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Münteferings Vorschlag stößt auf Widerwillen

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Münteferings Vorschlag stößt auf Widerwillen

30.01.2006, 07:45 Uhr

Arbeitsminister Franz Müntefering ist mit seinem Vorschlag, das Renteneintrittsalter von 65 auf 67 Jahre schon früher zu erhöhen, auf harsche Kritik gestoßen. Vor allem Seniorenverbände und Sozialpolitiker sprachen sich gegen eine schnellere Anhebung aus. Der Sozialverband VdK bezeichnete den Plan "als ein reines Abkassiermodell bei den älteren Arbeitnehmern". Der Vorsitzende der Senioren-Union in der CDU, Otto Wulff, sagte: "Das bringt keinen einzigen Cent in die Rentenkasse."#

"Wir müssen jetzt Entscheidungen treffen"
Müntefering selbst verteidigte am Sonntagabend im ZDF seinen Plan: "Wenn man will, dass die Rentenversicherungsbeiträge nicht weiter steigen, dann müssen wir jetzt Entscheidungen treffen." Kritik wies er zurück: Wer wolle, dass die künftigen Generationen eine ehrliche Rente bekommen, der müsse jetzt handeln, sagte Müntefering. "Und wenn wir im Jahre 2012 beginnen, dann ist das vernünftig für die Stabilität der Rente."

"Franz Müntefering verunsichert die Menschen"
VdK-Präsident Walter Hirrlinger sagte dagegen der "Freien Presse", solange die Hälfte der Betriebe keine Arbeitnehmer mehr über 50 beschäftige, dürfe das Rentenalter nicht auf 67 Jahre angehoben werden. Den "Ruhr Nachrichten" sagte er: "Mit solchen Ankündigungen verunsichert Franz Müntefering die Menschen."

Lauterbach hat Zweifel
Auch aus den eigenen Reihen stößt Münteferings Vorschlag auf Kritik: Der SPD-Sozialexperte Karl Lauterbach zeigte sich ebenfalls skeptisch. "Zum jetzigen Zeitpunkt übersteigt die Lebenserwartung der Einkommensschwachen die Grenze von 67 Jahren nur um wenige Jahre", sagte er dem Berliner "Tagesspiegel". Einkommensstarke Männer dagegen lebten im Durchschnitt zwölf Jahre länger.

"Faktische Rentenkürzungen"
Der Juso-Vorsitzende Björn Böhning kritisierte Münteferings Vorstoß als ungerecht. "Es handelt sich dabei um faktische Rentenkürzungen, die in die Zukunft verschoben werden, um heute mehrheitsfähig zu sein", sagte er der "Berliner Zeitung".

Auch Zustimmung für Müntefering
Unterstützung erhielt Müntefering dagegen vom sozialpolitischen Sprecher der SPD-Fraktion Klaus Brandner und von Sachsen-Anhalts CDU-Ministerpräsident Wolfgang Böhmer. Brandner sagte dem "Handelsblatt", parallel zur rascheren Erhöhung des Renteneintrittsalters müsse sich die Politik intensiv für die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer einsetzen. Böhmer sagte der "Mitteldeutschen Zeitung": "Ich würde es für denkbar halten, wenn die Arbeitsmarktsituation es zulässt."

Heute 36-Jährige träfe es zuerst
Laut Koalitionsvertrag von Union und SPD soll das Rentenalter von 67 Jahren ab 2012 in monatlichen Schritten bis spätestens 2035 eingeführt werden. Derzeit müssen die Bürger bis zum Alter von 65 Jahren arbeiten, um die volle Rentenzahlung zu bekommen. Sollte die Anhebung schon - wie von Müntefering vorgeschlagen - bis 2023 abgeschlossen sein, müssten Arbeitnehmer, die heute 48 Jahre alt sind, bereits bis 67 arbeiten. Von der Regelung im Koalitionsvertrag wären die heute 36-Jährigen die ersten Betroffenen gewesen.


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Quelle: dpa

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