
04.02.2012, 13:25 Uhr
Nach Angaben von Regimegegnern haben Sicherheitskräfte in Homs ein Blutbad angerichtet.
Es war die tödlichste Nacht seit Beginn der Massenproteste: In Syrien haben Regimetruppen die Oppositionshochburg Homs unter Beschuss genommen und mindestens 300 Menschen getötet. Der Weltsicherheitsrat streitet indes über eine Resolution.
Kurz vor der Sitzung des zerstrittenen UN-Sicherheitsrats schlug Syriens Regime noch einmal brutal zu. "Mehr als 350 Mörsergranaten wurden auf den Stadtteil Al-Chalidija gefeuert", beschrieb Oppositionsaktivist Omar Idlibi den nächtlichen Angriff auf die seit Monaten umkämpfte Protesthochburg Homs. Ein mehrstöckiges Gebäude sei dem Erdboden gleich gemacht worden, zwei weitere massiv beschädigt. Es wurde mit mindestens 300 Toten und mehr als 1000 Verletzten die blutigste Nacht seit Beginn des Aufstands gegen Präsident Baschar al-Assad.
Am Morgen hörte der Dauerbeschuss auf, doch die Bedrohung blieb. Bewohner berichteten, dass sich nun Heckenschützen auf den Dächern postiert hätten. Noch immer seien Menschen verschüttet, unter den Trümmern ihrer Wohnhäuser begraben. Doch Rettungsarbeiten seien beinahe unmöglich. "Sie schießen auf alles, was sich bewegt", sagte Idlibi. Die Ärzte in den Krankenhäusern seien mit der Versorgung der Verletzten überfordert, Blutkonserven fehlten, auch Medikamente und Verbandsmaterial.
Krankenhäuser seien zudem nicht sicher: Assad-Milizen stürmten nach Angaben von lokalen Oppositionsgruppen ein Krankenhaus und nahmen Dutzende Verletzte mit.
Rund 20 Personen drangen durch den Hintereingang ein und zerstörten Teile der Einrichtung des Gebäudes. zum Video
Seit März geht Syriens Regime immer brutaler gegen seine Gegner vor. Mindestens 5600 Menschen kamen nach Schätzungen der Vereinten Nationen ums Leben. Doch die Zahl der Todesopfer dürfte inzwischen deutlich höher liegen.
Der UN-Sicherheitsrat und die Arabische Liga schauten der Gewalt bislang hilflos zu: Eine scharfe Resolution gegen die Assad-Regierung wurde bisher von Russland und China verhindert, die arabischen Staaten konnten sich gerade einmal auf wenige Wirtschaftssanktionen und den Einsatz von Beobachtern einigen. Doch auch diese Mission wurde wegen der andauernden Gewalt abgebrochen.
Die staatlichen syrischen Medien wollten von einem Blutbad in Homs indes nichts wissen. Der Alltag der Menschen im Umland von Damaskus, Hama und Homs sei völlig normal, berichteten Korrespondenten der Agentur Sana aus den Krisengebieten. Die Berichte, die die Welt schockierten, seien nichts als "aufhetzende Medienkampagnen", um den UN-Sicherheitsrat vor der Abstimmung über eine Syrien-Resolution zu beeinflussen.
Die Gewalt in dem Land gehe allein von "bewaffneten terroristischen Gruppen" aus, schrieb die Agentur. Ein Video, das die Opposition ins Internet stellte und das nach Angaben der Aktivisten einige bei dem Bombardement getötete Bewohner von Homs zeigt, wurde als Fälschung kritisiert. Es handele sich bei den Toten um die Leichen von Zivilisten, die von den "Terroristen entführt, gefoltert und ermordet" worden seien.
Berichte aus Syrien sind wegen der andauernden Medienblockade und der Gewalt vor Ort nur schwer zu überprüfen. Die wenigen Journalisten, die im Land arbeiten, sind ständigen Angriffen ausgesetzt. Nach Angaben von Reportern ohne Grenzen gehört Syrien zu den fünf Ländern der Welt, die die Pressefreiheit am meisten einschränkt haben - gemeinsam mit dem Iran und Nordkorea. Allein seit Jahreswechsel seien dort bereits zwei Journalisten bei ihrer Arbeit ums Leben gekommen.
Sicher scheint jedoch, dass die neue Eskalation nur zu einem weiteren Gewaltausbruch führen wird. Die oppositionelle syrische Muslimbruderschaft verbreitete über den Mitteilungsdienst Twitter Äußerungen eines desertierten Offiziers, der drohte: "Jetzt ist Schluss mit friedlichen Protesten." Die Antwort auf die Offensive in Homs werde ein Angriff der Deserteure in Damaskus sein.
Das Deutsche Rote Kreuz ist besorgt über die Lage der Menschen in Syrien. DRK-Präsident Rudolf Seiters sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", Tausende Menschen in dem von blutigen Unruhen erschütterten Land seien auf direkte Hilfe angewiesen. Er forderte die Konfliktparteien auf, den Helfern der DRK-Partnerorganisation Roter Halbmond den sicheren Zugang zu den Opfern zu gewährleisten. In Syrien seien rund 35.000 Menschen im eigenen Land auf der Flucht. Mehr als 15.000 Syrer seien in die Nachbarländer Libanon, Türkei und Jordanien geflohen. Viele lebten dort in Flüchtlingslagern.
Quelle: dpa , dapd
Nosferatu schrieb:
am 4. Februar 2012 um 18:48:52
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Tote bei Massaker
Mindestens 300 Tote bei Massakern in Syrien. Was passiert eigenbtlich wenn bei uns Bewaffnete Zivilisten Polizei oder
Bundeswehr attackieren ? Richtig: Die Polizei oder die Bundeswehr würden Panzer einsetzen und zurückschießen.Das nennt man das Machtmonopol des Staates. So ist das auch in Syrien, ob es uns passt oder nicht. Jeder Staat hat seine Ordnung und seine Gesetze. Warum muss sich denn der verheuchelte Westen da einmischen und die Revolte schüren ? Wir hätten mit uns selbst genug zu tun.
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Peter § schrieb:
am 4. Februar 2012 um 15:21:43
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Labersäcke
Jetzt 300 Tote,insgesamt 3000-4000 ? Morgen 500 Tote. Und ihr Labersäcke hier am PC wißt wie man alles besser machen könnte ?
Dann tut es doch,nur Kommentare schreiben nützt nicht`s.
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Joker schrieb:
am 4. Februar 2012 um 14:13:25
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@Kohl/Schröder
Sei mal lieber froh daß du in einer Demokratie leben darfst. Deiner Logik nach trägt ein Autohersteller auch
MItverantwortung wenn jemand damit umgefahren wird.
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