24.06.2011, 17:09 Uhr
Muslime beten in dem Gebetraum eines islamischen Zentrums in Hannover. Kleine Vereine gelten als der Schlüssel im Kampf gegen die Radikalisierung von Muslimen (Foto: dpa) (Quelle: dpa)
Ziemlich unterschiedliche Schwerpunkte haben zwei der wichtigsten Teilnehmer zum Auftakt des sogenannten Präventionsgipfels in Berlin gesetzt, bei dem die Radikalisierung junger Muslime in Deutschland im Fokus steht. Während Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) vor deutschen Konvertiten und radikalen jungen Muslimen warnt, deren Familien bereits in der zweiten oder gar dritten Generation in Deutschland leben, lehnt der Zentralrat der Muslime (ZMD) eine Verallgemeinerung und Vorverurteilung ab und fordert mehr Geld für die politische Bildung von Muslimen.
Junge Muslime müssten dafür sensibilisiert werden, dass der Islam für die Durchsetzung politischer Ideologien missbraucht werden könne, sagte der ZMD-Vorsitzende Aiman Mazyek dem Bayerischen Rundfunk. Zudem sprach er sich für die Förderung von Sektenbeauftragten und Aussteigerprogrammen aus. Schon ein Bruchteil des Geldes, das im Kampf gegen den internationalen Terrorismus eingesetzt worden sei, reiche dafür aus.
Bundesinnenminister Friedrich hat unterdessen vor der Gefahr einer Radikalisierung junger, deutscher Muslime gewarnt. Zielgruppe des Terrornetzwerks Al-Kaida seien hierzulande "insbesondere deutsche Konvertiten" sowie junge Moslems, die in Deutschland in der zweiten oder dritten Migrantengeneration aufgewachsen seien, sagte er am Freitag im ARD-"Morgenmagazin". Auf diese Gruppen gelte es besonders zu achten.
Dabei sei die Zusammenarbeit mit muslimischen Verbänden sehr wichtig. "Das sind kleine Gruppen, die aber vielleicht in der ein oder anderen Hinsicht innerhalb der Vereine auffallen können", sagte er. Hierfür müssten die Vereine und Moscheen sensibilisiert werden und mit den Sicherheitsbehörden zusammen arbeiten. Auf kommunaler Ebene funktioniere dies vielerorts schon sehr gut, lobte er.
Der Zentralrat der Muslime hat derweil vor einer Vorverurteilung von Muslimen gewarnt. "Es wäre fatal, wenn die mehr als vier Millionen Muslime in Deutschland unter Generalverdacht gestellt würden", sagte ZMD-Chef Mazyek der "Schwäbischen Zeitung". "Bei denen, die sich radikalisieren, handelt es sich um eine verschwindend kleine Minderheit", versicherte Mazyek. Von den Moscheegemeinden und den muslimischen Religionsgemeinschaften gehe keine Gefahr aus. "Extremistische Tendenzen zu erkennen und zu benennen, ist die Pflicht aller in Deutschland, auch der Muslime."
CSU-Politiker Friedrich trifft sich am heutigen Freitag in Berlin mit Sicherheitsexperten und Repräsentanten großer muslimischer Verbände zu einem Präventionsgipfel. Dort über Strategien gegen islamistische Gewalt beraten werden. Die Innenminister der Bundesländer hatten bei einer Konferenz Anfang der Woche beschlossen, künftig besonderes Augenmerk auf die Gruppe der radikal-islamistischen Salafisten zu legen. Dazu sagte ZMD-Vorsitzender Mazyek: "Wir sollten nicht den Fehler machen, sie aufzuwerten, indem wir den Salafisten zu viel Aufmerksamkeit in der Debatte schenken."
Der Bundesinnenminister will im Kampf gegen Radikalisierungstendenzen auch über das Thema Internet sprechen. Im Netz würde zunehmend islamistische Propaganda verbreitet, Netzwerke aufgebaut und Gewalttaten geplant, hieß es. Als konkretes Beispiel gilt das Attentat vom 2. März am Flughafen Frankfurt, bei dem zwei US-Soldaten getötet wurden. Dies war der erste vollendete islamistisch motivierte Anschlag in Deutschland.
Quelle: dpa , AFP , dapd
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