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Mindestens 150 Tote durch das Beben in den Abruzzen

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Mindestens 150 Tote durch das Beben in den Abruzzen

14.04.2009, 15:14 Uhr

Helfer suchen nach dem Erdbeben in Italien in den Trümmern nach Verschütteten (Foto: dpa) Helfer suchen nach dem Erdbeben in Italien in den Trümmern nach Verschütteten (Foto: dpa)

Nach dem schweren Erdbeben in den italienischen Abruzzen ist die Zahl der Toten auf mehr als 150 gestiegen. Dies meldete am Montagabend die italienische Nachrichtenagentur ANSA unter Berufung auf Angaben aus den Krankenhäusern der am schlimmsten betroffenen Stadt L'Aquila. Es wird befürchtet, dass die Opferzahl noch weiter steigt; viele Menschen werden noch vermisst. Möglicherweise 70.000 haben ihr Zuhause verloren. Ministerpräsident Silvio Berlusconi rief den Notstand aus.

In L'Aquila ist die Situation noch immer dramatisch. Auf der Suche nach Überlebenden arbeiteten sich Feuerwehrleute und andere Retter in fieberhafter Eile durch die Trümmer. Teile des größten Krankenhauses von L'Aquila wurden wegen Einsturzgefahr evakuiert. Nur zwei Operationssäle blieben noch funktionsfähig. Der Zivilschutz errichtete deshalb ein Feldlazarett, um die vielen Verletzten behandeln zu können. Gesundheitsminister Maurizio Sacconi rief die Bevölkerung zu Blutspenden auf.

Vor ErdbebenPhysiker warnte vor nahender Katastrophe
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Im Schlaf überrascht

Das Beben riss die Menschen in der Region Abruzzen in der Nacht um 3.32 Uhr aus dem Schlaf. Das Hauptbeben hatte laut italienischen Geologen eine Stärke von 5,8, amerikanische Seismologen maßen sogar 6,3. Tausende rannten panikartig ins Freie. Die Erschütterungen waren im rund 100 Kilometer entfernten Rom noch zu spüren. Die Abruzzen waren in den vergangenen Tagen bereits von rund zehn kleineren Erdstößen erschüttert worden.

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Vor neuen Beben gewarnt

Regierungschef Berlusconi rief den Notstand aus und sagte eine geplante Reise nach Moskau ab, um ins Katastrophengebiet zu fahren. Gemeinsam mit dem Leiter des Zivilschutzes, Guido Bertolaso, warnte er die Einwohner vor weiteren Erdstößen. Die Behörden registrierten bereits 200 kleinere Nachbeben. Deshalb darf vorerst auch niemand in die beschädigten Häuser zurückkehren. Es sei zwar unwahrscheinlich, dass es noch weitere schwere Erdstöße geben werde, aber ausschließen könne man dies auch nicht.

"Schlimmste Katastrophe seit Beginn des Jahrtausends"

"Es ist die schlimmste Katastrophe seit Beginn des Jahrtausends", sagte Guido Bertolaso, Leiter des Zivilschutzes. Mit bloßen Händen gruben Bewohner und Einsatzkräfte nach Verschütteten. In den Fluren der Krankenhäuser warteten blutende Verletzte auf Hilfe. Das Beben scheint immense Sachschäden angerichtet zu haben. Der Zivilschutz sprach von bis zu 15.000 beschädigten Häusern. "Das heißt, dass wir uns in den nächsten Wochen um tausende Menschen kümmern müssen", sagte Agostino Miozzo dem Sender Sky Italia. "Unser Ziel ist es, allen heute Abend ein Dach über dem Kopf zu geben." Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur ANSA stürzte in L'Aquila die Kuppel einer Kirche ein. Auch die Kathedrale der Stadt wurde beschädigt. Schwer betroffen war auch die Ortschaft Castelnuovo, aus der der Tod von mindestens fünf Menschen gemeldet wurde.

"Rannten in Schlafanzügen auf die Straße"

"Wir sind beim ersten Zittern aus der Wohnung geflüchtet", berichtet Antonio D'Ostilio. Mit einem riesigen Koffer voll hastig zusammengepackter Kleidungsstücke steht der 22-Jährige etwas ratlos auf den Straßen der mittelalterlichen Stadt. "Wir wurden plötzlich aus dem Schlaf gerissen und rannten in den Schlafanzügen auf die Straße." Ganz in der Nähe zogen die Feuerwehrleute eine Überlebende aus den Trümmern eines vierstöckigen Gebäudes. Das Beben ereignete sich Geologen zufolge in zehn Kilometern Tiefe. Das Epizentrum liegt rund 110 Kilometer nordöstlich von Rom.

Das Erdbeben in Italien (Grafik: dpa) Das Erdbeben in Italien (Grafik: dpa)

Physiker warnte

Bereits in den vergangenen Tagen gab es mehrfach Erschütterungen in der Region. Am Sonntag um 22 Uhr ereignete sich in der Region Emilia-Romagna im Norden des Landes ein erstes Beben. Es war nach Angaben von ANSA auch im nordöstlichen Triest und an der weiter südlich gelegenen Adria-Küste zu spüren und hatte eine Stärke von 4,6. Ein Physiker hatte vergangene Woche vor einem nahenden schweren Erdbeben in der Region gewarnt. Daraufhin sei er wegen "unbegründeten Alarmschlagens" angezeigt worden. Italiens Zivilschutz-Chef Guido Bertolaso wehrte sich gegen den Vorwurf, Warnungen von Experten in den Wind geschlagen zu haben. Trotz der gehäuften Erdstöße der vergangenen Tage in der Region sei nicht absehbar gewesen, wann es zu einem starken Beben kommen konnte, sagte Bertolaso. Zu dem Schluss seien Fachleute in L'Aquila gekommen.

Drei schwere Beben seit 1997

L'Aquila zählt rund 70.000 Einwohner. Die Stadt mit ihrem mittelalterlichen Zentrum liegt in einem Tal inmitten der Berge der Abruzzen. Es ist die Hauptstadt der Region Abruzzen. Nach Angaben des Bürgermeisters Massimo Cialente wurden zahlreiche Häuser im historischen Kern der Stadt beschädigt. Guido Bertolaso verglich den Erdstoß mit dem Beben, das am 26. September 1997 die Region Umbrien heimgesucht hat. Damals kamen zehn Menschen ums Leben. Mittelalterliche Gebäude wurden zerstört oder erheblich beschädigt, darunter auch die berühmte Basilika in Assisi. Zuletzt wurde Italien am 31. Oktober 2002 von einem schweren Beben heimgesucht. Bei dem Erdstoß der Stärke 5,4 wurden 28 Menschen in der Region Molise getötet. 27 von ihnen waren Kinder, deren Schule einstürzte.

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Quelle: dapd , dpa , AFP , t-online.de

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