12.11.2011, 08:58 Uhr | dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
Bogotá (dpa) - Der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos hat am Freitag (Ortszeit) die sofortige Rücknahme einer geplanten Hochschulreform angeordnet. Zehntausende Studenten hatten am Vortag erneut in mehreren Städten an Demonstrationen gegen das Projekt teilgenommen.
"Wir laden die Studenten ein, sich ab nächster Woche mit uns zusammenzusetzen, um eine Hochschulreform auszuarbeiten, die alle zufriedenstellt", erklärte Santos. Der Präsident hatte noch am Mittwoch als Voraussetzung für den Dialog das Ende des Streiks gefordert. Die Studentenführer reagierten positiv auf das Angebot, erklärten aber, das Streikende könne aber nur vom landesweiten Streikausschuss beschlossen werden, der erst am Samstag zusammenkomme. Daraufhin entschied Santos, dem Beschluss zuvorzukommen, indem er am Freitag die Gesetzesvorlage der Hochschulreform vom Parlament zurückzog.
"Dieser Wandel im Verhältnis zu den Studenten ist zu begrüßen. Selten hat man erlebt, dass eine Regierung die Courage hat, eine Reform zurückzunehmen", begrüßte der Präsident des Hochschulverbands, José Fernando Isaza, die neue Haltung der Regierung.
Die größte Kundgebung fand in der Hauptstadt Bogotá statt, wo rund 30 000 Demonstranten trotz strömenden Regens vor dem Parlament auf dem Bolívar-Platz zusammenkamen. Die Proteste seien weitgehend friedlich verlaufen, sagte Bogotás Bürgermeisterin Clara López. Zu Zusammenstößen mit der Polizei kam es in den Städten Medellín und Popayán.
Rund 550 000 Studenten der etwa 30 staatlichen Universitäten Kolumbiens boykottieren seit einem Monat den Unterricht, um gegen Pläne der Regierung zu protestieren, verstärkt private Geldgeber an der Finanzierung der Hochschulen zu beteiligen. Die Studenten sehen die Autonomie der Universitäten in Gefahr und sprechen von einer schleichenden Privatisierung.
Auch in Chile gibt es seit Monaten Studentenproteste. Dort fordern die Hochschüler eine stärkere staatliche Finanzierung des Erziehungswesens. Chiles konservativer Präsident Sebastián Piñera hat sich bislang nur bedingt zu Zugeständnissen bereiterklärt.
Quelle: dpa
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