In China sind nach dem Skandal um verseuchtes Milchpulver tausende Babys in Behandlung (Foto: AFP)In China ist ein vierter Säugling an verseuchtem Babymilchpulver gestorben. Das berichtete die Regierung der autonomen Region Xinjiang in Nordwestchina am Donnerstag nach Angaben chinesischer Medien.
Mehr als 6000 Kleinkinder sind an Nierensteinen erkrankt, weil das Milchpulver die giftige Chemikalie Melamin erhielt. Die Zahl der erkrankten Säuglinge könnte weiter steigen, da viele Kinder derzeit noch medizinisch untersucht werden.
18 Menschen in Haft
Erstmals wurde auch in Hongkong in Milchprodukten aus China die Chemikalie entdeckt. Acht von 30 Proben wurden beanstandet, berichtete Hongkongs Zentrum für Nahrungsmittelsicherheit. Bei den landesweiten Ermittlungen in China erließen die Behörden in der Provinz Hebei Haftbefehl gegen zwölf Verkäufer der Chemikalie und Milchhändler. Damit ist die Zahl der Inhaftierten auf 18 Personen gestiegen. Zehn weitere Verdächtige sind festgenommen worden und werden verhört. Offenbar war es in der Milchindustrie kein Geheimnis, dass mit der Chemikalie minderwertige Milch künstlich aufgebessert werden kann. In der Industrie wird Melamin als Bindemittel eingesetzt. Bei Babys kann es zu ernsthaften Nierenproblemen führen.
Bürgermeister entlassen
Als Konsequenz aus der mangelhaften Aufsicht über die Milchindustrie wurde auch der Bürgermeister der Stadt Shijiazhuang, Ji Chuntang, entlassen, wie örtliche Behörden berichteten. In seine Zuständigkeit fällt der führende Milchpulverhersteller Sanlu, in dessen Produkten als erstes die Chemikalie Melamin entdeckt wurde. Vier weitere hohe Funktionäre, die für Landwirtschaft und die Nahrungsmittelaufsicht in der Stadt zuständig waren, hatten zuvor bereits ihre Posten verloren.
Chaotischer Zustand in der chinesischen Milchindustrie
Auch die Vorstandschefin des Unternehmens Sanlu, Tian Wenhua, wurde entlassen und mittlerweile festgenommen. In Produkten von insgesamt 22 chinesischen Unternehmen ist die Chemikalie gefunden worden. Landesweit läuft eine Untersuchung der Milchindustrie, deren Zustand die Regierung in Peking nach einer Krisensitzung als "chaotisch" beschrieb.
35 Tonnen Milchpulver noch auf dem Markt
Das Unternehmen Sanlu, das bereits seit März von Problemen mit seinem Produkt wusste, hat nach offiziellen Angaben bis heute noch nicht sein ganzes Milchpulver zurückgezogen. Es müssten noch weitere 35 Tonnen aus Supermärkten und von Verbrauchern zurückgerufen werden, sagte der Vizebürgermeister von Shijiazhuang, Zhang Meizhi.