02.05.2011, 08:32 Uhr
Simbabwes Diktator Mugabe ist in den Vatikan gereist, um der Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. beizuwohnen (Foto: dpa) (Quelle: dpa)
Trotz eines Einreiseverbots der EU ist der simbabwische Präsident Robert Mugabe nach Rom gereist. Der umstrittene Regierungschef war auf dem Weg in den Vatikan, wo er am Sonntag der Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. beiwohnen will. Das EU-Einreiseverbot gilt nicht für den Vatikan.
Mugabes Regierung werden zahlreiche Menschenrechtsverstöße vorgeworfen. Zeitgleich mit Mugabe landete eine Delegation um Grünen-Chefin Claudia Roth auf dem Flughafen in der Nähe von Rom. Die Gruppe war auf dem Weg in ein Flüchtlingslager auf Sizilien.
Die grüne EU-Parlamentarierin und ehemalige Generalsekretärin der deutschen Sektion von Amnesty International, Barbara Lochbihler, kritisierte die Einreise von Mugabe scharf. Mugabe sei die größte Gefahr für seine eigene Bevölkerung, weil er seine Bevölkerung dem Hunger aussetze und Kritiker verfolge. "Wer so jemanden hoffähig macht, verliert seine Glaubwürdigkeit", sagte Lochbihler.
Zur Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. sind hunderttausende Pilger nach Rom geströmt. Zu der Messe am Sonntag im Vatikan, bei der Papst Benedikt XVI. seinen Vorgänger selig sprechen wird, wurden 500.000 Gläubige erwartet. Da allerdings nur 80.000 von ihnen auf dem Petersplatz und rund 100.000 weitere an der zum Vatikan führenden Via della Conciliazione einen Platz finden können, wurden in der italienischen Hauptstadt zahlreiche Großleinwände aufgebaut. Zur Seligsprechung wurden zudem 87 ausländische Delegationen erwartet, darunter mehr als 20 Staats- und Regierungschefs sowie Vertreter von fünf Königshäusern.
Überall in Rom waren Bilder von Papst Johannes Paul II. zu sehen. Straßenzüge, Fassaden, Busse und öffentliche Gebäude in der italienischen Hauptstadt waren mit Portraits des vor sechs Jahren verstorbenen Polen geschmückt. Die Verkehrsbetriebe druckten aus Anlass der bevorstehenden Seligsprechung 500.000 Fahrscheine mit dem Bild des betenden Karol Wojtyla, wie der Papst mit bürgerlichem Namen hieß. In Souvenirläden lagen Mützen und T-Shirts mit der Aufschrift "I love JPII" aus.
Bei einer Nachtwache zu Ehren von Johannes Paul II. sollte am Samstagabend im Zentrum Roms auch die Nonne Marie Simon-Pierre sprechen, deren Heilung von Parkinson dem verstorbenen Papst als Wunder zuerkannt wurde und seine Seligsprechung möglich machte. Es war das kürzeste Seligsprechungsverfahren der Neuzeit. Dieses kann eigentlich erst fünf Jahre nach dem Tod des Betroffenen beginnen. Im Fall von Johannes Paul II., der die katholische Kirche mehr als ein Vierteljahrhundert geprägt hatte, machte dessen Nachfolger Benedikt XVI. aber eine Ausnahme und eröffnete das Verfahren bereits drei Monate nach dessen Tod im April 2005.
Die Seligsprechung ist eine Voraussetzung für eine mögliche spätere Heiligsprechung. Während die Einstufung als Seliger widerrufbar ist, gilt die als Heiliger ewig. Der Selige darf außerdem nur in einer begrenzten Region - etwa einer Ortskirche oder einem Land - verehrt werden. Der Heilige dagegen darf auf der ganzen Welt verehrt werden, es dürfen auch Kirchen nach ihm benannt werden. Damit ein Seliger zum Heiligen ernannt werden kann, muss noch ein zweites Wunder vorliegen, das sich erst nach der Seligsprechung zugetragen hat. Über die Heiligsprechung entscheidet allein der Papst.
Quelle: AFP , dapd
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