vom Tue Feb 09 17:00:24 CET 2010 | aktualisiert am Tue Feb 09 20:29:20 CET 2010
Bei einem neuen Missbrauchskandal bei der Bundeswehr soll es sich um eine "Angelegenheit von offenbar größerer Dimension" handeln (Foto: imago) Bei der Bundeswehr gibt es einem Zeitungsbericht zufolge einen neuen Fall von Missbrauch Untergebener. Ein betroffener Soldat beschwerte sich beim Wehrbeauftragten Reinhold Robbe über entwürdigende Mutproben und Aufnahmerituale bei den Gebirgsjägern im bayerischen Mittenwald. Dort müssten Soldaten bis zum Erbrechen Alkohol trinken und rohe Schweineleber essen, um in einer internen Hierarchie aufsteigen zu können.
Robbe bestätigte gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" die Beschwerde. Nach seinen Erkenntnissen handele es sich um eine "Angelegenheit von offenbar größerer Dimension", der mit Nachdruck und Priorität nachgegangen werden müsse.
Die Beschwerde ging Ende Januar bei Robbe ein und stammt von einem ehemaligen Wehrpflichtigen. Demnach existiert bei den Gebirgsjägern des Bataillons 233 unter den Mannschaftsdienstgraden eine interne Hierarchie, genannt "der Hochzugkult". In diesem sei man zunächst drei Monate "Fux" und müsse für die "Cheflage" spülen und putzen. Aufsteigen könne man nur, wenn man verschiedene Aufnahmerituale bestehe.
So musste sich der Soldat im Sommer 2009 zwei Tage lang außerhalb der Dienstzeit anstrengenden Prüfungen stellen und dabei große Mengen Alkohol trinken. Dabei würden Soldaten auch gezwungen, rohe Schweineleber und Rollmöpse mit Frischhefe zu essen. Die Frischhefe bewirke, dass sich die Betroffenen innerhalb kürzester Zeit heftig übergeben mussten. Auch seien Soldaten gezwungen worden, sich vor Kletterübungen vor den versammelten Kameraden zu entkleiden.
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Ein Sprecher der für die Gebirgsjäger zuständigen Einheit bestätigte die Vorfälle: "Die Rituale haben sich zwischen Mannschaftsdienstgraden vollzogen." Ältere Soldaten des Hochgebirgsjägerzuges hätten von jüngeren bestimmte Aufnahmerituale verlangt, "um als echte Gebirgsjäger zu gelten". Vorgesetzte seien aber nicht beteiligt gewesen.
"Es wurden etliche Beschuldigte genannt in dieser Sache", sagte der Sprecher. Einige davon gehörten der Bundeswehr inzwischen nicht mehr an. Nach den bisherigen Ermittlungen des Bataillons sei es zu den Ritualen außerhalb der Dienstzeit und außerhalb der Kaserne gekommen. Die Anfang Februar begonnenen Ermittlungen seien aber noch nicht abgeschlossen.
Robbe sprach laut "Süddeutscher Zeitung" in einer Mitteilung an den Verteidigungsausschuss von Aufgaben, die zum Teil "als erniedrigend und herabwürdigend" anzusehen seien. Offensichtlich würden diese Rituale schon seit Ende der 80er Jahre praktiziert. "Wenn diese Rituale mit Körperverletzung im Zusammenhang stehen und wenn Rekruten, die ja unter dem besonderen Schutz des Dienstherren stehen, misshandelt werden, dann gilt hier null Toleranz", sagte Robbe im ZDF.
Auch Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, der selbst seinen Wehrdienst in Mittenwald geleistet hatte, verlangte im ZDF: "Aufklären, abstellen und Konsequenzen ziehen."
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