09.09.2011, 12:49 Uhr
Die dreiwöchige Großübung der Minentaucher, genannt "Sandy Beach", beginnt.
Ein bisschen sieht Brian Schlüter wie ein Astronaut aus, wenn er in seinem überdimensionierten Schutzanzug über die stillgelegte Hafenanlage in Olpenitz bei Kappeln an der Ostsee tapst. Die dicken Protektoren aus Kunststoff machen jeden Schritt zum Kraftakt, und wenn er sein Lüftungssystem nicht ab und zu anknipsen würde, beschlüge vor lauter Anstrengung die Scheibe seines Helms. Doch es hat einen guten Grund, weshalb Schlüter schwer beladen durch die Gegend läuft: Der 31-Jährige ist Minentaucher, und zusammen mit 150 Kollegen aus neun Ländern nimmt er gerade am Manöver "Sandy Beach" teil.
Während der dreiwöchigen Übung vertiefen die Minentaucher in der Gegend um den Marine-Stützpunkt Eckernförde ihr Handwerk. Kampfmittelbeseitigung heißt ihre Kernaufgabe in der Militärsprache: Sie suchen Kampfmittel, zum Beispiel Munition aus alten Konflikten, Land- oder Wasserminen, aber auch improvisierte Sprengsätze von Terroristen, und entschärfen sie. Und weil dabei auch mal etwas schief gehen kann, trägt Schlüter den schweren Anzug.
Die Minentaucher sind eine Art Lebensversicherung für ihre Kameraden; sie kontrollieren Gebiete im Wasser und an Land auf Sprengkörper und bahnen so nachrückenden Truppen den Weg. Sie brauchen ruhige Hände, einen klaren Kopf und gute Ausdauer - Fähigkeiten, die während einer vierjährigen Ausbildung geschult werden. Die Hürden auf dem Weg zum Minentaucher sind hoch, viele scheitern, wenn sie ohne Hilfsmittel unter anderem zwei Minuten am Stück unter Wasser bleiben oder 50 Meter tauchen müssen.
Diese Anforderungen tragen eine Mitschuld daran, dass sich die Minentaucher-Kompanie in Eckernförde seit Jahren mit Nachwuchsproblemen herumplagt. Mario Fink, Dienstgrad Kapitänleutnant, ist seit zwei Jahren Chef der Kompanie. "Es gibt ein Mentalitätsproblem in der heutigen Generation, die Jungen sind bequemer geworden als noch vor zehn Jahren", sagt der kleine Mann mit dem stechenden Blick. Er will nicht genau sagen, wie viele Leute seiner Kompanie fehlen, spricht von einer zweistelligen Prozentzahl und einer äußerst angespannten Situation. Den Auftrag könne er aber weiterhin erfüllen, versichert Fink. Dazu gehört zum Beispiel, Minentaucher nach Afghanistan oder zur Operation Atalanta, der Piratenbekämpfung im Golf von Aden, zu schicken.
Brian Schlüter ist seit 2004 bei den Minentauchern. Für ihn sind nicht etwa die hohen Anforderungen der Hauptgrund für die Nachwuchssorgen seiner Kompanie. Es fehle eindeutig an finanziellen Anreizen, die harte und lange Ausbildung auf sich zu nehmen, sagt er. Seit Jahren kämpfen die Minentaucher um eine Erhöhung ihrer Erschwerniszulage. Immer wieder taucht die Erhöhung der Zulage für die Minentaucher in den Jahresberichten des Wehrbeauftragten auf, doch bisher hat sich noch nichts getan. "Es fehlt uns halt an einer politischen Lobby, wir sind zu wenig bekannt." Er mache seine Arbeit trotzdem gerne, sei stolz darauf, sagt Schlüter. Aber man sieht ihm an, dass ihn die mangelnde finanzielle Anerkennung wurmt. "Allein gelassen" fühle er sich, sagt Schlüter.
Auch Kapitänleutnant Fink weiß, dass seine Männer zu wenig verdienen, dass es deshalb noch schwieriger ist, den Kampf um die besten Leute gegen andere Truppen und auch die Feuerwehr und die Polizei zu gewinnen. Den einen oder anderen Bewerber mehr hätte eine Erhöhung der Zulage schon zur Folge, sagt er. "Und wir sind auf einem guten Weg, die Erhöhung zu erhalten. Ich rechne noch dieses Jahr mit ihr."
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Quelle: dapd
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