
15.09.2010, 09:25 Uhr | von Philipp Wittrock
Kanzlerin Angela Merkel soll Anfang Oktober Roland Kochs "Abschiedsgeschenk" vorstellen. (Foto: Reuters)
Ist es ein Signal an die Enttäuschten ihrer Partei? CDU-Chefin Angela Merkel stellt nach "Spiegel-Online"-Informationen Anfang Oktober das neue Buch des ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten und scheidenden CDU-Vize Roland Koch vor. Der Titel: "Konservativ."
Wenn ein Politiker ein Buch geschrieben hat oder eines über ihn erscheint, dann sucht er sich zur Präsentation gern jemand besonderes aus. Das kann ein politischer Gegner sein, so wie bei FDP-Chef Guido Westerwelle, der seine erste Biografie im vergangenen Jahr vom damaligen Außenminister Frank-Walter Steinmeier vorstellen ließ. Oder ein politischer Gegner, der zum echten Freund geworden ist, so wie der frühere SPD-Fraktionschef Peter Struck, der kürzlich seinen noch amtierenden Amtskollegen von der Union, Volker Kauder, zur Premierenrezension bat.
Wenn Angela Merkel nun ein Buch des zurückgetretenen hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch vorstellt, kann man sich der Kategorien gar nicht so sicher sein, mit denen man das Verhältnis der beiden beschreiben könnte. Und wenn es sich in dem Buch dann noch darum geht, was eigentlich heute konservativ ist, dann macht es die Sache nicht einfacher.
Am 4. Oktober wird man womöglich klarer sehen. Denn dann will die CDU-Vorsitzende nach "Spiegel-Online"-Informationen in Berlin das neue Buch ihres Noch-Stellvertreters vorstellen. Der Termin steht, Ort und Uhrzeit sind noch offen. Ab dem 7. Oktober soll das Werk im Buchhandel erhältlich sein. Der Titel des mit 220 Seiten angekündigten Werkes lautet: "Konservativ - Ohne Werte und Prinzipien ist kein Staat zu machen". Eine politische Abrechnung legt Koch damit nicht vor, ist zu hören. Wäre es so, dann hätte sich Merkel auch wohl kaum auf den Termin eingelassen. Sie hat das Manuskript gesehen und weiß bereits, was den Leser erwartet.
Auf seiner Homepage kündigt Koch "sein Abschiedsgeschenk und politisches Manifest zugleich" an. Er wolle Rechenschaft darüber geben, "warum er sich als Konservativer versteht" und "was 'Maß und Mitte' konkret bedeuten". Für ihn sei klar: "Gerade in einer Zeit rasanter Veränderung sind verbindliche Werte und Tugenden, Geschichtsbewusstsein sowie Traditionen notwendig, um die anstehenden Probleme zu lösen und Gesellschaft zusammenzuhalten." Doch auch Kriterien, "welche Veränderungen akzeptabel und notwendig" sind, hält Koch für erforderlich.
Letzteres wird Merkel besonders beruhigen, versucht sie doch in der frisch aufgeflammten Diskussion über Profil und Ausrichtung der CDU stets den Bogen zwischen christdemokratischen Grundwerten und ihrem Modernisierungskurs zu schlagen. Gut möglich, dass Merkel mit der Vorstellung des Buches ein Signal der Versöhnung an den Flügel der Enttäuschten senden will. Schließlich gilt Koch in der Union noch immer als Ikone der Konservativen, unter ihnen war der Aufschrei über seinen Rückzug besonders groß. Auch Merkel bedauerte sein Ausscheiden, und doch ging mit Koch auch einer ihrer schärfsten Rivalen - der sich zuletzt aber stets loyal verhielt.
Das bleibt wohl auch im politischen Ruhestand einstweilen so. Er wolle, so steht es in der Ankündigung zur Buchveröffentlichung, "eine notwendige Debatte anstoßen". In der CDU ist sie längst im Gang.
Quelle: Spiegel Online
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