Flutopfer in Bangladesch warten in einer Notunterkunft auf die Ausgabe von Essen (Foto: dpa)
US-Präsident Barack Obama stellt heute voraussichtlich einen milliardenschweren Hilfsplan im Kampf gegen den Hunger vor. Nach Angaben des Chefs des Internationalen Agrar-Entwicklungsfonds (IFAD) der Vereinten Nationen, Kanayo Nwanze, wird damit gerechnet, dass Obama die Initiative mit einem Volumen von 15 Milliarden Dollar zum Abschluss des G8-Gipfels im italienischen L'Aquila bekanntgeben wird.
Mit dem auf drei Jahre angelegten Hilfsprogramm sollen Investitionen in die Landwirtschaft in den Entwicklungsländern angekurbelt werden, um so langfristig die Nahrungsversorgung zu sichern. Nwanze betonte, mit dem Programm verschiebe sich der Schwerpunkt von der reinen Lebensmittelhilfe hin zu Hilfen, die es den betroffenen Ländern ermöglichten, selbst für sich zu sorgen. Zugleich drängte er darauf, dass es bei der Initiative um Taten und nicht nur um "Versprechungen" gehen müsse.
Proteste gegen hohe Lebensmittelpreise
Nwanze zufolge wollen die USA rund 3,5 Millarden Dollar bereitstellen. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy kündigte einen Beitrag seines Landes in Höhe von rund zwei Milliarden Dollar an. Japan stellte zwischen drei und vier Milliarden Dollar in Aussicht. Vergangenes Jahr hatten in zahlreichen Ländern der Welt Rekordpreise für Nahrungsmittel zu Protesten gegen die in die Höhe schnellenden Preise und regelrechten Hungeraufständen geführt.
"Lauwarme Versprechen"
Die Organisation Oxfam kritisierte, die sieben führenden Industrienationen und Russland (G-8) böten den hungernden Menschen in der Welt "nichts als lauwarme Versprechen". 15 Milliarden Dollar hörten sich zwar nach viel an, es handle sich aber dabei nicht um zusätzliche Hilfen, bemängelte Jörn Kalinski von Oxfam Deutschland.
Mehr als eine Milliarde hungern
Am Freitag stehen der Hunger auf der Welt und die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf Afrika im Zentrum der G8-Gespräche. Bei den G8 handelt es sich um die sieben führenden Industrienationen und Russland. Die armen Länder, insbesondere in Afrika, leiden massiv unter der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise. Laut Welternährungsorganisation überschreitet die Zahl der Hungernden aufgrund der Krise in diesem Jahr erstmals die Milliarden-Schwelle. Bereits am Mittwoch hatten die G8-Staats- und Regierungschef beschlossen, mehr als zwölf Milliarden Dollar zur Verfügung zu stellen, um Anbaumethoden zu verbessern.
Klimaziele vereinbart
An den ersten beiden Gipfeltagen hatten die G8-Chefs dem Iran wegen des Atomprogramms ultimativ mit Sanktionen gedroht, beim lange vernachlässigten Klimaschutz übernahmen sie erstmals eine Führungsrolle. Auch aufstrebende Schwellenländer wie Indien und China schlossen sich bei den Gipfel-Verhandlungen am Donnerstag dem ambitionierten G8-Ziel an, die Erderwärmung auf maximal zwei Grad zu begrenzen, um den Klimawandel aufzuhalten. US-Präsident Barack Obama kündigte an, im März 2010 einen Atomgipfel in Washington einzuberufen, um Maßnahmen im Kampf gegen den Nuklearwaffen-Schmuggel voranzubringen.