19.09.2010, 08:26 Uhr
Mithilfe einer TV-Fahndung hat das BKA einen Kinderschänder aus Nordrhein-Westfalen gefasst (Foto: BKA)
Er war für wenige Tage der wohl am meisten gesuchte Verbrecher Deutschlands: Nach einer bundesweiten Fahndung und einem Aufruf in den Medien hat die Polizei am Freitag einen mutmaßlichen Kinderschänder festgenommen. Zuvor hatten die Ermittler fast fünf Millionen Zuschauer der ZDF-Sendung "Aktenzeichen... XY ungelöst" und Internetnutzer um Hilfe gebeten und Bilder des Mannes veröffentlicht.
Wie das Bundeskriminalamt und die hessische Generalstaatsanwaltschaft mitteilten, handelt es sich bei dem Verdächtigen um einen 27 Jahre alten Mann aus Bad Oeynhausen in Nordrhein-Westfalen. "Es kam dank der Mithilfe der Bevölkerung letztlich sehr schnell zu der Festnahme", sagte der Leitende Oberstaatsanwalt der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt, Günter Wittig. "Es waren Personen, die ihn kannten."
Der 27-Jährige habe bei seiner Festnahme am Freitag in seiner Wohnung keinen Widerstand geleistet, sagte Wittig. Bisher habe er keine Angaben zu den Vorwürfen gemacht. Der Verdächtige soll nun dem Haftrichter vorgeführt werden.
Dem Mann wird schwerer sexueller Missbrauch von Kindern und Verbreitung von Kinderpornografie vorgeworfen. Er soll im Mai 2007 in mindestens drei Fällen zwei Mädchen im Alter von sieben bis neun Jahren missbraucht haben. Die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität hatte 47 Aufnahmen im Internet gefunden, die den Täter bei sexuellen Handlungen mit den Mädchen zeigten.
Im polizeilichen Fahndungsaufruf der Fernsehsendung war die Rede von "erschütternden Bildern". Auf ihnen waren auch der Tatort und der Mann deutlich zu erkennen. Die Bilder zeigten ein "dickes Gesicht mit Knollennase und vollen Lippen". Nach dieser Veröffentlichung gingen rund 50 Hinweise aus der Bevölkerung ein. Ob darunter die entscheidende Spur war oder ob sich der Mann aufgrund des massiven Öffentlichkeitsdrucks nur drei Tage später selbst stellte, wollten die Ermittler zunächst nicht bekanntgeben.
Die Ermittlungen liefen noch, sagte eine BKA-Sprecherin. Noch im Laufe des Freitags hatte die Generalstaatsanwaltschaft mitgeteilt, dass keine heiße Spur unter den Hinweisen gewesen sei.
Bereits im August 2009 hatte die Polizei mit der Veröffentlichung von Videoausschnitten, Fotos und Stimmproben aus Kinderpornos im Fernsehen und Internet einen mutmaßlichen Täter so sehr unter Druck gesetzt, dass sich dieser stellte. Der Übungsleiter in einem Sportverein aus Mayen in der Eifel soll mehrere Jungen im Alter von fünf bis sieben Jahren missbraucht und Videos ins Internet gestellt haben.
Quelle: dpa
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