Oppositionspolitiker Mussawi spricht zu seinen Anhängern (Foto: AP)
Der iranische Oppositionspolitiker Mir Hussein Mussawi hat seine Anhänger aufgefordert, nicht genehmigten Demonstrationen gegen den Ausgang der Präsidentschaftswahl fernzubleiben. "Die Demonstration der gemäßigten Kräfte findet nicht statt", sagte ein Sprecher Mussawis. Seine Anhänger sollten nicht Opfer "geplanter Konfrontationen" werden.
Zu einer Gegendemonstration hatten sich bereits rund 2000 Anhänger von Präsident Mahmud Ahmadinedschad versammelt. Sie skandierten mit Blick auf Revolutionsführer Ajatollah Ali Chamenei Parolen wie: "Wir folgen dem Führer".
Die iranische Regierung verhängte unterdessen über ausländische Medien ein Berichterstattungsverbot für die geplante Demonstration gegen Ahmadinedschad. In einem Rundschreiben an alle Büros ausländischer Medien forderte die zuständige Abteilung des Kulturministeriums dazu auf, alle Beiträge, die nicht direkt vom Ministerium autorisiert sind, "ernsthaft" zu vermeiden. Das Rundschreiben bezog sich speziell auf die Berichterstattung über Massenkundgebungen, die nicht ausdrücklich von den Behörden zugelassen sind.
Hunderttausende auf der Straße
Am Montag hatten mehrere hunderttausend Anhänger Mussawis einem Demonstrationsverbot getrotzt und waren in Teheran auf die Straße gegangen. Sie protestierten gegen die Wiederwahl des Amtsinhabers und warfen der Regierung Wahlfälschung vor. Auch Mussawi hatte an der Kundgebung teilgenommen und Neuwahlen gefordert. Der islamische Wächterrat erklärte sich am Dienstag bereit, angefochtene Wahlergebnisse neu auszuzählen.
Die staatlichen iranischen Medien bestätigten erstmals, dass bei der Großdemonstration Menschen ums Leben kamen. Im Rundfunk war die Rede von sieben Toten. Die Opposition sprach jedoch von wesentlich mehr Opfern. Das Teheraner ARD-Studio berichtete unter Berufung auf Oppositionskreise sogar von 15 Toten. Die iranischen Behörden baten nach Angaben informierter Kreise inzwischen die Angehörigen von fünf Todesopfern in die Gerichtsmedizin, um die Leichen zu identifizieren.
Exiliraner befürchten mehr Opfer
Nach Berichten des iranischen Rundfunks sind die sieben Opfer bei einem Schusswechsel am Montagabend umgekommen. Zuvor hätten mehrere Menschen versucht, "eine militärische Einrichtung anzugreifen". Der iranische Exilpolitiker Mehran Barati-Novbari sprach im rbb-inforadio indes von deutlich höheren Zahlen von Toten und Verletzten, als von der Teheraner Regierung angegeben. Man könne die Namen von 22 Toten sowie von 136 Verletzten nennen, sagte er.
Während der Iran von den heftigsten Oppositionsprotesten seit Jahren erschüttert wird, philosophierte Staatschef Ahmadinedschad im fernen Russland über das Ende der Großmächte: Breit grinsend verkündete Ahmadinedschad in Jekaterinburg: "Die kapitalistische Ordnung zieht sich zurück." Es sei "vollkommen klar, dass die Ära der Weltmächte vorbei ist und nie wiederkommen wird".
Kein Wort über die Massenproteste
Besonders seinen Lieblingsfeind USA nahm der mit einem schwarzen Anzug bekleidete iranische Staatschef aufs Korn: Die USA seien "überwältigt von einer politischen und wirtschaftlichen Krise", rief Ahmadinedschad. Die Proteste Hunderttausender auf den Straßen der iranischen Hauptstadt Teheran gegen seinen Wahlsieg erwähnte er dagegen mit keinem Wort.