
06.02.2012, 10:55 Uhr | Von Sebastian Fischer, Las Vegas
Der Vorwahltross der Republikaner erreicht Nevada, im Zockerparadies Las Vegas ringen die Kandidaten um Stimmen. Mitt Romney gilt bei der Wahl an diesem Samstag schon vorher als Sieger. Er kann sich auf die Hilfe seiner Glaubensbrüder verlassen.
Irgendwo ist auch für eine Stadt wie Las Vegas mal Schluss. Immer nach Osten hat die Straße geführt. Jetzt endet sie am roten Felsmassiv, davor ein weißer Tempel mit sechs Spitztürmen. Der Blick geht zurück auf "Sin City", auf das Spielerparadies, dessen Hotelfassaden da unten in der Sonne glitzern: Das MGM Grand, Treasure Island, der Trump Tower, das Mandalay Bay.
Dort tobt das Partyleben, hier oben herrscht Ruhe. Die Sonne brennt, der Wind weht kühl. In den achtziger Jahren haben sich die Mormonen diesen Platz gesichert, einen Tempel der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage errichtet. Und jetzt will einer der ihren Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika werden: Mitt Romney.
Weder die Mormonen von Nevada, wo an diesem Samstag die nächste republikanische Vorwahl stattfindet, noch Romney selbst wollen den Glauben des Kandidaten in den Vordergrund rücken. "Wir haben eine lange Tradition vollkommener politischer Neutralität", sagt Mark Severts, Sprecher der Mormonen im Süden Nevadas. Romney erklärt stets, er wolle ja nicht Präsident der Mormonen, sondern der USA werden: "Wer Präsident ist, braucht die Gebete aller Glaubensrichtungen."
In einem TV-Interview lässt sich der US-Republikaner zu einem Kommentar hinreißen, der ihn noch so manche Stimme kosten könnte. zum Video
Tatsächlich aber sind die Mormonen Romneys treueste Truppe. Sie machen in Nevada zwar nur knapp acht Prozent der Bevölkerung aus, gelten aber als motivierte Wahlgänger. Beim republikanischen Caucus 2008 waren im Wüstenstaat ein Viertel der Wähler mormonischen Glaubens. 94 Prozent davon stimmten für Romney, der schon damals antrat. Rund um den Mormonen-Tempel von Las Vegas leben auch jetzt ganz offensichtlich viele seiner Anhänger. In ihren Vorgärten haben sie Plakate mit Romneys Namenszug aufgestellt.
Nach jüngsten Umfragen wird Romney Nevada am Sonntagmorgen als Sieger verlassen: Rund 50 Prozent der Stimmen trauen die Meinungsforscher dem Mormonen zu, Kontrahent Newt Gingrich liegt mit 25 Prozent deutlich hinter ihm. Der Radikal-Liberale Ron Paul (15 Prozent) und der Erzkonservative Rick Santorum (acht Prozent ) folgen auf den Plätzen. Wie schon in Iowa werden die Stimmen für die Kandidaten auf örtlichen Parteiversammlungen vergeben, dem sogenannten Caucus. Insgesamt hat der Wüstenstaat 28 Delegiertenstimmen für den Parteitag der Republikaner zu vergeben, sie werden proportional berechnet. Heißt: Anders als vor wenigen Tagen in Florida gilt hier nicht das Winner-takes-all-Prinzip.
Im Gegensatz zu Romney haben Gingrich und Co. im Wahlkampf keine Berührungsängste mit ihrem Glauben. Ganz im Gegenteil. Die Kandidaten suchen die Nähe zu den christlichen Kirchen, inszenieren sich - obwohl katholisch (Gingrich, Santorum) - als Lieblinge der Evangelikalen und prahlen damit, dass sie politische Weisungen auch gern von ganz oben entgegennehmen. Für Romney, dessen Glaube von großen Teilen der republikanischen Basis als Sekte angesehen wird, ist das immer ein schwieriges Terrain.
Nur etwa 13 Millionen Menschen weltweit sind Mormonen, knapp die Hälfte davon lebt in den USA. Auch sie berufen sich auf Jesus und die Bibel, doch gibt es für die Mormonen noch den Propheten Joseph Smith, der den christlichen Glauben nach ihrer Überzeugung Anfang des 19. Jahrhunderts neu belebt hat - und zwar in Amerika. Bis Ende des Jahrhunderts praktizierten die Anhänger zudem die Vielehe. Polygamie ist der Knackpunkt. Obwohl längst verdammt, schwingt diese Tradition in jeder Kritik am Mormonentum latent mit.
Wie eine jüngst erschienene Romney-Biografie unter dem Titel "The Real Romney" zeigt, gehörte Romneys Familie von Beginn an zu Amerikas Mormonen-Elite. Wegen der rigiden Anti-Polygamie-Gesetze ab 1882 floh der dreifach parallel verheiratete Urgroßvater schließlich auf abenteuerlichen Wegen ins mexikanische Exil. Dort wurde auch Romneys Vater geboren.
Mitt Romney, so beschreiben es seine Biografen Michael Kranish und Scott Helman, tut sich schwer mit diesem Teil seiner Familiengeschichte. Über seinen Urgroßvater wisse der Politiker zwar zu berichten, dass dieser nach Mexiko gegangen sei, die Details zu dessen Vielehe aber würden ausgelassen. Romney hat sich stattdessen stets massiv abgegrenzt von dieser Praktik: "Ich muss gestehen, dass ich mir nichts Schrecklicheres vorstellen kann als Polygamie", stellte er einmal fest.
Dennoch geriet Romney im vergangenen Vorwahlkampf derart unter Druck, dass er sich in einer Grundsatzrede zu seinem Glauben äußerte. "Ich wünsche mir ein Amerika, in dem niemand aufgrund seiner Religion gewählt wird", erklärte er im Dezember 2007. Sollte er Präsident werden, würde er keiner Konfession dienen, "sondern nur dem Wohl der Bürger der USA". Gleichzeitig machte Romney klar: "Ich stehe zu meinem Glauben. Manche sagen, das wird mich die Kandidatur kosten. Wenn dem so ist - dann ist es halt so."
Im aktuellen Republikaner-Rennen kam das Thema nur einmal auf die Agenda. Im vergangenen Herbst beim "Gipfeltreffen der Wertewähler", einer alljährlichen Veranstaltung von Amerikas protestantischen Glaubenskriegern, dozierte der texanische Pastor Robert Jeffress, einer der evangelikalen Anführer, darüber, dass "Mormonentum kein christlicher Glaube" sei. Es handele sich vielmehr um eine "Sekte". Wie es seine Art ist, reagierte Romney darauf nur indirekt: Toleranz sei ein konservativer Wert, "vergiftete Sprache bringt uns nicht weiter".
Romney will sich partout nicht aus der Reserve locken lassen. Vor einigen Jahren, vor seinem ersten Anlauf auf die Präsidentschaftskandidatur, erwog er offenbar gemeinsam mit seinen Beratern, ob man nicht doch das Mormonen-Netzwerk nutzen solle. Aber schließlich berichtet der "Boston Globe" über die Gedankenspiele, der Kandidat ruderte zurück. "Romney konnte nicht auf die Kirche zurückgreifen, niemand will eine Mormonen-Präsidentenkampagne. Wir hätten keine Chance mehr bei den Evangelikalen", zitieren seine Biografen einen seiner Strategen von damals.
Dieser Taktik ist Romney bis heute treu geblieben. Und jetzt scheint ihm die Kandidatur sicher. Zumal auch seine Konkurrenten das Thema nicht einbringen. Selbst wenn Rivale Gingrich einfach nicht aufgeben und das Rennen bis in den Sommer hinein fortsetzen will. Der 68-Jährige, der die Unterstützung von fundamentalen Christen und Tea-Party-Ikonen wie Sarah Palin oder Herman Cain hat, verzichtet in Nevada auf religiöse Anspielungen, sucht dagegen Romney mit US-Präsident Barack Obama gleichzusetzen: "Es wird der Republikanischen Partei nicht gerecht, einen Obama light zu nominieren", ätzt Gingrich am Freitag gegen Romney.
Doch auch das wird ihm nicht helfen in Nevada.
Von Sebastian Fischer, Las Vegas
Guilelmus Infidelis schrieb:
am 5. Februar 2012 um 11:26:44
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Romney
Viele der auf dieser Seite stehenden Kommentare zum Thema Romney und Mormonismus basieren auf Unwissenheit und Angst. Die Mormonen
heute haben ungefähr dieselben Wertvorstellungen wie andere Menschen, leisten ihren Beitrag zur Gesellschaft und wollen niemandem ihre Religion aufzwingen. Es ist durchaus richtig, dass der Mormonismus eine seltsame Religion ist, doch sind nicht alle Religionen Humbug? Vorweg dazu: wie alle Verschwörungen im großen Stil gibt es auch keine Mormonenverschwörung.
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feder schrieb:
am 5. Februar 2012 um 11:09:50
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Mitt Romney mit der Macht der Mormonen
Armes Armerika, bei diesen ganzen Sektenmist, von Amish, Mormenonen, Siontologen, usw. kann nichts
gutes rauskommen. Romney ist der größte Rückschritt Amerikas. Lasst den Typen in der Wüste in Nevada, Tür zu und Schlüssel wegwerfen. Wenn die Bevölkerung von Amerika immer noch nicht begriffen hat, welcher Glücksgriff Obama ist, ist denen nicht mehr zu helfen. Wacht endlich auf und geht auf die Straße und zeigt den verlogenen, religiösen Fanatikern, dass man Romney nie brauchen wird!!
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Deutsche Bürgerin schrieb:
am 5. Februar 2012 um 10:57:34
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Mormonen
Die Religionen und das Geld beherrschen die Welt,hoffentlich sind die Amerikaner nicht soo blind und wählen diesen Mann, einen
Mann , der sich offen über die Armen keine Sorgen macht.Bei uns ist es doch auch nicht mehr viel anders.
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