Verseuchtes Milchpulver: Zehntausende Kinder krank
23.09.2008, 08:49 Uhr
Ein Baby muss im Krankenhaus untersucht werden, weil es verseuchte Milch getrunken hat (Quelle: AFP)In China sind fast 53.000 Kleinkinder nach dem Verzehr von chemisch verseuchter Milch erkrankt. Fast 13.000 von ihnen befänden sich noch in Krankenhäusern, nachdem sie mit der giftigen Chemikalie Melamin versetzte Milchprodukte zu sich genommen hatten. Das teilte das chinesische Gesundheitsministerium mit.
104 der Kinder zeigten demnach schwere Krankheitssymptome. Auch in einem Produkt der Firma Nestlé sollen kleine Mengen an Melamin nachgewiesen worden sein. Die Meldungen wurden aber von dem Unternehmen umgehend dementiert. Lebensmittelskandal
Außerdem seien 39.965 Kinder ambulant behandelt und als geheilt entlassen worden. Bislang sind den Angaben zufolge vier Babys an Nierensteinen gestorben, die sich durch das beigemischte Melamin gebildet hatten.
Zahl der Erkrankungen weit höher als zunächst angenommen
Die Zahl der Erkrankungen ist damit drastisch höher als bisher dargestellt. Bis zum Sonntag hatten die chinesischen Behörden nur von 6200 Fällen berichtet. Wie es nun hieß, hätten 1579 der bislang landesweit 12.892 stationär behandelten kleinen Patienten die Kliniken inzwischen wieder als geheilt verlassen können.
Insgesamt 22 Hersteller betroffen
Der Skandal hatte mit der Entdeckung der giftigen Chemikalie in Baby-Milchpulver des chinesischen Herstellers Sanlu begonnen. Eine von den Behörden in der vergangenen Woche veranlasste Massenuntersuchung hatte ergeben, dass Proben von 22 Herstellern Melamin enthielten.
Angeblich geringe Verunreinigung eines Nestlé-Produkts
Wie das Zentrum für Nahrungsmittelsicherheit in Hongkong mitteilte, war ein geringer Rückstand von Melamin auch in einer Probe von "Dairy Farm Pure Milk" von Nestlé nachgewiesen worden. Der Anteil des Giftes sei allerdings so niedrig gewesen, dass ein einjähriges Kind mit einem Gewicht von 7,5 Kilogramm drei Packungen oder 3,38 Liter pro Tag trinken müsste, um eine gefährliche Dosis zu erreichen, sagte ein Sprecher des Zentrums. Der normale Konsum sei ungefährlich. Trotzdem sei es nicht ratsam, kleine Kinder mit dem Milchprodukt zu füttern. Der Handel sei von dem Testergebnis unterrichtet und gebeten worden, das Produkt vom Markt zu nehmen.
Nestlé dementiert
Der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern hat die Berichte umgehend dementiert. "Neslac Gold 1+" sei frei von Melamin, teilte Nestlé mit. Es sei von geprüften und unabhängigen Labors untersucht worden, und in keiner der Analysen sei Melamin gefunden worden. Man verfüge über sehr enge Beziehungen zu den Milchproduzenten in China und informiere diese laufend über die Qualität der Milchproduktion.
Bislang nur Milchpulver verunreinigt
Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Peking sind alle bislang untersuchten Krankheitsfälle auf Milchpulverprodukte und nicht auf flüssige Milch zurückzuführen. Die meisten Kinder, die in den Krankenhäusern behandelt werden mussten, seien mit verunreinigten Milchpulverprodukten der Firma Sanlu versorgt worden.