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Nach der Afghanistan-Konferenz: Gescheitert am Hindukusch

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Gescheitert am Hindukusch

09.12.2011, 12:48 Uhr | Ein Kommentar von Christian Böhme, The European

Präsident Hamid Karzai: Ab 2015 ist Afghanistan auf sich allein gestellt (Quelle: dapd)

Präsident Hamid Karzai: Ab 2015 ist Afghanistan auf sich allein gestellt (Quelle: dapd)

Es ist höchste Zeit, Karl Theodor zu Guttenberg endlich zu danken. Nicht, weil er sich unstandesgemäß die Freiheit zum Abschreiben genommen hat. Sondern dafür, dass er vor einiger Zeit tatsächlich einmal die Wahrheit gesagt hat. Man könne, so räumte KT als Verteidigungsminister vor anderthalb Jahren überraschend freimütig ein, „umgangssprachlich“ von einem Krieg in Afghanistan reden. Bis dahin hatte die deutsche Politik einen großen Formulierungsbogen um diese offenkundige Tatsache gemacht. Mal befanden sich die Bundeswehrsoldaten in einem „bewaffneten Konflikt“, mal hatten sie mit „kriegsähnlichen Zuständen“ zu kämpfen.

So viel Aufrichtigkeit tut auch dieser Tage dringend not. Und die mit einer Menge Tamtam angekündigte Afghanistan-Konferenz auf dem Bonner Petersberg wäre das richtige Forum gewesen, offenherzig auszusprechen, was Sache ist: Der Krieg am Hindukusch, er ist verloren. Der Westen hat kläglich versagt, konnte seinen eigenen Ansprüchen und Wertmaßstäben allenfalls in Ansätzen gerecht werden.

Wie konnte es zu diesem Desaster kommen?

Nur: Keinen schert’s. Vielmehr sind alle Beteiligten heilfroh, dass dieser Einsatz zu schlechter Letzt sein Ende findet. Da wird sogar ein Debakel freudig begrüßt. Hurra, wir kapitulieren. Überlasst Afghanistan doch ruhig seinem islamistischen Schicksal. Das bisschen Freiheit für Frauen und Kinder – was soll’s? Die Welt ist nun mal schlecht. Wir können daran auch wenig ändern. Ab nach Hause, und zwar dalli.

Der Unmut ist allzu verständlich. 58 deutsche Soldaten sind gefallen, viele wurden schwer verwundet, noch mehr traumatisiert. Was haben uns die Fremden außer Tod und Trauer gebracht?, könnte ein Teil der afghanischen Bevölkerung zu Recht fragen. Die Taliban haben in weiten Teilen des Landes längst wieder das Sagen. Zehn lange Jahre für nichts und wieder nichts.

Das mag alles stimmen. Dennoch muss man sich selbstkritisch fragen, wie es zu einem solchen Desaster kommen konnte. War der Einsatz von Anfang an zum Scheitern verurteilt? Nein. Wäre es besser gewesen, den Steinzeit-Islamisten Afghanistan einfach zu überlassen? Wohl kaum. Wurde die Bündnistreue gegenüber den USA überbewertet? Womöglich. Haben die Verantwortlichen es versäumt, ihrem Wahlvolk den Einsatz plausibel zu machen? Auf jeden Fall.

Jetzt wird das Scheckbuch ausgepackt

Im Grunde ist der Krieg nicht irgendwo zwischen Kundus, Kabul und Kandahar verloren worden, sondern in Berlin, Rom und Madrid. Dem militärischen Eingreifen fehlte von Anfang der breite gesellschaftliche Konsens. Bis heute ist der Konflikt nicht ins Bewusstsein der Menschen eingedrungen. Er blieb so fremd wie das Land, in dem der Kampf tobte. Kein Mensch hat das Wozu und Warum so recht begriffen. Und niemand fragte danach. Bloß nichts zur Kenntnis nehmen, bloß nichts erklären. In ein paar Monaten, so der gern gepflegte Irrglaube, werde ja sowieso alles wieder vorbei sein. Die Gerhard Schröders und Angela Merkels, die Peter Strucks und Franz Josef Jungs haben versäumt, den Krieg zu erklären, die Schutz-Mission „zu ihrer Sache“ zu machen. Doch ohne gesellschaftlichen Unterbau ist kein Krieg zu gewinnen. Schon gar nicht, wenn er in weiter Ferne geführt wird.

Jetzt wird das Scheckbuch ausgepackt. Zehn Milliarden Dollar würden in den ersten Jahren für den Aufbau einer Armee und einer Polizei benötigt, ließen die Gefolgsleute von Präsident Karzai während der Bonner Konferenz den Westen wissen. Die Devise lautet also „zahlen und hoffen“: Hoffen, dass die Afghanen irgendwie allein über die Runden kommen. Hoffen, dass der internationale Terrorismus nicht erneut am Hindukusch ein Refugium findet. Hoffen, dass Frauen- und Menschenrechte geachtet werden. Schade allerdings, dass all diese hehren Hoffnungen so gar nichts mit der Realität zu tun haben. Wenn das ein Verantwortlicher ehrlich eingestehen würde, man müsste ihm für die wahren Worte dankbar sein.

Der Journalist arbeitete acht Jahre lang beim "Tagesspiegel". Dann bekam Christian Böhme das Angebot, Chefredakteur der "Jüdischen Allgemeinen Wochenzeitung" zu werden und nahm es an. Böhme half dem Blatt, das 2003 aus Geldknappheit nur vierzehntäglich erschien, aus der Krise und arbeitete dort bis Oktober 2011. Beim "Tagesspiegel" war er Chef vom Dienst und zwischenzeitlich auch Leiter des Ressorts Politik.


Ein Kommentar von Christian Böhme, The European  

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Kommentare (15)

zum Forum

Thema: "Nach der Afghanistan-Konferenz: Gescheitert am Hindukusch"

steward schrieb: am 9. Dezember 2011 um 20:41:10
(29) (2) Fürchterlich
Wenn unsere Politiker eigentlich den Krieg nicht wollten,stellt sich die Frage wer in unserem Land wirklich die Macht hat..Nun
gut,wir wissen es alle.Aber,daß mit Billigung unserer Politiker unsere Deutchen Jungs in einen sinnlosen Krieg geschickt wurden und mit Billigung sogar deren Tod in Kauf genommen wurde ,ist an Perversität nicht zu überbieten..Wollten wir nicht,daß nie mehr eine Mutter ihren Sohn beweint???
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Stefan schrieb: am 9. Dezember 2011 um 20:03:44
(27) (4) Ehrlichkeit
Afghanistan ist doch nur interessant wegen der Rohstoffe. Die Menschen interessieren doch niemanden. Man brauchte eine westlich
orientierte Führung. Das andere Problem ist, man kann die Taliban nicht wegbomben. Man kann auch nicht die wesltliche Einstellung in die Köpfe der Leute bomben.
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Hannoverianer schrieb: am 9. Dezember 2011 um 18:55:14
(32) (6) Niemand dachte die Ursachen des Terrors zu bekämpfen.
Statt dessen wurde der Terror bekämpft. Doch niemand wird als Terrorist geboren. Kein
Linker und auch kein Rechter. Kein Muslim und auch kein Christ. Terrorist wird man, wenn man die Ungerechtigkeit, die Unterdrückung, die Ausbeutung nicht mehr erträgt. Doch wer ist dafür verantwortlich ? Zuvörderst die USA u.ihre Raubtierkapitalisten und die selbsternannten "Super-Demokraten". Sie bestimmen, wie sich andere Völker zu verhalten haben. Sonst gbit es Krieg. Nun wird der Iran das nächste Op
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