12.04.2010, 09:16 Uhr | Von Anne-Beatrice Clasmann, dpa
Da, wo sie herkommt, ist es ungefähr 60 Grad wärmer als da, wo sie hin will: Ilham al-Kassimi vor ihrem Nordpol-Trip (Fotos: dpa)
Ilham al-Kassimi sitzt in einem der zahlreichen Luxushotels von Dubai und nippt an einem Minzetee. Nervös spielt die zierliche 27-Jährige mit dem Zipfel ihres schwarzen Kopftuchs. In wenigen Stunden beginnt die "Reise ihres Lebens". Sechs Monate hat die Investmentbankerin aus den Vereinigten Arabischen Emiraten trainiert, hat Gewichte gestemmt und gelernt, wie man bei arktischen Temperaturen im Zelt übernachtet. Ihr Ziel: Sie will als erste Araberin auf Langlaufski zum Nordpol.
Dabei geht es Al-Kassimi in der Arktis nicht nur um die körperliche Herausforderung. Sie will auch andere arabische und muslimische Frauen motivieren, aus ihrem Alltagstrott auszubrechen und etwas zu wagen. "Ich habe aufmunternde E-Mails von Frauen aus Saudi-Arabien, Syrien und anderen arabischen Ländern erhalten, und selbst wenn ich nur zwei Frauen dazu bringen sollte, die unsichtbaren Hürden wegzuräumen, die sie behindern, bin ich zufrieden", sagt sie.
An ihrem letzten Wochenende in Dubai ist das Wetter schwül und diesig. Das Thermometer zeigt 30 Grad - im Sommer wird's noch deutlich heißer. Al-Kassimi fliegt zunächst via München nach Oslo. Dann geht es weiter auf eine norwegische Insel. Von dort aus bringt ein kleines Flugzeug die junge Frau zum Basislager der Nordpolexpedition. Das letzte Stück wird sie auf Langlaufski zurücklegen, zusammen mit einem Italiener, einem Briten und dem Expeditionsleiter aus den USA. Ihre rund 30 Kilogramm schwere Ausrüstung will die 27-Jährige selbst auf einem Schlitten hinter sich herziehen. "Schlittenhunde wären, obwohl ich Sponsoren habe, zu teuer gewesen", erklärt sie. Sie schätzt, dass sie und ihre Begleiter etwa zwei Wochen unterwegs sein werden, bevor sie ein Hubschrauber am Ziel abholt.
Zusammen mit dem Expeditionsleiter hatte sie im Januar fünf Tage lang in Minnesota trainiert, um sich auf das Skifahren und die Übernachtung im Zelt in der klirrenden Kälte vorzubereiten. "Bei Temperaturen von unter minus 20 Grad wird es schon sehr ungemütlich, vor allem, wenn man sich nicht bewegt", sagt die schmale Frau, die vom Langlauf bis vor wenigen Monaten noch gar keine Ahnung hatte und auch im Abfahrtski eine Anfängerin war. Sie hat für die Reise extra zugenommen und sich harte Muskeln antrainiert. Bei einer Größe von 1,60 Meter wiegt sie trotzdem nur 52 Kilo. "Mir gefallen meine neuen Muskeln", erklärt sie und lacht. Zu sehen sind sie unter ihrem weiten schwarzen Gewand natürlich nicht.
Mit ihrer Reise zum Nordpol will Al-Kassimi erstmals ihre körperliche Leistungsfähigkeit auf die Probe stellen. Doch die erste Herausforderung ist der Trip quer über das Eis nicht. "Ich war fünf Jahre lang in London, erst habe ich mein Studium beendet, dann bekam ich diesen Job bei der Bank, aber irgendwann sah ich all diese ehrgeizigen Menschen um mich herum, die vor allem daran denken, ob sie ihre Karriereziele wohl erreichen bis sie 35 Jahre alt sind. Es ist fast so, dass man vergisst, zu leben."
Dass die Lebensbedingungen in den Emiraten vor 60 Jahren noch genauso hart waren wie in der Arktis, weiß Al-Kassimi nur aus den Erzählungen ihrer Großmutter. Die Menschen lebten damals in Dubai und dem Emirat Ras al-Khaima, aus dem ihre Familie stammt, in Zelten oder in einfachen Häusern. Keine Spur von einer Klimaanlage, die heutzutage in Dubai eine Selbstverständlichkeit ist. Zum Markt musste man mit dem Esel reiten. Heute fährt Al-Kassimi mit dem Geländewagen in die Shopping-Mall.
Dubai ist inzwischen eine moderne Metropole. Dennoch denken viele Einheimische, die wegen der Aufnahme von Arbeitern und Fachkräften aus der ganzen Welt inzwischen nur noch rund zehn Prozent der Bevölkerung ausmachen, immer noch sehr konservativ. Eine junge Frau, die ohne einen männlichen Verwandten als Begleiter ans andere Ende der Welt zieht, ist für sie im positivsten Fall sehr ungewöhnlich.
Al-Kassimi weiß, dass durch ihr Abenteuer ihre Chancen, in der islamisch-konservativen Gesellschaft ihrer Heimat einen Ehemann zu finden, eher sinken als steigen. Die einzigen negativen Reaktionen, die die unverheiratete Karrierefrau erhielt, nachdem die lokale Presse über ihre Reisepläne berichtet hatte, kamen von Männern. Sie schrieben ihr, sie sollte doch besser zu Hause bleiben und sich um einen Ehemann kümmern. "Das lässt mich kalt", sagt sie und macht eine wegwerfende Handbewegung, "denn ich will lieber gar keinen Ehemann als einen, der mich nicht versteht." Ihr Traummann müsste sportlich und abenteuerlustig sein, "ein Mann, der mich nicht bremst".
Ob sie nach ihrem Nordpol-Trip wieder in die Londoner Finanzwelt zurückkehrt, weiß Al-Kassimi noch nicht: "Ich vermisse meine Arbeit, aber ich muss mich jetzt darauf konzentrieren, dass ich es in zwei Wochen bis zum Nordpol schaffe, da will ich jetzt noch nicht an den nächsten Schritt denken."
Quelle: dpa
Hans Reitbauer schrieb:
am 11. April 2010 um 15:12:04
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Nordpol
Hallo Al-Kasimi,
ich ziehe meinenn bayrischen Trachtenhut vor Dir, ich war 7 Jahre in Arabien und Afrika unter anderem auch in Abu
Dabi , Dubai und Ras Al Kaima.Ich weiß was 50° Temparaturunterschied bedeuten,nochmals Respekt.
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Philosoph schrieb:
am 11. April 2010 um 15:09:44
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Nordpol
Es ist bewundernswert, diese Frau hat offenbar die westliche Welt begriffen. Denn es spricht aus ihren Sätzen der Kampfgeist heraus,
den man heutzutage in der Arbeitswelt braucht. Die Herren des Orients mögen solche selbständigen weibliche Personen offenbar nicht so sehr. Ich jedenfalls wünsche der Frau, das ihr Vorhaben gelingen möge. Schließlich betreibt sie ja auch einen Sport, der bei ihr zu Hause nur in Dubai in der künstlichen Piste betrieben werden kann. Ski heil, liebe Wüstentochter.
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Dieter schrieb:
am 11. April 2010 um 14:58:33
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Wuestentochter
Ich finde es herrlich, dass eine junge Frau aus dem Orient sich zu einem solchen Vorhaben vorbereitet. Hoffentlich
gelingt Ihr
was sich so mancher Mann nicht zutraut, besonders nicht die machtprotzenden aus dem Orient, die sich
die Frauen nur als "Putzlumpen" vorstellen können.
Ich wünsch Ihr alles Gute.
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