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Milchskandal in China: Melamin auch in Frischmilch gefunden

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Erste Bundesländer überprüfen Milchpulver

23.09.2008, 08:46 Uhr

Tausende Säuglinge in China sind bereits erkrankt, nun wurde das gefährliche Bindemittel Melamin auch in Frischmilch nachgewiesen (Foto: dpa) Tausende Säuglinge in China sind bereits erkrankt, nun wurde das gefährliche Bindemittel Melamin auch in Frischmilch nachgewiesen (Foto: dpa)Nach dem Milchpulver-Skandal in China wollen die ersten deutschen Bundesländer Milch und Baby-Milchpulver vorsorglich verstärkt kontrollieren. Das Saarland und Rheinland-Pfalz kündigten entsprechende Maßnahmen an.

Selbst wenn in Europa und Deutschland bislang keine Fälle von verseuchtem Babymilchpulver bekannt geworden seien, werde in den nächsten Tagen schwerpunktmäßig Milch- und Baby-Milchpulver im Handel auf die verbotene Chemikalie Melamin untersucht, teilte der saarländische Verbraucherschutzminister Gerhard Vigener am Freitag in Saarbrücken mit. Effektiver und transparenter Verbraucherschutz erfordere dauerhafte und risikoorientierte Kontrollen, sagte der CDU-Politiker. Die Ergebnisse der Kontrollen werden dem Ministerium zufolge in den nächsten Tagen erwartet.

VideoMilchskandal in China weitet sich aus
Milchskandal in ChinaViertes Baby gestorben
HintergrundDie Skandale um giftige Produkte aus China

"Reine Vorsichtsmaßnahme"

Auch Rheinland-Pfalz kündigte vorsorgliche Kontrollen an, wie "Spiegel Online" meldete. "Das ist aber eine reine Vorsichtsmaßnahme", betonte eine Sprecherin des Umweltministeriums in Mainz. "China ist auch ein Milchmangelland - die haben kein Interesse, Milchprodukte zu exportieren", ergänzte die Sprecherin. Den deutschen Verbrauchern droht nach Einschätzung von Verbraucherminister Horst Seehofer bislang keine Gefahr. Die Einfuhr chinesischen Milchpulvers in die EU sei verboten, sagte Seehofer am Freitag nach der Verbraucherministerkonferenz in Berchtesgaden. Bisher gebe es keine Hinweise auf illegale Einfuhren.

Melamin auch in Frischmilch

Derweil hat sichder Skandal um verseuchtes Milchpulver in China ausgeweitet. Wie die Behörden am Freitag mitteilten, wurde nun auch in Frischmilch die giftige Chemikalie Melamin gefunden, an der bereits vier Säuglinge gestorben sind. Der Stoff sei in haltbarer Frischmilch der drei führenden Hersteller Chinas nachgewiesen worden. In 24 von über 1200 in dieser Woche überprüften Milchtüten sei man fündig geworden, teilte die Behörde für Qualitätsüberwachung auf ihrer Internetseite mit.

Leere Milchregale in den Supermärkten

Betroffen seien die Produkte der Firmen Yili, Mengniu und Bright Dairy, die in ganz China im Handel sind. Die Unternehmen wurden aufgefordert, die Milch zurückzurufen. In vielen Supermärkten in Peking waren die Milchregale bereits am Donnerstag leer. "Alle problematischen Produkte wurden in unseren Geschäften verboten", sagte eine Geschäftsführerin der Supermarktkette Jian-Mart. Aus den Filialen seien Milch, Milchpulver und Joghurt der drei größten Milchproduzenten des Landes verbannt worden.

"Kunden werden diese Produkte nicht kaufen"

Nach Angaben eines Managers der Kette Wu-Mart erzielen die Händler derzeit nur ein Fünftel der normalen Umsätze. "Das wird mindestens noch ein bis zwei Monate andauern. Die Kunden werden diese Produkte nicht kaufen, solange die nicht dem nationalen Standard entsprechen", sagte Manager Wang Feiqi von Wu-Mart.

Tausende Kleinkinder krank

Nach Angaben der Behörden drohen Erwachsenen von der mit Melamin versetzten Milch keine gesundheitlichen Schäden. Dagegen sind in den vergangenen Tagen bereits mehr als 6200 Kleinkinder durch die Chemikalie an Nierensteinen erkrankt. Mit einem weiteren Anstieg der Zahlen wird gerechnet. Mit Melamin, das in der Industrie als Bindemittel eingesetzt wird, kann minderwertige Milch künstlich aufgebessert werden.

Kaffee bei Starbucks bleibt schwarz

Aufgrund des Skandals um verseuchte Milch bleibt bei Starbucks in China der Kaffee vorerst weitgehend schwarz. In zwei Dritteln seiner Filialen in China zog das US-Unternehmen seine Milch zurück, sagte die örtliche Sprecherin der Kaffeehauskette, Caren Li. Dies sei eine Vorsichtsmaßnahme, mit der den Sorgen der Kunden Rechnung getragen werde. Einer der Hauptlieferanten von Starbucks in China ist die in den Skandal verwickelte Firma Mengniu. Am Unternehmenssitz in Seattle erklärte Starbucks, die an das US-Unternehmen in China gelieferten Chargen seien zwar von dem Skandal nicht betroffen. Dennoch werde vorsichtshalber die Milch von Mengniu zurückgezogen. "Die Sicherheit unserer Kunden und Angestellten ist von größter Bedeutung", erklärte Starbucks.

Melamin auch in südkoreanischem Fischfutter

Derweil entdeckten Ermittler in Südkorea Spuren von Melamin in Fischfutter aus chinesischem und südkoreanischem Tintenfisch, wie das südkoreanische Ministerium für Ernährung, Land- und Forstwirtschaft und Fischerei mitteilte. Dem Ministerium zufolge stellte eine einheimische Firma von April bis Juli 612 Tonnen Fischfutter aus chinesischem und südkoreanischem Tintenfisch her und verkaufte davon 586 Tonnen an Fischfarmen. Der Rest sei zurückgerufen oder entsorgt worden. 16 Fischfarmen, die dieses Futter verwendeten, hätten 400 Tonnen Wels an Händler und Restaurants verkauft. Es seien Ermittlungen aufgenommen worden, um festzustellen, welche Teile der Lieferungen mit Melamin verseucht gewesen seien.



Quelle: AFP , dpa

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