot & Co
Der Staatsanwalt muß gegen Sauerland & Co mindestens wegen Totschlag ermitteln, wenn nicht sogar wegen Mord, denn was da ablief
kann schon mit Vorsatz begründet werden. Ein Rücktritt entbindet S. nicht von der Buße.
Aber bevor er weiteren Schaden wegen Unfähigkeit anrichtet, sollte er mindestens sein Amt aufgeben. Und das der Veranstalter noch nicht in U-Haft sitzt wundert mich auch, denn jeder kleine Gauner kommt dahin und hier geht es sogar um Mord.in 21 Fällen.
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Michael schrieb:
am 29. Juli 2010 um 10:40:42
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primitives Verhalten
bei einem Event dieser Größe ist der OB immer eingebunden. Jetzt so tun als ob er nichts gewusst habe ist typisch für
Politiker und eine Schande und eine Verhöhnung der Opfer. Aber was auch immer kommt, solche schmierigen Typen fallen immer weich und wenn es in das Pensionsbett ist.
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